Geduld mit der Ungeduld

Angespannt, innerlich unruhig, gereizt und schnell genervt, an sich zweifelnd und manchmal lustlos in die Welt hinaus schauend – der Grund? Warten vor dem Lebensmittelgeschäft und an der Kasse, warten auf verzögerte Lieferungen, warten auf eine E-Mail und warten auf eine Projektentscheidung. Ich erwähnte es bereits in früheren Beiträgen, Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken! Bislang habe ich mich aber offensichtlich ganz gut um diese, bei mir nicht so ausgeprägte Tugend,  gemogelt. Doch seit Corona‘s Auftauchen in meinem Leben, führt sie mir diese Schwachstelle immer häufiger vor.

Einerseits dankbar für das Home Office, fühle ich mich anderseits in dem Film “Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray und Andie McDowell, mit gefangen. Beinahe jeder Tag gleicht dem anderen: aufstehen, Tee trinken, fertig machen, Gassi Runde, Rechner starten, arbeiten, Mittagessen, Gassi Runde, nochmal arbeiten, evtl. einkaufen, etwas Haushalt, Abendessen und so weiter und so fort. Niemals hätte ich gedacht, dass selbst der sonst nervige Arbeitsweg von beinahe zwei Stunden Autofahrt pro Tag eine Art Unterhaltung war. Es geschah nämlich Unabsehbares. Die zusätzlich fehlenden kleinen Abwechslungen, wie sich mit lieben Freunden zu verabreden, Kurse besuchen und ins Restaurant gehen, machen die Sache nicht gerade leichter.

Haben wir verlernt geduldig zu sein? Im Zeitalter von Google und Amazon ist das Meiste nur ein Mausklick weit entfernt. Jedes Lebensmittel steht zu jeder Jahreszeit vierundzwanzig-sieben zu Verfügung und ständig in Eile zu sein gehört zu einem gefragten Image. Mit Corona hat sich viel verändert. Natürlich ist mir klar, dass wenn etwas gut werden soll, wir geduldig sein müssen und langsam begreife ich, dass ich mich mit der Ungeduld auseinandersetzen muss…

„Herr, schenk mir Geduld – bitte sofort“, schießt es mir durch den Kopf. Toll, fängt ja gut an, aber alle Dinge sind eben schwierig bevor sie einfach werden. Also, wie lernen wir geduldig zu sein?

Das Erste was ich lerne ist: akzeptiere deine Ungeduld und ärgere dich nicht darüber. Nur so lernst du gelassener mit der Ungeduld umzugehen, denn niemand ist nur geduldig oder ungeduldig.

Als Zweites: wenn du spürst, dass der Druck wächst, überprüfe ob die aufsteigende Ungeduld auf die aktuelle Situation positiv einwirken, oder ob du diese ungewollte Lage überhaupt beeinflussen kannst. Bei der Erkenntnis, dass dem nicht so ist, finde dich damit ab, dass die Dinge nicht vollständig in deinen Händen liegen.

Drittens: mach was positives aus der gewonnene Zeit, zum Beispiel während dem warten. Achte mal auf deine Atmung und spüre beim ausatmen, wie dein Kiefer sich entspannt und das Gewicht deiner Schultern angenehm nach unten zieht.  Neben der Entspannung gibt es noch viele Möglichkeiten diese Zeit gut für sich zu nutzen. Gedächtnis- und Muskeltraining, Notizen für den nächsten Urlaub oder ein kleiner Spaziergang durch die Straßen, wenn es in einem Projekt mal nicht wie gewollt weiter geht. Konfuzius sagte, “ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“

Dennoch glaube ich, heißt geduldig sein nicht ständig abzuwarten und zu hoffen, dass die Dinge sich von alleine klären. Auch wenn es wirklich sinnvoll ist geduldig und gelassen zu sein, sollte es nicht dazu führen freiwillig länger in einem unangenehmen Zustand zu verharren. Wir tun sicher gut damit das Leben zu nehmen wie es daher kommt, aber auch dafür zu sorgen, für sich das Beste daraus zu machen.😊

Woran man sich so die Zähne ausbeißen kann.

