30.09.2018

Wenn du dir nach einer unruhigen Nacht fröstelnd die Decke bis unters Kinn ziehst und denkst „jetzt kann ich schlafen“, doch drei Minuten später der Wecker klingelt…
Unsicher, ob ich froh darüber bin, dass das Drehen und Wenden ein Ende hat oder ich schlicht hundemüde lieber noch etwas im Bett bleibe möchte, entscheide mich für die erste Variante und krieche aus dem Bett. Schließlich will der Therapieplan noch vor acht Uhr abgeholt werden… und tatsächlich findet gleich nach dem Frühstück die Einweisung für das autogene Training bereits statt.
Hier geht es um Entspannung und das bewusste „Zeit für sich nehmen“, um in stressigen Alltags-Situationen wieder ruhiger zu werden oder ruhig zu bleiben und um sich damit etwas Gutes zu tun. Das und vor allem einmal etwas ALLEINE zu machen ist das ausgesprochene Therapieziel einer über achtzig jährigen Dame in dieser Gruppe. Sie erzählt: „Wissen sie, ich bin 52 Jahre (!!!) verheiratet. Ich möchte mal was für mich machen, doch mein Mann sagt ständig, „Schätzelein, komm mal her, setz dich zu mir auf‘s Sofa und wir entspannen zusammen.“ Doch das kann ich nicht und darum habe ich ihm auch verboten mich täglich hier in der Reha anzurufen, damit ich einfach mal für sich sein kann.“
Dass diese Problematik jetzt nicht direkt mit autogenem Training zu tun hat, räumt sie in ihrer Erzählung ein. Sie musste es wohl einfach mal los werden.  Ich bin mal gespannt, ob Schätzelein es schafft, in den kommenden Trainings ihren Gatten nicht mit einzubringen.😊
Für die ersten praktischen Übungen bleiben wir sitzen. Das kommt mir ehrlich gesagt sehr entgegen. Denn gefühlt habe ich kaum geschlafen und würde im Liegen mit Sicherheit bald wegdösen. 20 Minuten lausche ich der Stimme der Trainerin und versuche mir einzureden, dass meine Glieder schön schwer und wohlig warm sind. Zwar empfinde ich keine Wärme, aber zum Ende des Trainings bin ich entspannt und nehme die Hausaufgaben entgegen.  Beim Blick darauf und auf meinen frischen Therapieplan frage ich mich, wie oft ich wohl Zeit zum Üben haben werde. Doch was nützt es, wenn wir uns die Zeit  nicht nehmen? Nicht nur die Muskeln müssen lernen los zu lassen, auch im Kopf müssen wir uns von dem Druck, alles perfekt zu machen, immer pünktlich zu sein oder als Partner immer zur Stelle zu stehen, lösen können.
Später, nach einem Informationsvortrag betreffend den Buffet-Menues, der Atem-Gruppe und dem Nordic-Walking, treffe ich wieder auf eine Bekannte von der ärztlichen Aufnahme. Ingrid ist in meinem Alter, hat eine King Cavalier Hündin und tritt nach ihrer Darmkrebserkrankung jetzt ihre zweiten Reha in dieser Klinik an. Während ihrer ersten Zeit nach der Operation und der Chemotherapie wurde ihr gesagt, dass sie von den über 250 Gästen hier zu den zwanzig gehört, die es wohl am schlimmsten getroffen hat. Doch jetzt sitzt sie strahlend neben mir und erholt sich weiter von ihrer Erkrankung. Tatsächlich ist das nicht ihre erste Krebserkrankung: Mit neunundzwanzig Jahren war sie bereits an Eierstock-Krebs erkrankt. Sie ist also eine wahre Überlebenskünstlerin, die, wie sie schmunzelnd meint, nach den Operationen mittlerweile Platz für eine Fußballmannschaft im Bauchraum hat. 😉
Ingrid hat im Gegensatz zu mir und vielen anderen Frauen hier schon wieder längere Haare und das ist teilweise echt eigenartig ,wenn ich durch den Essens-Saal gehe und eine Friesen-Sister nach der anderen grüße.😊

