Neues Jahr neues Glück: Wie stehen die Chancen von Krebspatienten einen neuen Arbeitsplatz zu finden? 

Die Diagnose Krebs stellt für Betroffene und ihre Familien in der Regel eine schwierige und belastende Zeit dar. Doch nicht nur die Krankheit selbst, sondern auch die möglichen Auswirkungen auf den beruflichen Werdegang können eine große Belastung darstellen. Insbesondere bei der Jobsuche kann es für Krebspatienten auch nach erfolgreicher Therapie schwierig sein, eine passende Anstellung zu finden, auch wenn in den letzten Jahren die Chancen für Krebspatienten auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessert wurden. Dank der Aufklärungsarbeit von Selbsthilfegruppen und der Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten können heute viele Menschen nach einer Krebserkrankung wieder ein normales Leben führen.

Ein großes Problem bei der Jobsuche für „ehemalige“ Krebspatienten ist das Vorurteil, dass sie aufgrund ihrer Krankengeschichte weniger leistungsfähig sind. Dies kann dazu führen, dass Arbeitgeber aus Angst vor möglichen Ausfallzeiten oder anderen Einschränkungen zögern, selbst geheilte Krebspatienten einzustellen. Krebs ist ein schweres Thema, welches ich mit meiner Schreiberei versuche, etwas leichter zu machen, damit es anderen Menschen in ähnlichen Situationen leichter fällt sich auszutauschen und dabei Informationen und Unterstützung finden.

Grundsätzlich muss eine Krebserkrankung in der Bewerbung auf eine neue Stelle nicht erwähnt werden. Es besteht allerdings eine weitere Herausforderung darin, dass durch Social Media und andere digitale Plattformen die Lebensläufe von Jobinteressierten leicht verfolgt und überprüft werden können. 

Auch wenn es in Deutschland verboten ist, einen Bewerber aufgrund von Krankheit oder Behinderung zu diskriminieren, gibt es dennoch immer wieder Fälle, in denen sich Unternehmen wegen solcher Informationen gegen einen Bewerber oder eine Bewerberin entscheiden.

Darum können Krebspatienten nach der Akuttherapie manchmal Schwierigkeiten haben, einen neuen Job zu finden. Vor allem, wenn sie während ihrer Behandlung längere Zeit arbeitsunfähig waren oder wenn sie Einschränkungen in ihren Fähigkeiten haben, die sich auf bestimmte Arten von Arbeit auswirken könnten. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, sich an eine Beratungsstelle zu wenden, die sich auf die Beschäftigung von Krebsüberlebenden spezialisiert hat, oder sich an die Agentur für Arbeit zu wenden, die möglicherweise Unterstützung bei der Jobsuche anbieten kann.

Es gibt auch eine Reihe von Organisationen, die sich auf die Unterstützung von Krebsüberlebenden bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt spezialisiert haben, wie beispielsweise die Deutsche Krebshilfe oder der Deutsche Arbeitskreis für Rehabilitation e.V. (DAKReha). Diese Organisationen bieten Beratung und Unterstützung bei der Jobsuche und können auch Kontakte zu Arbeitgebern vermitteln, die Krebspatienten beschäftigen möchten.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich an Unternehmen zu wenden, die sich explizit für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten engagieren. Solche Unternehmen sind in der Regel offener für die Einstellung von Krebspatienten und setzen sich für die Gleichstellung von Menschen mit besonderen Bedarfen ein.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie verunsichernd der Start in den Arbeitsalltag nach einer Krebstherapie sein kann. Eine gute Grundlage kann ein offenes Gespräch mit den betreuenden Ärzten, über Ängste und Sorgen sein. Auch die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises kann ich nur empfehlen. Beim Erstantrag auf Schwerbehinderung ist für Krebspatienten meist allein die Diagnose Krebs ausreichend, um einen Grad der Behinderung von 50 zu bekommen. Damit gilt für sie zum einen automatisch ein besonderer Kündigungsschutz, in der Regel für 5 Jahre, zum anderen erhält der Arbeitnehmer in der Regen zusätzliche 5 Urlaubstage im Jahr. Zusätzlich können Arbeitgeber bei Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer zahlreiche Förderungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen.