Die aktuelle Situation von Selbständigen und Freiberufler/Innen erinnert mich stark an meine Zeit vor genau zwei Jahren, als ich mit der Diagnose Krebs von jetzt auf sofort arbeitsunfähig wurde. Gerade mal dreizehn Monate als selbständige Hundefriseurin, gab es für mich kein soziales Sicherheitsnetz. Keine Einnahmen, kein Arbeitslosengeld und kein Krankentagegeld, nichts. Eine schreckliche Situation und ich hoffe sehr, dass es nun in Zeiten von Corona für die, die es benötigen, eine staatliche Unterstützung geben wird. Damals hatte ich mir bei den Behörden und Ämter die Zähne ausgebissen.

Die aktuelle Sache mit meinen Zähnen ist nun wohl eine der klassisch gesetzlich Versicherten. Nachdem die Krone oder vielmehr der darunter liegende Zahnsockel am Tag der deutschen Einheit (2019) abgebrochen war, hat der zahnärztliche Notdienst diesen irgendwie wieder befestigt. Allerdings mit der Zusatzinformation, dass das nicht lange halten würde und der Arzt aus diesem Grunde dafür nichts berechnen wollte – ja, auch ich dachte erst, ich hätte mich verhört.  😉 Durch die vorwiegend sehr weichgekochte Nahrung, hielt die Krone gut zehn Tage –  leider nicht lange genug, denn bis zu meinem Zahnarzttermin dauerte es noch. Demnach besuchte ich pünktlich zum Wochenende  erneut den zahnärztlichen Bereitschaftsdienst.

Endlich bei meiner Zahnärztin, wies sie mich darauf hin, dass der Rest des Zahnes inklusive Wurzel entfernt werden müsste und ich dazu einen Termin bei der Kieferchirurgin benötigen würde. „Na dann hoffe ich, dass ich da zeitnah hin kann. Es ist extrem unangenehm, wenn einem ständig die Angst im Nacken sitzt, eventuell gleich mit Zahnlücke herum zu laufen.“ Sie zeigte Verständnis und lies gleich den Heil- und Kostenplan für eine Prothese erstellen, womit ich noch am gleichen Tag zur Krankenkasse fuhr, um diesen genehmigen zu lassen. Damit konnte die Prothese (Zahnspange mit einem Zahnersatz), immerhin zeitnah erstellt werden.

Beim Anruf bei der Kieferchirurgie informierte man mich, dass immer erst ein Beratungstermin stattfinden würde, bevor irgendetwas unternommen werden kann. Also machte ich einen Termin für die folgende Woche aus und betete, dass die Krone so lange halten würde, bis die Prothese abholbereit ist. Und tatsächlich, pünktlich zum Beratungstermin ist der vorübergehender Zahnersatz fertig und die angeklebte Krone wackelig aber noch drin.

Während sich die Ärztin die Röntgenbilder ansah, kam das Gespräch auf meine Krebserkrankung, woraufhin die Ärztin mir von einem Implantat abriet, da ihr die Gefahr eines Rezidivs zu groß erschien. „Ähm, soll ich etwa noch über drei Jahre warten, bis von einer Heilung ausgegangen werden kann?“ Sie erwähnte, dass es noch andere Möglichkeiten gäbe, sie ihren Bericht meiner Zahnärztin zukommen lassen würde und ich alles Weitere dort besprechen sollte. Etwas frustriert setzte ich zu Hause vorsichtig die Prothese ein und stelle fest, dass sie nicht optimal passte… Also vereinbare ich, nun echt genervt, wieder einen Termin bei meiner Zahnärztin.

Natürlich dauerte auch dass wieder einige Tage und als ich endlich auf dem Behandlungsstuhl saß, stellte meine Zahnärztin mit Schrecken fest, dass der Rest des Zahnes mit Wurzel noch immer nicht entfernt wurde. Sie erklärte mir dass dies der Grund dafür sei, warum die Prothese nicht richtig passte. „Sie müssen doch schließlich wissen, dass die Kieferchirurgin, mit der sie zusammen arbeiten, grundsätzlich erst Beratungstermine vereinbart und dass die Praxis über Wochen, fast Monate ausgebucht ist. Ein Termin zum Zahnziehen erhalte ich dort frühestens im Neuen Jahr.“ Ihr Hinweis einer möglichen Entzündung der Wurzel verbesserte weder meinen Gemütszustand noch meine aktuelle Situation und brachte mein Fass leicht zum überlaufen. Unter Tränen konnte ich mich erstmal nur auf die Warteliste der Kieferchirurgin setzten lassen.