27.09.2018

Termine, Termine, Termine
Nach knapp zwei Stunden Fahrt bin ich im Klinik-Schloss Schönhagen angekommen. Ein wirklich schönes Gebäude mit einer einladenden, großen Steintreppe zum Haupteingang. Der Empfangsbereich in hellblau mit den nachtblauen Samtsesseln erinnert mich an ein etwas in die Jahre gekommenes Hotel. Doch dass das hier kein Urlaub ist, wird mir gleich beim Check-in klar gemacht.
Es ist 12:30 Uhr, der Koffer und die Schuhe noch im Auto, erklärt mir die Mitarbeiterin, dass ich bis zum ersten Termin noch eine Stunde Zeit habe, um in mein Zimmer zu kommen, das Auto zum Parkplatz am Rande des Geländes zu bringen und bei Bedarf Mittag zu essen. Dieser Bedarf ist auf jeden Fall da, also verschiebe ich das Auspacken auf später und stell meine Sachen nur kurz ab. Das Zimmer ist pragmatisch, praktisch eingerichtet. Atmosphäre kommt da nur auf, WENN man Bilder und Lichterketten eingepackt hat!😂 Ja, hab ich!
Das Mittagessen ist ernüchternd, doch es gibt keine Zeit länger darüber nachzudenken, denn die ärztliche Aufnahme wartet auf mich und die restlichen Neulinge. Der Altersdurchschnitt ist geschätzt 60+, aber es sind auch einige jüngere Gäste hier und im Warteraum mache ich mit zwei von ihnen Bekanntschaft. Wir unterhalten uns kurz und als ich zum Termin aufgerufen werde verabschiede mich mit einem „wir sehen uns“, denn um 16:30 Uhr findet die Infoveranstaltung für uns Neuen statt. Im Untersuchungsraum erfahre ich unter anderem, wer meine behandelnde Ärztin ist und dass ich in 45 Minuten meinen ersten Termin bei ihr habe. Wenn ich mich ranhalte, schaffe ich es den Koffer vorher noch auszupacken… gesagt, getan!
Es ist eine Punktlandung und ich lerne eine dreiviertel Stunde später die Oberärztin Frau Dr. Brüggemann kennen. Wir besprechen meine Reha-Ziele und die dazu passenden Therapien, als sie plötzlich meint, „huch, wir haben uns wohl etwas Zeit gelassen, sie haben jetzt gleich den Termin für die Sportberatung.“
Die Sporttherapie befindet sich natürlich auf der anderen Seite des Geländes und noch während ich mich frage, ob ich die Informationsveranstaltung noch schaffe, begrüßt mich die Sportberaterin. Wir sind uns aber schnell einig: Aerobic, Crosstrainer, Nordic Walking und weiter Muskelaufbau mit den Therabändern. Die Trainingsräume sind ähnlich wie die Zimmer hell, praktisch, aber nicht gerade einladend eingerichtet. Also länger als notwendig hält man sich hier nicht auf –  das könnte natürlich auch System haben.
Kurz darauf sitze ich wieder im Hauptgebäude und sammle weiter Informationen über meine nächsten drei Wochen hier. Vorträge, Tanzabende, kleine Konzerte, Dia-Vorführungen und Ausflüge – phuuu, dabei habe ich ja noch nicht mal meinen Therapieplan. Den soll ich morgen noch vor 08:00 Uhr morgens aus meinem Briefkasten nehmen…

