#versicherung für das wahrscheinlich unwahrscheinliche

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Mit einem zweiten Kaffee setzte ich mich vormittags an Themen wie Krankenkasse und Versicherung. Dass ich, mit meiner beginnenden Selbständigkeit Anfang 2017, einen gravierenden Fehler gemacht habe, ärgert mich heute noch extrem! Aber Fehler macht man, um daraus zu lernen...

Da ich bereits während meiner jahrelangen Festanstellung freiwillig, gesetzlich Krankenversichert war, benötigte die Versicherungsgesellschaft bei der Meldung meiner Selbständigkeit, "nur" die Information über das gewünschte Versicherungspaket sowie die erwarteten Umsätze für das erste Geschäftsjahr. Um neben den notwendigen Investitionen Kosten zu sparen, entschied ich mich für das günstige Basispaket - ein Versicherungsumfang der leider kein Krankentagegeld beinhaltet, auch nicht ab dem 43. Tag!

"Naja, wenn mich eine Grippe erwischt und ich auch ganze zwei Wochen ausfalle, bringt mir das ja auch nichts..." Gedanken einer naiven Gesunden. Dabei möchte ich hier und jetzt allen Selbständigen, Freiberufler/innen und/ oder Unternehmer/innen sagen: Bitte checkt eure Krankenversicherung und ergänzt diese, wenn notwendig!!! Für ein paar Euro mehr pro Monat, erhält man nicht nur (je nach Versicherungspaket) ab dem 22. oder 43. Tag, 60 - 70 % seines Einkommens, es entfallen im Krankheitsfall ebenfalls die monatlichen Versicherungsgebühren!

Als Hundefriseurin ist man neben der körperlich anstrengenden Arbeit natürlich auch zusätzlichen Gefahren ausgesetzt. Durch Kratzer, Bisse, Hautpilzkrankheiten oder Parasiten ist die Infektionsgefahr leider so groß, dass ich erstmal und bis auf weiteres nicht in meinem Beruf arbeiten darf.  Damit kommen wir zum Thema Berufsunfähigkeits-Versicherung. Die hab ich! Aber natürlich ist aktuell noch nicht klar, ob ich Anspruch auf Leistung habe...

Wichtig zu wissen ist, dass man nur solange keine Erkrankung (physisch oder psychisch) vorliegt, die nicht innerhalb von wenigen Wochen mit Medikamenten zu behandeln ist, sondern ggf. eine Therapieform benötigt, die Entscheidung für oder gegen eine entsprechende Versicherung oder Zusatzversicherung fällen kann. Während oder nach einer "nicht allgemeinen Erkrankung", werden Versicherungen dich als Neukunden ablehnen oder nur unter Vorbehalt unter Vertrag nehmen.

In einer funktionierenden Familiengemeinschaft, in der mindestens einer ein regelmäßiges Einkommen hat, kann man so einen Fehler vielleicht gerade noch "ausbaden". Doch es gibt ganz viele Menschen, denen droht neben einer schlimmen Erkrankung, auch noch die Armut. Das mag für manche schwer vorstellbar sein, ist aber leider eine Tatsache. Denn gerade als Selbständige/r hat man nach 12 beitragsfreien Monaten auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Es gibt die Möglichkeit der freiwilligen Absicherung bei der Arbeitslosenversicherung. Leider können sich gerade Existenzgründer das nicht leisten, denn vor einigen Jahren wurden die Beiträge fast verdoppelt.

Also bleibt im schlechtesten Fall eine vielleicht lebensbedrohliche Krankheit und Harz IV! In Härtefällen erhält man auf nachfragen etwas Unterstützung von sogenannten Härtefonds und dem Sozialamt. Doch dabei dürfen  wir nicht vergessen, wie gesundheitlich angeschlagen Betroffene sein können und wie wichtig es trotzdem ist, dass sie psychisch positiv bleiben und sich möglichst gesund (teuere Bioprodukte) ernähren...!

Eine Existenzgründung sollte also im allgemeinen und insbesondere im Bezug auf Versicherungen gut recherchiert und überdacht werden. Wer sich damit schwer tut, kann sich Hilfe beim Bankberater oder zum Beispiel beim Sozialverband Deutschland holen. Persönlich habe ich noch keine Idee wo es mich beruflich hintreiben wird. Zehn Jahre tanzen, fünfzehn Jahre Büroalltag, ein gutes Jahr als Hundefriseurin -  ich bin einfach mal gespannt was aus all dem noch werden wird!

Wer sich jetzt lehrerhaft an den Kopf greift und denkt, "oh man, selber schuld", der hat bestimmt nicht unrecht, aber: "Schon die eigene Lebenssituation in Bezug auf das wahrscheinlich Unwahrscheinliche überdacht?" Also nicht bewerten, sondern lieber Erfahrungen nutzen und für sich das Beste daraus ziehen.