Es war bereits kurz vor Weihnachten und ich saß noch immer mit meiner nicht passenden Prothese bei der Arbeit, als es während dem Mittagessen in meinem Mund leicht knackte. „Bitte sag jetzt nicht, dass die Prothese kaputt gegangen ist“, schoss es mir durch den Kopf und nun traute ich mich nicht einmal die Prothese anzusehen, um zu überprüfen, ob sie noch heil war.

Gleich zu Hause erkannte ich den Haarriss, der genau hinter dem falschen Zahn verlief. Geschockt, frustriert und wütend suchte sofort im Netz eine Praxis, bei der sowohl allgemeine Zahnmedizin als auch Zahnersatz und Profilaxe durchgeführt werden. Gut fünfzehn Minuten später hatte ich eine wirklich sehr hilfsbereite Zahnarzthelferin vom Quarree Dental in Wandsbek am Apparat, die mir ohne vorherige Beratung einen Termin zum Zahnziehen geben konnte. Den Anamnesebogen sowie die Röntgenbilder ließ ich der Praxis einfach per E-Mail zukommen. Dabei liegt die Praxis in der Nähe des Arbeitsplatzes UND hat an drei Tagen in der Woche bis neun Uhr abends geöffnet.

Bereits eine Woche später wurde mir der Rest des Zahnes inklusive Wurzel gezogen und ich konnte gleich im Anschluss in das nahegelegene zahntechnische Labor, die mit etwas Wartezeit die Prothese wieder reparierten. Der Zahntechniker war jedoch mit dem Sitz nicht ganz zufrieden, denn ich biss weiterhin auf die sensible Stelle der Prothese. Ich fragte nach einem Plan B damit, sollte dass noch einmal passieren, ich eine Notlösung zur Hand hätte. Er riet mir zu einer sehr feinen Beißschiene, in der ein kleiner Zahn mit eingearbeitet würde. Dies benötigt etwas Übung beim Sprechen, hat jedoch einen positiven Mehrwert für mich als Zähneknirscherin. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund zweihundert Euro. Dass war es mir wert, vor allem weil die Feiertage kurz bevor standen.

Beim vereinbarten Kontrolltermin wurde nun alles gründlich für eine langfristige Lösungsfindung gecheckt. Der Zahnarzt riet mir, aufgrund des tiefen Bisses, zuerst zu einem Zahnaufbau der hinteren Zähne, hinterher das Implantat für die abgebrochene Krone und für die schon stark abgenutzten Schneidezähne Einzelkronen. Ansonsten wäre es nur eine Frage der Zeit, bis ich durch den tiefen Biss und das Zähneknirschen, auch das Implantat kaputt beißen würde und der Zahnschmelz meiner Schneidezähne ist schon so abgetragen, dass die hinten bereits bräunlich sind. 😳

Gesagt, getan. Den Kosten- und Heilplan für die Krankenkasse erhielt ich Anfang Januar. Dass die Kasse ein Gutachten einfordern würde, davon gingen wir alle aus und erschwerend kam dazu, dass ich die Krankenkasse zum ersten Februar diesen Jahres gewechselt hatte. Das alles benötigte wieder viel Zeit und noch viel mehr Geduld. Bis nun, kurz vor unserm Urlaub die Bestätigung für die Kostenübernahme ins Haus flatterte und ich morgen die Operation zur Setzung des Implantates antrete. Erst nach ungefähr drei Monaten kann der eigentliche Zahnersatz befestigt werden. In der Zwischenzeit werden die anderen Baustellen bearbeitet.

Umso wichtiger war es kurz davor die drei monats Routine mit MRT und CT durchzuführen. Die Besprechung der Ergebnisse habe ich zwar erst Übermorgen aber da ich noch nichts von meiner Onkologin gehört habe, wird schon alles in Ordnung sein – no News are good News!

Böse Ladys und gute Jungs?