26.09.2018

Mein erstes Mal – Rehabilitation

Morgen ist es nun soweit. Die lange Wartezeit hat ein Ende und ich  bin für drei Wochen in der Rehabilitationsklinik Schönhagen. Für mich ist dass das erste Mal! 😉 Eigentlich ist alles organisiert – Joshua hat Schulferien und kann so etwas mehr im Haushalt helfen, Fido kann mit Malte ins Büro und auch er wird sich in meiner Reha-Zeit für eine Woche Urlaub nehmen. Dennoch fallen mir die letzten Vorbereitungen schwer und ich fange ziemlich antriebslos an zu packen. Die Information, dass es nur zwei Waschmaschinen bei der Größe des Hauses gibt und ich mit Sicherheit viel Sport treiben werde, erleichtert mir die Entscheidung, welchen Koffer ich nehme. Es muss der Große sein! Kaum geöffnet liegt die erste Katze drin und ich merke, wie gerne ich meine Lieben mit einpacken möchte. Glücklicherweise ist Fido heute bereits mit Malte bei der Arbeit, denn er würde mich auf Schritt und Tritt verfolgen, damit ich ihn auf keinen Fall zurück lasse…. sie werden mir fehlen, meine Knutschkugeln, meine Kratzbürsten und meine Kuschelmäuse. Trotzdem bin ich auch froh, dass es jetzt los geht und ich den von der Klinik empfohlene Fön mit ruhigen Gewissen zu Hause lassen kann – was mein Koffer und mein Pubertier sicherlich danken werden. Da ich selber mit meiner Mini-Kutsche fahre, muss ich mir beim Thema Schuhe ebenfalls keine Gedanken machen: Turnschuhe, Badelatschen, Hausschuhe, UGG´s und die Abends-mal-Essen-gehen Schuhe können alle mit! Selbst meine Gummistiefel sind noch eine Option. 😉

Neben den ganzen Klamotten und Kosmetikartikel muss ich ebenfalls Medikamente, die ich unabhängig von der Krebserkrankung zu mir nehme, für die ganze Reha-Zeit mitnehmen. Die Hagebutten-Kapseln gegen Gelenkschmerzen, „remiFemin“, das ebenfalls pflanzliche Arzneimittel bei Wechseljahrsbeschwerden, Vitamin D und die Magenschoner müssen mit. Die Schlaftabletten kann ich aber zu Hause lassen, denn die habe ich nun endlich seit 5 Tagen abgesetzt! Erst kürzlich gab es einen TV Beitrag über die großzügige Verschreibung von Einschalfhilfen. Dabei wurde ebenfalls über das Medikament Zopyclon 7,5 berichtet, welches ich seit Beginn meiner Erkrankung nahm und leider klar abhängig macht. Doch während meiner Chemotherapie, sowie während der ersten Zeit danach, habe ich mich ganz bewusst für die Schlaftabletten entschieden, denn meine „tanzenden Affen“ im Kopf hätten mich kaum schlafen lassen. Auch wenn die Wirkung in den vergangenen Wochen deutlich nachließ, habe ich die Dosis nicht erhöht und darum ist bereits nach wenigen Nächten kaum ein Unterschied mehr zu merken. Ich schlafe leider nicht wirklich gut, aber auch nicht mehr schlechter als mit dem Medikament.

Meine nächsten Ziele, und damit die für die Reha, sind: weniger Gelenkschmerzen oder der Umgang damit, einen erholsamen Schlaf, entspanntes Kochen und im Abschlussbericht die Empfehlung für eine anschließende, berufliche Rehabilitation (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben). Damit hätte ich später sicherlich eine bessere Chance in ein für mich passendes Berufsfeld einzusteigen und wäre damit auch wieder in den Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherungen.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und freue ich jetzt schon euch über lustige, Situationen, eigenartige Personen und schöne Momente zu erzählen!

PS: Heute war ich kurz in der Tagesklinik um ein Formular abzuholen und musste an Mandy, meine liebe Krankenzimmer-Freundin und die Schnuggi´s denken –  „wie es ihnen wohl geht“?