Trotzdem gibt es immer noch viele Unternehmen, die Krebspatienten diskriminieren und ihnen die Stelle verweigern, weil sie befürchten, dass die Erkrankung wieder ausbrechen könnte. Dies ist allerdings unbegründet, da die meisten Krebserkrankungen heutzutage gut behandelt werden können und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls sehr gering ist.

Doch diese Vorurteile, selbst geheilten Krebspatienten gegenüber, können Arbeitgeber davon abhalten, diese für eine Stelle in Betracht zu ziehen. Dass kann für Betroffene, die sich auf der Jobsuche befinden, natürlich eine zusätzliche Belastung darstellen, die sie schon durch die Krebserkrankung und die damit verbundenen Behandlungen erlitten haben. 

Einige der Ängste, die Arbeitgeber gegenüber Krebspatienten haben könnten, sind:

  • Sorge um die körperliche Belastbarkeit: Arbeitgeber könnten befürchten, dass Krebspatienten auch nach der Therapie aufgrund ihrer Erkrankung nicht in der Lage sind, bestimmte körperliche Anforderungen zu erfüllen oder sich schnell zu erholen.
  • Angst vor Rückfällen: Arbeitgeber könnten befürchten, dass Patienten trotz erfolgreicher Therapie wieder erkranken und somit längere Ausfallzeiten haben.
  • Vorurteile gegenüber der Leistungsfähigkeit: Manche Arbeitgeber könnten der Ansicht sein, dass auch geheilte Krebspatienten weniger leistungsfähig sind als andere Bewerber.


Es ist wichtig, dass Arbeitgeber ihre Ängste und Vorurteile abbauen und Krebspatienten die gleichen Möglichkeiten und Chancen auf dem Arbeitsmarkt einräumen, wie jedem anderen Bewerber auch. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist die Einbeziehung von Krebspatientenverbänden und -organisationen in den Recruiting-Prozess. Diese können Unternehmen dabei helfen, die Bedenken zu verringern und sie über die Fähigkeiten und Stärken von geheilten Krebspatienten aufzuklären.

Ein weiterer Vorteil für Arbeitgeber ist, wie oben bereits erwähnt, dass sie bei der Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer diverse Förderungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen können. So gibt es zum Beispiel Zuschüsse von den jeweiligen Integrationsämtern, wenn es um die Einrichtung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes geht und der Behinderungsgrad mindestens 50 beträgt. Gleichzeitig wird durch die Integration von Behinderten, wie Krebspatienten, eine vielfältigere und inklusivere Arbeitsumgebung geschaffen.

Heute weiß ich, wie wichtig es ist regelmäßig zur Früherkennung (Vorsorge) zu gehen und alle empfohlenen Untersuchungen zu unternehmen, um die Überlebenschancen zu verbessern und möglichen Rückfällen vorzubeugen. Dieser Austausch kann dazu beitragen, dass sich ebenso die Vorurteile von Mitarbeiter verringern und sie bewusster und selbstverantwortlich mit dem Thema umgehen. Mitarbeiter werden sich willkommen und geschätzt fühlen, was wiederum zu einer höheren Zufriedenheit und Motivation beitragen kann. Insgesamt kann die Zusammenarbeit mit Krebsverbänden und -organisationen für Unternehmen also eine wertvolle Ressource sein!

Es ist absolut wichtig, dass Krebspatienten offen UND ohne negative Konsequenzen über ihre Erfahrung sprechen können, denn die traurige Tatsache ist: mittlerweile erhält fast die Hälfte aller Deutschen im Laufe ihres Lebens die Schreckensdiagnose Krebs. Die andere Hälfte ist dann als Elternteil, Ehefrau- oder Mann, als Freund oder Freundin, oder als Arbeitgeber mit davon betroffen. Ein angstmachender Gedanke, der nachvollziehbarer Weise lieber weggeschoben wird. Niemand rechnet damit an Krebs zu erkranken – die Patienten taten das genauso wenig. Das Allerwichtigste ist – darüber zu sprechen. Nur so können wir dabei helfen, die noch immer weit verbreiteten und veralteten Vorurteile entgegenzuwirken und fehlende Informationen bei potenziellen Arbeitgebern aufzufüllen.

(Quellen: business-wissen.de, 2022 / krebsinformationsdienst.de, 2021)

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