Kürzlich im Gespräch mit meiner Freundin und meinem bald siebzehn jährigen Sohn erfahre ich, dass die jungen Frauen dieser Generation (wie wohl bei allen Generationen davor), sich viel eher auf die “bösen Jungs“ einlassen, als sich für die Guten zu interessieren. Die Benennung dieser Jungs macht den Unterschied deutlich: die Unkorrekten nennt man fuck boys –  und die Netten gar nicht.
Warum suchen sich Mädchen gerne die „bösen Jungs“ aus?
Nicht weil sie verarscht werden wollen – wer will das schon. Nein, weil sie es als ihre persönliche Challenge sehen und hoffen den meist beliebten, bad Boy mit ihrer umwerfenden Art so zu betören, dass er niemals wieder eine Andere gut finden könnte. Auch nicht nur ansatzweise!
Also verwendet sie mindestens zwei Stunden täglich auf ihre Schönheit. Das Makup immer perfekt und nach Möglichkeit niemals ungeschminkt – zeitaufwendig aber hey, es ist schließlich ein Investment. Sie beeindruckt und gefällt mit ihrer Coolness und tun so, als ob ihr der nicht erfolgte Anruf egal sei, den sie doch so sehnlichst erwartete.
Mit ihrer Sexyness bekehrt sie ihn dann ganz. Sie zeigt sich auch bei Minustemperaturen in luftige Kleidchen und trägt einen Hauch von Nichts, der zwischen den Po Backen kneift, damit er sich in sie verliebt- so der Plan.
Wo wir gerade dabei sind: Wann wurde es eigentlich konventionell, dass Frau unten rum komplett blank zu trägt? Vor dreißig Jahren trug Frau eine gestutzte und hübsch in Form gebrachte Krause.
Nur wenige wie ich rasierten, geschweige epilierten alles weg. Als Tänzerin mit stundenlangem Training, dem ständigen Kostümwechsel und manch knappen Kostümteilchen war es praktisch und hygienischer. Aber vermutlich wird genau das auch der Grund dafür sein, dass ich in der Umkleide des Fitness Studios beinahe nur nackte Mädchen Vulvas sehe.
Das war ein echter Vorteil 2018, währen meinem Chemo Sommer. Beine glatt wie ein Baby Popo und eine absolut Pickel freie Bikinizone. 😄
Aber zurück zum Thema. Das Fatale an der “ich betöre den Kerl zu einem guten Typen“ Idee ist – ihr ahnt es schon – dass auch die Frau von heute sich irgendwann natürlich mit ehrlichem Gefühl zeigen möchte, sich dem Wetter entsprechen und bequem kleiden und vielleicht einfach mal keine Zeit oder keinen Bock auf die schmerzhafte Haarentfernung hat.
Also liebe Ladys, try it, habt Spaß aber verschwendet nicht zu viel Zeit darauf eine Andere sein zu wollen. Und an die guten Männer da draußen: Zeigt euch, traut euch und denkt daran, dass auch Frauen ohne riesige Möpse, ohne Size zero und ohne dicke Lippen sind ganz toll.