24.09.2018

Fleischeslust
„💚Ein Herz für Erzeuger“ So schmeckt‘s nur von unseren Bauern?!?
Das ist der Slogan auf einer Kochschinken-Verpackung. Demnach sollen 10 Cent pro Verkauf an den Erzeuger fließen und damit die heimischen Landwirte unterstützt werden. Hallo?! Was ist denn bitte mit den Tieren, die für unser Leben im Überfluss geschlachtet werden? Was ist denn bitte mit artgerecht Haltung und einer Fütterung bei der die Zugabe von Antibiotika eben nicht selbstverständlich ist? Oder habe ich da irgendetwas übersehen???
Vermutlich nicht und wenn wir ehrlich sind, liegt die Lösung der Probleme schlicht und ergreifend bei uns Verbraucher/innen!
Was denken wir uns beim Kauf von solchen Produkten? Denken wir überhaupt oder überlassen wir das lieber den Werbefachleuten, die sich so ein Label natürlich teuer bezahlen lassen? Verschließen wir einfach weiter die Augen davor, dass wir für das Leid der Tiere verantwortlich sind und tun einfach so, als ob Chicken Nuggets und Co aus dem Boden wachsen?!?
„Du bist was du isst!“ Also sollten wir beim Kauf von Fleischwaren den Verstand einschalten, denn neben der unsäglichen Tierquälerei für günstiges Fleisch, vergiften wir uns mit dem maßlosem und billigen Konsum auch selbst. Gerade auf Wurstwaren sollte man möglichst verzichten. Dieses Fleisch besteht bekanntlich oft aus Resten und wird für die Haltbarkeit mit Pökelsalz zubereitet. Dieser hohe Salzgehalt ist ungesund und kann in vielen Mengen oder bei hohen Temperaturen zubereitet sogar krebserregend sein. Seit ich an Krebs erkrankt bin, verzichte ich aus gutem Grund ganz auf Pökelfleisch und esse maximal einmal wöchentlich Fleisch. Alle, die wie ich vielleicht „noch“ nicht ganz auf Fleisch verzichten möchten: Nehmt euch mal die Zeit –  für euch selbst und für die Tiere, deren Fleisch wir gerne verzehren und schaut euch mal bei den Bio-Lieferanten um. Da gibt es neben gesundem Obst und Gemüse teilweise auch Fleischwaren aus artgerechter und biologischer Haltung. Ja, es ist teurer! Doch was ist die Gesundheit und ein Lebewesen wert?
(Danke TK für das zu Verfügung stellen der Fotos.)

18.09.2018

Weniger Frau, mehr Menschen sein?!?
Fido möchte kurz vor der Gassirunde noch einmal am Bauch gekrault werden. Ich hocke ich mich also nochmal zu ihm runter und bemerke nicht, dass ich versehentlich auf eins, zwei Schnauzhaaren stehe. Weil er vermutlich bemerkt, dass das eventuell nicht ganz so angenehm für ihn enden könnte, wird er nervös, steht ganz plötzlich und in einem Ruck auf… Nur soviel: Es tat mir unendlich leid, Fido hat mir vergeben und sie wuchsen wieder nach!!!
Ja, es gibt viel Situationen die eine „haarige Angelegenheit“ werden können und mit meinen halb-italienischen Wurzeln, sowie dem Rückzug der Östrogene, ist laut unserem Pupertier meine Gesichtsbehaarung fast genauso schnell gewachsen wie der Rest.😳 Und ich muss gestehen, er hat recht! Noch bin ich keine Frida Kahlo, aber einige schwarze Härchen sind über meinen Mundwinkeln definitiv dazu gekommen. Ich beschließe, das nicht so stehen zu lassen und kaufe mir also das erste Mal in meinem Leben Kaltwachsstreifen fürs Gesicht – genauer gesagt für die Partie Oberlippe!
Wenn ich etwas in den vergangenen Monaten gelernt habe, dann ist es, dass es nicht immer gut ist so viele Informationen wie möglich über Neues und Unbekanntes zu erfahren, vor allem wenn du da sowieso durch musst. Ich gehe lieber ohne Vorurteile, vielleicht auch mal etwas naiv, an die neue Situationen heran und lasse mich überraschen. Und mit dieser Einstellung habe ich den Mumm dieses kleine, rosa Ding, welches nun zwischen meiner Nase und meinem Mund klebt, in einem Ruck abzuziehen!
„Herrgotttsiäch normal!“ Verflucht tut das weh… Hinterher sollte man sich besser in abgedunkelten Räumen aufzuhalten, denn die Oberlippe leuchtet für Stunden unsexy in deinem Gesicht! Das Bedürfnis nach einer Botox-Schlauchboot-Lippe dürfte damit ebenfalls erstmal gestillt sein und Fido stehe ich nie wieder auf die Schnauzhaare! 😂
Womit ich die Tage ebenfalls absolute und vor allem schmerzfreie Premiere gefeiert habe, ist das Kochen von Marmelade! Mit etwas Geduld, Rohr- und ohne Gelierzucker, ist mir eine wirklich leckere Pflaumen-Marmelade gelungen! 😋
#daslebensdingens, #iamstillfuckingsandrapolli-holstein 😂

