#wunderweiber

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Ein ganz normaler Tag einer berufstätigen (Ehe)-Frau, Mutter und warum weniger manchmal mehr ist!

Morgens, nachdem der Wecker dich aus dem Bett klingelt, stehst du als Erste auf, gehst ins Bad, um danach den Rest der Familie zu wecken, um dann das Frühstück und die Lunchbox für die Familie vorzubereiten. Dann vielleicht noch schnell mit dem Hund raus oder ein anderes Haustier versorgen, Kinder fertig machen, eventuell reicht es noch für einen kurzen Make-up Check und dann aber ab ins Auto oder zur Bahn - ist ja schon wieder so spät geworden...

Weiter geht es zur Kita, du verabschiedest das oder die Kind/er nur husch, die Zeit sitzt dir im Nacken, denn beim Job wartet gleich ein Meeting auf dich... Natürlich bleibst du bis zum letzten Moment auf der Arbeit (Kolleg/innen könnten ja sonst schief gucken), um dann in der letzte Minute das oder die Kind/er wieder pünktlich von der Kita abzuholen.  Vermutlich möchte der Nachwuchs noch zum Spielplatz, du musst aber noch einkaufen und die Wäsche machen, denn sonst kann dein/e Kleine/r morgen sein/ihr Lieblings-Shirt nicht anziehen... also versprichst du beim Einkauf eine Süßigkeit zu kaufen, um vielleicht später noch zum Spielplatz zu gehen.

Nachdem du die Einkäufe nach Hause geschleppt hast und die Kinder auch irgendwie angekommen sind, wartet eventuell schon der Hund auf dich, der raus muss. Ansonsten müssen die Betten heute noch neu bezogen werden, das Klo sauber und eben die Wäsche gemacht werden, es soll ja schließlich schön sein bei uns!

Je nach dem, was die Zeit sagt und es mit dem Gemütszustand der Brut aussieht, entscheidest du dich noch für eine halbe Stunde Spielplatz oder etwas Lego spielen. Dabei musst du dir überlegen, was es denn heute zum Abendessen gibt. Eine Tiefkühlpizza wäre eine Erleichterung, aber als verantwortungsvolle Mama, Hausfrau und gesundheitsbewusste Frau ist das ein "no go". Nachdem du in der Küche das Abendessen vorbereitet hast, sitzen endlich alle am Tisch - kleines Stoßgebet: "Hoffentlich schmeckt es allen und der/die Kleinen machen gut mit", blöd wenn es das Gebet nicht hilft...

Wenn der Ehemann vorhanden und zu Hause ist, übernimmt er vielleicht das Bettfertig machen der Kinder, damit du in dieser Zeit die Küche wieder schön sauber machen kannst, sonst bleibt beides an dir hängen... Sollte dann der Hund nochmal raus, die Wäsche aufgehängt oder vielleicht etwas für den morgigen Klassenausflug vorbereitet werden, fällt das Fernsehprogramm vermutlich aus und du so gegen 23:00 Uhr ins Bett.

Dabei sind an diesem Tag weder die Kinder, noch das Haustier krank geworden, die ISTA hat sich nicht zum Ablesetermin angemeldet oder die Tankanzeige auf null, beziehungsweise die Öffentlichen hatten Verspätung... Aber wir sind doch Wunderweiber - wir schaffen alles!

Noch vor gut dreissig Jahren war es "normal", dass die Frau sich zu Hause um das Wohlergehen der Familie gekümmert hat. Sie war zu Hause, sie war da, wenn die Kinder sie brauchten und hatte genügend Zeit sich um das Essen und um den Haushalt zu kümmern. Der Mann ging zur Arbeit und finanzierte die Familie. Dabei ist es unbestritten wie wichtig es ist, dass Frauen nicht mehr finanziell abhängig sind und nach "Geld" fragen müssen, sowie ihrem Beruf oder sogar ihrer Berufung nachgehen können! Doch haben wir dabei nicht etwas vergessen? Wer übernimmt denn die herausfordernde Aufgabe des "sich kümmern", also wer nimmt sich der Bedürfnisse der ganzen Familie an??? Es ist nicht die beliebteste Aufgabe, schließlich wollen alle ein sauberes Klo, möchten alle einen gefüllten Kühlschrank und "einfach" ein schönes Zuhause...

Meine Generation ist also noch mit einer zu Hause-Mama aufgewachsen. Mädchen erhielten spätestens mit der Einschulung kleinere Aufgaben im Haushalt. Die Jungs haben auch mal den Wäschekorb getragen, doch nach der Schule eher an ihren Fahrrädern herum geschraubt. Natürlich passt das auch heute zu den kindlichen Interessen. Mädchen spielen mit sieben Jahren sehr gerne "Familie", lieben Puppen und kümmern sich um sie. Jungs in dem Alter fangen an ihre Kräfte zu messen und raufen sich gerne mal. Dabei gab es damals einen Leitsatz der mich und vermutlich viele andere Frauen geprägt hat: "Sei bloß nie abhängig von einem Mann!"

Für mich hat sich daraus automatisch eine gewissen Aufgabenteilung ergeben: Um Versicherungen, Steuer und Verträge kümmert sich neben der Arbeit der Mann, um die Kinder, die Sauberkeit im Haushalt, Haustiere, Einkäufe und Kochen kümmert sich die Frau. Also ähnlich wie früher, nur dass meistens die Frau heute zusätzlich "nebenbei" arbeitet und damit den Spagat zwischen Familie und ihrer Karriere hinbekommen muss.

Dabei unterstützt uns Frauen gemäß Werbung zum Beispiel ein Deo! Wenn der Mann erschöpft nach der Arbeit auf dem Sofa liegt, kommt die Frau mit Kind und Einkäufen im Arm, strahlend frisch, fit und schön von der Arbeit - dann ist sie noch so nett und wirft im das Deo zu! Was braucht man(n) mehr... ?!? 😉 Doch was wirklich helfen würde ist ein Grundeinkommen für Hausfrauen und/oder -männer. So könnte die Familie selber entscheiden, wieviel Zeit in Beruf beziehungsweise in die Familie investiert wird, ohne dass eine/r dabei nichts verdient - denn wie heisst es so schön: Was nichts kostet, ist auch nichts wert."

Zusätzlich erkennen wir beim genauen Hinsehen aber auch, dass wir Wunderweiber uns teilweise selbst diese viel zu vielen Aufgaben aufbrummen. Oft weil wir erwarten, dass der Partner von sich aus die Dinge erkennt, die wir in diesem Augenblick erledigt haben möchten und wir uns schwer damit tun, dass dann bestimmte Aufgaben anders und zu einem anderen Zeitpunkt erledigt werden. Stichwort "Helikopter Eltern": wie wäre es, einfach mal eine gute Portion Gottvertrauen zuzulassen? Tief durchzuatmen, loszulassen und daran zu glauben, dass die Dinge auch ohne uns schon gut werden!  Ganz schön entspannend, finde ich... 😉