#nachderchemo

Translate

Ein fröhliches Herz ist die beste Arznei! (1. Jh. röm. Arzt Galen)
 
Krebs ruft nicht nur Stress hervor, sondern Stress fördert Krebs, wenn er präsent ist. Ein Teufelskreis der zum schmunzeln wäre, wäre es nicht so todernst...
Gerade nach der Diagnose und nach den ganzen Behandlungen, bei der  sich alles um dich und deine Genesung gekümmert hat, fallen viele Patienten nach der Therapie in ein emotionales Loch.
 
Die „Banalitäten“ des Alltags erhalten wieder Oberhand, du denkst über den beruflichen Wiedereinstieg nach und gleichzeitig belastet dich die permanente Angst, dass der Krebs zurück kommen könnte. Um dich herum herrscht Freude, denn du hast den Krebs besiegt und du hast ein schlechtes Gewissen weil du dich nicht richtig mitfreuen kannst.
 
Keine einfache Situation! Ich glaube es ist sehr wichtig sich selbst und seinen Menschen im Umfeld klar zu machen, dass der Krebs den Rest des Lebens und dich als Mensch verändert hat - mal mehr, mal weniger. Es braucht Zeit und es ist auch wichtig, dass die positiven Erkenntnisse die wir über unsere Erkrankung erfahren haben, weiterhin einen Platz in unserem Leben erhalten!
 
Gesunde Ernährung, Sport und Anti-Stress Management sind wichtige Faktoren um möglichst gesund zu bleiben. Ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder Ärztin über die Zeit nach der Chemo, bringt wieder einen Plan in den Tagesablauf. Gemeinsam wird besprochen wann die nächsten Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden und ob ein Termin für eine komplementäre Beratung (Ernährung) und/oder ein Termin bei einer Psychologin hilfreich sein könnte, dich in dieser Anfangszeit zu unterstützen. Auch der allgemeine Gesundheitszustand darf trotz der Krebsbekämpfung nicht vergessen werden. Also nach der medizinischen Reha oder der Anschluss-Heilbehandlung am besten einen Termin beim Hausarzt vereinbaren. Es ist ein Team welches du dir zusammen stellst, um gemeinsam mit deren Unterstützung den Plan für deine Gesundheit aufstellst und nachgehst.
 

Die Gedanken an die Zukunft fühlen sich oft wie ein Puzzle an, von dem man nicht weiß, wieviele Teile es beinhaltet und vor allem, vom dem man das Schlussbild nicht kennt! Doch nimm ein Teilchen nach dem anderen in die Hand, schaue es an, drehe es, wende es und versuche den richtigen Platz dafür zu finden. 😉

Damit du dich nach der Chemo physisch und psychisch erholten kannst, geht es nach einer ambulanten Chemo- und/oder Bestrahlungs-Therapie in die medizinische Rehabilitation, die innerhalb von zwei Wochen nach Therapie Ende in einer Reha-Klinik erfolgt. (Nach einer stationären Behandlung geht ist es eine Anschluss-Heilbehandlung, kurz AHB). Natürlich wird niemand gezwungen daran teilzunehmen und es gibt Lebensumstände, die es einfach nicht zulassen, zwei bis drei Wochen weg von zu Hause zu sein. In diesem Fall gibt es aber auch eine ambulante Alternative. Den Antrag für die Reha oder AHB erhältst du von der Krankenkasse, das Formular wird von den behandelnden Ärzten ausgefüllt und zur Bewilligung an die Deutsche Rentenversicherung weitergeleitet. Wichtig dabei zu wissen ist, dass es ein Wahlrecht gibt, in welche Klink man gerne gehen möchte. Behandlungsinhalte und Klinikschwerpunkte sollten natürlich mit der Erkrankung übereinstimmen. Es gibt sogar die Möglichkeit mit einem vorab genau besprochenen Behandlungsziel die festgelegte Summe von der Rentenversicherung zu erhalten und alles weitere selbständig zu planen und zu organisieren. Überraschend, soviel Flexibilität hätte ich niemals erwartet! 😉

Während des Klinikaufenthaltes über drei Wochen wird mit Ärzten, Therapeuten und Beratern ein individueller Plan zusammengestellt, um dich physisch und psychisch langsam wieder für den Alltag vorzubereiten. Dabei steht die medizinische Genesung und Erholung von der Krankheit sowie die Folgen von der Chemo- bzw. Bestrahlungstherapie im Vordergrund. Die Vorstellung danach gleich wieder alltagsfit zu sein, verschwindet meistens mit jedem kleinen Puzzelteilchen, für das du den richtigen Platz findest. Je nach Schweregrad der Erkrankung gibt es natürlich auch Patienten, die danach langsam wieder in den Arbeitstag einsteigen. Doch für einige wird das erstmal noch nicht zutreffen - denn manchmal kann man den vorherigen Beruf nicht mehr ausüben.

Ich zum Beispiel habe nach einigen Gesprächen mit meiner Ärztin und der immer wieder aufkommenden Frage was ich "danach" mache entschieden, dass ich nicht mehr als Hundefriseurin arbeiten werde. Zu groß ist die Gefahr für mein etwas angeschlagenes Immunsystem, durch Kratzer, Bisse oder  Hautkrankheiten an einer Infektion zu erkranken.  Wir werden nicht mehr die "alten" sein - nicht schlechter oder besser, auch nicht schwächer oder stärker  - einfach anders.

Je nach Bedarf kann also im Anschluss an die medizinische Reha eine berufliche Reha beantragt werden. In diesem Falle macht es Sinn, dies bereits während der ersten Reha mit dem Ärzte-Team zu besprechen, damit der Klinikschlussbericht für den Antrag zur beruflichen Rehabilitation (LTA) bei der Deutschen Rentenversicherung entsprechend formuliert werden kann. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wäre es ganz gut wenn du eine Idee davon hast, in welche Richtigen es beruflich in deiner Zukunft gehen soll.

Erst im Anschluss geht es dann auf die Jobsuche. Der Arbeitsumfang ist sehr individuell manche starten mit 20 %, andere gleich mit 100 % - je nach gesundheitlichen Möglichkeiten. Und wenn du kurz vor dem Wiedereinstig bzw. dem Durchstarten in die "normale" Arbeits- und Alltagswelt bist, kann du nach der AHB oder nach der ersten Reha tatsächlich nochmal eine medizinische Rehabilitation beantragen, um richtig gestärkt und fit in sein neues Leben zu starten.

Empfehlen kann ich von ganzem Herzen ein Beratungstermin bei der Hamburger Krebsgesellschaft. Sie helfen dir u.a. bei Fragen rund um die Sozialversicherungen. Das Thema kann sehr kompliziert - wie Verkehrsschilder, die mag auch keiner so wirklich... 😉 Darum an dieser Stelle einen ganz lieben Dank an die Hamburger Krebsgesellschaft e.V für diese kompetente, nette und kostenlose Unterstützung!