Jahrzehntprojekte

Nach einem strahlenden Morgen, zieht gegen Mittag ein dichter Nebel von der Elbe hoch nach Bahrenfeld. Trotzdem machen wir unseren Neujahrsspaziergang mit der ganzen Familie – also Junior ist nach ein paar wenigen Widerworten bei der Gassi Runde mit dabei.
Fido an der Leine, gehe ich hinter den beiden her und mir fällt auf, dass Josh mittlerweile beinahe so groß wie Malte ist. Sie unterhalten sich lachend über die Geschehnisse des Silvesterabends und ich bin in diesem Augenblick dankbar und zufrieden, dass es so ist, wie es gerade ist.
Ein entspannendes Bad ist mein Plan für den frühen Abend. Das Wasser dampft, es duftet nach Lavendel und ich ziehe meinen kuscheligen Pyjama aus. Unübersehbar präsentiert sich das leckere aber viel zu fette und süße Essen über meine Körpermitte. Auch der Sport ist während der gefühlt zweimonatigen Vorweihnachtszeit viel zu kurz gekommen, was der Optik nicht sehr dienlich  ist. Langsam beuge ich mich vorsichtig nach vorne um die Socken auszuziehen. Bei der Bewegung zieht es schon seit längerem leicht im Kreuz und ich schau mir nun bei der Gelegenheit meine Beine etwas genauer an. Die Kontaktlinsen hatte ich morgens gleich nach dem Aufstehen eingesetzt und jetzt frage ich mich wann genau meine Haut an den Oberschenkeln angefangen hat neben leichten Beulen auch noch trocken und mit feinen Falten an Elastizität zu verlieren?🧐
Just in diesem Augenblick erinnere ich mich daran, wie Joshua mich als Zehnjähriger mal fragte, „warum wackelt bei dir eigentlich alles?“
Die etwas deprimierende Situation erreicht den Höhepunkt als ich meine kürzlich notwendig gewordene  Eckzahnprothese herausnehme. Ach herrje, wer behauptet alt zu werden ist nur schön, der lügt meiner Ansicht nach.
Von wegen, „wir sind nicht mehr die jüngsten, das stört mich nicht im geringsten.“ Das dachte ich vielleicht noch vor fünf Jahren aber in der Zeit zwischen fünfundvierzig und meinem diesjährigen Fünfzigsten ist viel passiert und OFFENSICHTLICH habe ich mich verändert.
Und nun? Einfach hinnehmen und das Beste daraus machen? Aber was ist das Beste? Keine leichte Frage – ich möchte mich ja nicht jung machen, aber gerne dem Alter entsprechend jünger.

Die ersten Tage im neuen Jahrzehnt werden bei durchgehendem Nieselregen in trübes grau gehüllt. Trüb ist auch meine Stimmung, als ich mich auf die Wage stelle. Kein Wunder, dass der Bauchspeck sich unschön über den Verschluss  der Jeans legt. Noch ein weiterer Punkt, den ich zur gewünschten Selbstoptimierungsliste hinzufügen kann. Mit „love handles“ hat das nichts mehr zu tun. 😅

Beim Gedanken an das Jahr Zwanzigzwanzig erinnere ich mich an den bedeutenden 20. Geburtstag. In einem angemieteten Schützenhaus feierte ich mit meinen Geschwistern und Freunden bis spät in die Nacht. Die rot-weiß gestreifte Hotpants betonte meine braungebrannten Beine und ich hatte nicht ansatzweise etwas mit Themen wie Hauterschlaffung, Übergewicht und abgebrochenen Zahnkronen zu schaffen.

Tja, alle möchten lange Leben, aber alt will keiner so recht werden. Und es ist wirklich wahr, dass man sich emotional weitaus jünger fühlt. Wenn ich ohne in den Spiegel zu sehen darüber nachdenke wie alt ich mich fühle, bin ich klar bei achtundzwanzig stehen geblieben.

Die Wahrheit allerdings ist, dass ich mit dem neuen Jahrzehnt ebenfalls ein neues Jahrzehnt erreiche – da ist sie wieder, die Fünfzig. Warum eigentlich müssen wir so genau wissen, wie alt wir sind? Brauchen wir überhaupt Geburtstage, Jubiläen und Silvester? Aus meiner Sicht könnten wir irgendwann auf die Welt kommen, das Leben mit all den schönen Momenten feiern und wenn unsere Zeit gekommen ist einfach wieder gehen, ohne irgendwelche Zahlen damit in Verbindung zu bringen.

Nun, gehe ich meinem “sweet fifty“ Plan langsam und etwas schwerfällig nach. Seit der Weihnachtspause stehe ich heute mal wieder im Zumba Kurs. Als ich mich vor einem Jahr das erstem mal seit meiner Chemotherapie in diesen Kurs wagte, hatte ich noch ganz andere Probleme. Ebenfalls wieder dabei ist das Trainer-Fan-Grüppchen. Fünf bis sechs Mittfünfzigerinnen die sich wöchentlich bei genau diesem Zumba Kurs (oder eher bei genau diesem Trainer) treffen. Oha, ob man mich dazuzählen könnte? Sofort verneine ich diesen Gedanken, konzentriere mich  auf die Schritte und spüre wieder – tanzen ist und bleibt meine große Leidenschaft.😊

Tue was dich glücklich macht. Lass dich von nichts und niemanden aufhalten oder abbringen. Gib die Ängste auf, ergreife jede Chance, die sich dir bietet und konzentriere deine Gedanken auf deine Ziele. Wenn du deinen Träumen folgst wirst du das Glück finden.

