#leben

Translate

So verrückt und verwirrend es klingen mag, meine Krebserkrankung hat mich dazu gebracht mal inne zu halten und wieder mehr bei mir zu sein. Doch gehören Themen wie Achtsamkeit und Ernährung nicht schon zum Lifestyle unserer Zeit....

Vielleicht unverständlich, eventuell für andere Betroffene sogar ärgerlich aber ich lerne in dieser Zeit mal wieder nach zu spüren, was mir gut tut und was nicht. Als Mensch, Mutter, Ehefrau und aktuell „im Heilungsauftrag“, mit einer positiven Einstellung bewusster zu leben und nicht weiter unbewusst der gesellschaftlichen Leistungsherde blind zu folgen.

Aber ist Achtsamkeit und Ernährung heute nicht schon allgemein Mittel zur Selbst-Optimierung. Es gehört durchaus zum Trend, wie lieber nur noch selbst gepresste Säfte trinken, weniger fast mehr slow-food und live work balance.

So lerne ich jetzt Hausarbeiten, Gassi gehen oder Einkäufe auch mal etwas regelmäßiger abzugeben und vor allem zu akzeptieren, dass diese Dinge dann etwas anders erledigt werden, als wenn ICH es mache! 😉 In einem Familien-Team sollen Kinder und Jugendliche (vielleicht auch Männer ;-)) ein fester Bestandteil sein, um an den täglichen Nebensächlichkeiten zu wachsen.

Meinen Bedürfnissen und Wünschen schenke ich heute viel öfter Beachtung! Das hatte ich in den vergangenen Jahren leider verlernt. Immer öfter verschob ich meine ganz persönliche Auszeit bis irgendwann entspannen und relaxen fast ganz vergessen gingen. Ausgepowert und müde ließ ich mich abends aufs Sofa fallen (aber erst wenn „alles“ erledigt war - so gegen 21:30 Uhr) und schenkte wie Millionen andere Leute müde dem Fernseher und dem Smartphone meine Aufmerksamkeit. Dann öfter etwas zu spät ins Bett gefallen, um mich morgens schon schlecht gelaunt darüber zu ärgern, dass ich die „guten“ Vorsätze, wie weniger Stress, Dinge auch mal liegen lassen, mehr Sport machen, gesünder essen, früher ins Bett gehen oder auch mal auf den Wein zu verzichten, nicht umsetzen konnte...

Hätte ich es ohne dieses Schicksal geschafft mich aus dieser Zwangsjacke-Routine zu befreien? Und hätten wir als Familie uns die Zeit genommen zwischendurch mal auf die Alltags-Hamsterrad-Bremse zu treten, um uns mehr an den wichtigen Dinge des Lebens zu orientieren?

Was sind denn die wichtigen Dinge des Lebens? Wir alle haben unsere eigenen Vorstellungen davon und es gibt tausende Bücher, Blogs und Berichte darüber, was das Leben lebenswerter und uns damit dem Glück ein Stückchen näher bringen könnte. Dennoch ziehen wir unseren Kids morgens weiter die Klamotten an, binden ihnen die Schnürsenkel zu und nehmen ihnen die kleinen, täglichen Aufgaben ab, weil wir dadurch unseren Alltag etwas effizienter gestalten und uns so gleich wieder den anderen Dingen widmen können!

Heute ist es „normal“, dass Frauen und Männer beruflich Karriere machen um sich dadurch materielle Anschaffungen und tolle Urlaube leisten zu können. Das fordert viel von uns und dabei kann leicht einer auf der Strecke bleiben.

Darf es nicht auch mal wieder etwas weniger sein?!? Und dabei meine ich durchaus auch etwas weniger Perfektionismus, Gesundheitswahn und ständige Selbst-Optimierung!

Versuchen wir doch einfach mal ein bisschen lockerer zu werden, die Erwartungshaltung runter zu schrauben und auf unser Herz zu hören um wieder etwas mehr Zeit für die wirklich wichtigen und schönen Kleinigkeiten des Lebens zu haben! 🙂