Geduld mit der Ungeduld

Angespannt, innerlich unruhig, gereizt und schnell genervt, an sich zweifelnd und manchmal lustlos in die Welt hinaus schauend – der Grund? Warten vor dem Lebensmittelgeschäft und an der Kasse, warten auf verzögerte Lieferungen, warten auf eine E-Mail und warten auf eine Projektentscheidung. Ich erwähnte es bereits in früheren Beiträgen, Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken! Bislang habe ich mich aber offensichtlich ganz gut um diese, bei mir nicht so ausgeprägte Tugend,  gemogelt. Doch seit Corona‘s Auftauchen in meinem Leben, führt sie mir diese Schwachstelle immer häufiger vor.

Einerseits dankbar für das Home Office, fühle ich mich anderseits in dem Film “Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray und Andie McDowell, mit gefangen. Beinahe jeder Tag gleicht dem anderen: aufstehen, Tee trinken, fertig machen, Gassi Runde, Rechner starten, arbeiten, Mittagessen, Gassi Runde, nochmal arbeiten, evtl. einkaufen, etwas Haushalt, Abendessen und so weiter und so fort. Niemals hätte ich gedacht, dass selbst der sonst nervige Arbeitsweg von beinahe zwei Stunden Autofahrt pro Tag eine Art Unterhaltung war. Es geschah nämlich Unabsehbares. Die zusätzlich fehlenden kleinen Abwechslungen, wie sich mit lieben Freunden zu verabreden, Kurse besuchen und ins Restaurant gehen, machen die Sache nicht gerade leichter.

Haben wir verlernt geduldig zu sein? Im Zeitalter von Google und Amazon ist das Meiste nur ein Mausklick weit entfernt. Jedes Lebensmittel steht zu jeder Jahreszeit vierundzwanzig-sieben zu Verfügung und ständig in Eile zu sein gehört zu einem gefragten Image. Mit Corona hat sich viel verändert. Natürlich ist mir klar, dass wenn etwas gut werden soll, wir geduldig sein müssen und langsam begreife ich, dass ich mich mit der Ungeduld auseinandersetzen muss…

„Herr, schenk mir Geduld – bitte sofort“, schießt es mir durch den Kopf. Toll, fängt ja gut an, aber alle Dinge sind eben schwierig bevor sie einfach werden. Also, wie lernen wir geduldig zu sein?

Das Erste was ich lerne ist: akzeptiere deine Ungeduld und ärgere dich nicht darüber. Nur so lernst du gelassener mit der Ungeduld umzugehen, denn niemand ist nur geduldig oder ungeduldig.

Als Zweites: wenn du spürst, dass der Druck wächst, überprüfe ob die aufsteigende Ungeduld auf die aktuelle Situation positiv einwirken, oder ob du diese ungewollte Lage überhaupt beeinflussen kannst. Bei der Erkenntnis, dass dem nicht so ist, finde dich damit ab, dass die Dinge nicht vollständig in deinen Händen liegen.

Drittens: mach was positives aus der gewonnene Zeit, zum Beispiel während dem warten. Achte mal auf deine Atmung und spüre beim ausatmen, wie dein Kiefer sich entspannt und das Gewicht deiner Schultern angenehm nach unten zieht.  Neben der Entspannung gibt es noch viele Möglichkeiten diese Zeit gut für sich zu nutzen. Gedächtnis- und Muskeltraining, Notizen für den nächsten Urlaub oder ein kleiner Spaziergang durch die Straßen, wenn es in einem Projekt mal nicht wie gewollt weiter geht. Konfuzius sagte, “ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“

Dennoch glaube ich, heißt geduldig sein nicht ständig abzuwarten und zu hoffen, dass die Dinge sich von alleine klären. Auch wenn es wirklich sinnvoll ist geduldig und gelassen zu sein, sollte es nicht dazu führen freiwillig länger in einem unangenehmen Zustand zu verharren. Wir tun sicher gut damit das Leben zu nehmen wie es daher kommt, aber auch dafür zu sorgen, für sich das Beste daraus zu machen.😊

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