Eine Reise

Lange schon wurde es erwartet, dass Päckchen dessen Inhalt ein Gefühl von Freude, Coolheit und kuscheliger Wärme versprach. Doch es konnte erst mit vielen Anderen zusammen auf die lange Reise gehen. Endlich war der Tag gekommen als es losgehen sollte und eine hibbelige Vorfreude machte sich breit. Doch man musste sich noch in Geduld üben, denn so eine Reise auf dem Wasser dauert seine Zeit. Wieder vergehen Tage des Wartens und der Ungeduld. Der Regen trommelt gegen die Fensterscheiben, die fallenden Blätter und die frühe Dunkelheit kündigen die kalte Jahreszeit an. Langsam wird es Zeit,  dass die Reise zu Ende geht.

Dann ist es soweit, die Ankündigung liegt im E-Mail Postfach und verspricht dass Päckchen in den nächsten zwei Stunden nach Hause zu bringen. Ein breites Lächeln huscht übers Gesicht aber Stopp, was steht da?!? Ein falscher Name in einem falschen Haus, das kann doch nicht sein, nicht nach der langen Zeit und der großen Reise! Nach Tagen in einem dunklen Schiffsbauch  schließlich in der neuen Stadt angekommen soll irgendjemand das Päckchen erhalten? Nein! Dass kann nicht zugelassen werden und mit einem Klick ist der Lieferwunsch an die liebe Nachbarin, mit korrekter Adresse angegeben. Puh, dass war knapp. Doch ein ungute Gefühls bleibt…

Zwei Stunden später informiert eine Nachricht darüber, dass das Päckchen nicht abgegeben werden konnte und ein neuer Ort das Ende der Reise beschließen könnte. Kein Risiko mehr! Wenn das Päckchen es nicht nach Hause schafft, dann wird es abgeholt!

Die Lokalität für die Übergabe ist schnell vereinbart, nur der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Wieder vergehen erst Stunden, dann Tage des Ausharrens – nichts!  Warum? Hilflos verzweifelt wird über die letzte Mitteilung getippt und da steht es – es ist angekommen! Aber warum steht da wieder ein anderer Ort?!? Päckchen du wirst so sehnsüchtig erwartet, gib nicht auf wir sind auf dem Weg, egal was da steht, der vereinbarte Übergabe Punkt ist nah und ein Hoffnungsschimmer.

Unsicher wird die Lokalität betreten. Hat es die Reise beenden können? Kann es endlich von seinem neuen und rechtmäßigen Besitzer in die Arme geschloßen werden? Vorsichtig wird das letzte Lebenszeichen dem Mann hinter der Theke vorgewiesen, er verlässt den Raum und geht nach hinten. Ein kurzes Stoßgebet nach oben, schon kommt der Mann zurück und ja, er hat das Päckchen in den Händen und reicht es dem strahlenden Inhaber, der erleichtert über die unzähligen Aufkleber streicht.

Die lange, beschwerliche Reise voller Irrungen und Wirrungen ist vorbei und du liebe DPDgroup bist der Grund für die Geschichte und auch der Grund warum  sich Päckchen für mich nur noch mit DHL oder Hermes auf die Reise machen!

Wenn der Krebs dich zu Boden kickt, stehe langsam wieder auf und sag ihm, dass er wie ein Schwächling tritt!

Ja, es ist schon laaange her seit dem ich den letzen Blog Beitrag veröffentlicht habe! Der Grund dafür ist aber ein guter – mein Buch will überarbeitet werden und dafür brauche ich als Anfänger unglaublich viel Zeit. Neben der Arbeit, der Familie, dem Haushalt und den lieben Vierbeinern, kommt  jetzt bereits der Sport  zu kurz… trotzdem möchte ich folgendes erzählen:

Ich, dem Leben wieder etwas hinterherächeld, beschließe während dem Einkauf im Elbe Einkaufszentrum mir etwas Gutes zu tun und betrete kurzentschlossen das Friseurgeschäft, an dem ich gerade vorbei gehe. Der netten Dame am Empfang schildere ich meine Vorstellungen und Wünsche und gemeinsam schauen wir nach einem passenden Termin, als plötzlich ein Pärchen an mir vorbeihuscht. Ich schaue ihnen nach und siehe da: es sind die Schnuggis!!!

