Wenn sich Kreise schließen.

Wer meine Geschichte kennt weiß, dass ich Anfang 2018 an Krebs erkrankt bin und mein hoffentlich erstes und letztes Jahr mit einem Non-Hodgkin-Lymphom niedergeschrieben habe.  Es war eine Zeit voller Emotionen, Erkenntnisse, Ängsten, Hoffnungen und Liebe, begleitet von großartigen Menschen die mich unterstützt und motiviert haben.

Darunter war und ist auch eine sehr gute Bekannte, eigentlich schon eher Freundin,  mit ihrer Briard Hündin Mimi.  Abwechselnd laden wir uns mit weiteren Freunden gerne mal zum Abendessen ein und helfen uns gegenseitig als Hundesitter oder Gassigeher aus.  Dass dies ab Ende des Jahres 2018 zunehmen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Aber leider verstarb der langjährige Lebenspartner meiner Freundin und Mimi war von da an  auch mal bei uns zu Hause zu Besuch. Ich kannte den Mann nicht, nur einmal, als ich Fido bei ihr abholte, begegneten wir uns kurz im Flur ihrer Wohnung.  Von unseren Spaziergängen mit den Hunden wusste ich, dass die beiden eine Fernbeziehung führten, er Musiker war, eine Wohnung in Berlin hatte und es leider schon lange nicht zum Besten um seine Gesundheit stand. Wenn uns durch Krankheit mit jedem Tag die Endlichkeit etwas deutlicher wird, suchen wir nach dem Weg, der uns zeigt, wie wir irgendwann ohne den geliebten Menschen weiter gehen können. Dennoch trifft es die Zurückgebliebenen wie ein Schock, wenn die Liebe das gemeinsame Leben verlässt.

Es ist der Kreislauf des Lebens und für die, die bleiben geht es einfach weiter. Weiter mit dem Schmerz der anfangs unerträglich scheint und oft mit der Herausforderung verbunden ist, auch für Andere da zu sein. Aber die Zuversicht lässt uns ahnen, dass es irgendwann besser wird. Nur sehr langsam – aber es wird besser. Denn so ist das Leben und wir versuchen es zu lieben, wie es ist.  Wir probieren so viele Momente des Lebens bewusst zu leben und schöne Augenblicke zu genießen. Auch so oft wie möglich ausgiebig und herzlich zu lachen. Vergessen sollten wir dabei nicht – wirklich freuen können wir uns nur, wenn wir auch mal traurig sind.

Auf den vielen Gassi Runden begleiteten meine Freundin und mich heute noch gute Gespräche, die wie Balsam für die Seele sind. Sie verarbeitet Schritt für Schritt ihren Verlust und ich meinen Krebs. Natürlich erzählte ich ihr, von meinem Herzensprojekt, meine Geschichte als Hörbuch zu veröffentlichen und dass die Hörbuchmanufaktur in Berlin Interesse daran hat es zu publizieren.

Als sie mich kürzlich fragte, ob ich Mimi zu mir nehmen könnte, da bald die lang geplante Gedenkfeier in Hamburg stattfinden sollte, sagte ich ihr natürlich zu. Die Feier fand am Sonntag statt und ich plante Mimi gegen zehn Uhr morgens zu uns nach Hause zu holen. Noch am Frühstückstisch checkte ich was auf Facebook so los ist und las in einem Post, dass die Hörbuchmanufaktur auch auf Instagram unter dem Account „diehoeragenten“ zu finden ist. Zwei Klicks später bin  ich Abonnentin.

Mimi ist mit ihren vierzehn Jahre eine sehr alte Hundedame, die sich nach einer gemütlichen Runde viel lieber wieder auf ihr eigenes Plätzchen nieder lassen möchte. Aus diesem Grunde brachte sie ihren Besuch bei uns mehr oder weiniger wie eine Pflichtübung hinter sich und legte auf dem Heimweg gleich das doppelte Tempo hin. 😉Erst in ihrem Reich angekommen war sie bereit etwas zu fressen und verkrümelte sich bald darauf in ihr Bettchen um sich von den ganzen Strapazen zu erholen. Als Frauchen gab ich meiner Freundin natürlich Bescheid, dass alles soweit ok sei und wünschte ihr noch eine schöne Gedenkfeier.

Zum Abend hin war ich nochmal online und las den ersten Instagram Beitrag von „diehoeragenten: „Danke an alle, die bei der Gedenkfeier in Hamburg dabei waren….“

„War das etwa DIE Gedenkfeier?“ Schießt es mir durch den Kopf. Und tatsächlich, erzählte mir meine Freundin am Telefon, dass bei der Feier eine sehr nette Frau von der Hörbuchmanufaktur in Berlin war. Ihr Lebensgefährte arbeitete zufälliger Weise mit dem Hörbuchverlag an gemeinsamen Projekten und die nette Frau ist auch diejenige, mit der ich einen herzlichen Kontakt betreffend meiner Hörbuchideen pflege.

Manchmal scheint die Welt unendlich, vermutlich weil sie rund ist und genau darum fühlt es sich so gut an, wenn ein Kreis sich schließt.

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