Mit einem Handtuchturban auf dem Kopf husch Herr Schnuggi mit Gattin an mir vorbei. Ich brauche einen Augenblick sie wieder zu erkennen und mein etwas zögerliches „Hallo!“ können sie dann leider schon nicht mehr hören. Völlig überrascht frage ich die junge Friseurin hinter dem Tresen, ob sie mir sagen kann wo die beiden hingehen. „Nur eben kurz zur Toilette beim Italiener nebenan.“, informiert mich ihre Kollegin, die eben um die Ecke schaut.
Kurz erkläre ich woher und unter welchen Umständen ich das Ehepaar kennen gelernt habe und frage, ob es ok sei, hier auf sie zu warten. Freundlich stimmen beide sofort zu.
Es dauert eine Weile bis die Schnuggis in den Salon zurückkehren. Als sie das Geschäft betreten lächelt er mich breit an: „Welch Überraschung, wie geht es Ihnen und so lange Haare!“ Lachend drück ich seine Hand zur Begrüßung, während Frau Schnuggi ohne einen Blick an mir vorbeigeht. „Wie geht es ihr“, frage ich sofort und er winkt ab. „Es ist schlimm, leider ganz schlimm.“ Weiter erzählt er, dass die Behandlung gegen den Enddarmkrebs nicht gut angeschlagen hat, was eben leider der Grund für den hektischen Besuch bei der Toilette nebenan war. Auch ihre Demenz hat sich verschlechtert, so dass sie immer öfter wütend wird und sich an vieles nicht erinnern kann.
Die Friseurin fordert uns freundlich auf unser Treffen nach hinten zu den Frisier-Plätzen zu verlegen, damit sie mit ihrer Arbeit beginnen und den Terminplan einhalten kann. Nur kurz gehe ich mit. In dem hinteren Raum  steht Frau Schnuggi und ihr kurzes Silbergraues Haar steht ihr richtig gut. Es erinnert mich an meine Zeit kurz nach der Chemo. Vorsichtig gehe ich auf sie zu, lege kurz meine Hand auf ihren Unterarm: „Hallo, sie sehen toll aus. Wissen sie noch woher wir uns kennen?“ Ganz kurz lächelt sie: „Nein, tut mir leid, mir geht es heute nicht so gut“. Dabei schaut sie an mir vorbei, fast hilfesuchend zu ihrem Mann. Ich drehe mich zu ihm um und er hebt etwas verloren die Schultern.

Ja, auch dass ist der Stoff aus dem die Geschichten des Lebens geschrieben werden. Es ist traurig, berührend und manchmal einfach Scheisse, aber die Schnuggis nehmen ihr Schicksal an und er gibt sein Bestes für seine große Liebe gut auszusehen und da zu sein, egal was passiert.

Jemanden zu finden, der bedingungslos an deiner Seite steht, ist heut vermutlich ein Zufalls-Glückstreffer. So flexibel wie nie zuvor, haben wir beinahe unbegrenzte Möglichkeiten unser Leben zu gestalten, alles steht uns offen – schwer sich dabei für eine Sache verbindlich zu entscheiden und das dann noch lebenslang… Aber für viele von uns kommt  der Zeitpunkt, an dem wir nicht mehr jung, dynamisch, gutaussehend und vor allem gesund sind. Wir werden älter und irgendwann alt. Ist das nun Fluch oder Segen? Am Ende kann das nur jeder selbst für sich beantworten.

Vor dem Krebs viel es mir schwer Hilfe anzunehmen und mich auch mal  an einer starken Schulter anzulehnen. Das „Warum“ ist heute egal, denn ich bin heute dankbar für diese Erfahrung und möchte nichts missen.

Den Schnuggis wünsche ich von ganzem Herzen noch viele schöne gemeinsame Stunden, in denen sie diese Krankheit vielleicht noch für ein paar Augenblicke vergessen können.