13.09.2018

Blutbild & eBay, eine Galaxie von unendlichen Weiten…
Mit den heutigen Blutwerten habe ich es jetzt schwarz auf weiß: kein Rheuma, keine erhöhten Entzündungswerte, nur die roten Plättchen und die Thrombozyten hängen noch ein wenig hinterher! Mir fällt ein Stein vom Herzen!
Dem herbstlichen Nesttrieb sei Dank schätze ich trotz der weiter ungeklärten Gelenkschmerzen meine zurückkehrende Fitness und nutze diese um ein wenig auszumisten. (Mein) Man(n) behauptet, mir fällt wohl langsam die Decke auf den Kopf.😉
Es ist einige Jahre her seit ich bei eBay einige Schleich-Tiere und LEGO’s aus Joshuas Kinderzeit verkauft habe. Doch jetzt suchen nach meiner ersten Aufräum-Aktion ein paar Dinge eine oder einen neuen Besitzer und ich kann euch sagen – eBay ist meine neue Welt des Wunderns…. dass Interessent/innen Fragen zu den Produkten haben, ist selbstverständlich, doch erschließt sich mir die Nachfrage „Größe?“ bei einem Anzeigentitel Herrenjacke Größe L nicht wirklich. Worauf man in den eingehenden Nachrichten in der Regel verzichtet muss, ist eine Begrüßung, ganze Sätze, einfache Höflichkeitsformen wie „bitte“, „hätte gerne“ oder einfach ein schlichtes „Danke“. Selbst Abkürzungen wie LG oder MfG sind meistens nicht drin. Aber hey, es geht hier auch um die Sache und nicht darum Freunde zu finden. Also habe ich ein wenig benutztes Hundekissen und einen sehr gut erhaltenen IKEA-Kommoden-Klassiker zu verschenken, sowie eine lediglich auf Klassenfahrt mitgereiste, weil jedoch „zu uncool“ (Zitat Pupertier), nie getragene Jack Wolfskin Herrenjacke zu verkaufen.
Schon beim Erstellen der Anzeige freute ich mich mich darauf, einem Hunde-Menschen (und der Fellpfote) eine Freude zu machen! Das Kissen gefällt einer Miriam ganz gut und wir verabredeten, dass sie es um 13:00 Uhr bei uns abholt – sie kam einfach nicht und ich habe nie wieder etwas von ihr gehört.😳 Eine zweite Dame hat mich dann, aber doch noch nach drei Anrufen und mit einer Stunde Verspätung, gefunden und das Kissen mit einem Lächeln mitgenommen.😃
Als die Kommode online ging tobte plötzlich die WhatsApp-Nachrichten-Box! Innerhalb von drei Stunden wurde die Anzeige über zweihundert mal angesehen und ich kam mit dem Beantworten der Anfragen kaum hinterher. Allen teilte ich mit, dass die Kommode noch zu haben sei, ich jedoch keine Reservierung vornehme – wer zuerst kommt, kann sie mitnehmen. Einige konnten nur am Wochenende, andere wollten die Kommode gerne am nächsten Tag abholen, bis eine Anruferin fragte, ob sie gleich vorbeikommen und diesen IKEA-Klassiker abholen könnte. Gesagt getan! Eine halbe Stunde später stand ein Pärchen da, freute sich und nahm das Teil mit. Gleich darauf informierte ich die restlichen Interessenten mit einer kurzen Nachricht darüber und da pöbelt mich in einer Nachricht noch ein Interessent an,  der wohl glaubte, die eBay Welt hätte nur auf ihn gewartet. Tzsss!
Auch bei der Jacke ließ die erste telefonische Anfrage nicht lange auf sich warten: „Gute Frau, ich liege hier in der Reha-Klinik und meine Frau wünscht sich so eine Jacke. Ich muss das erst mir ihr besprechen, aber wenn das passt wären Sie so freundlich die Jacke erst am 30.09. zu versenden?“ Natürlich stimmte ich zu und schickte ihm zur Sicherheit nochmal die genauen Maße. Darauf folgte eine Bombardierung mit Fotos von sich (angezogen), seiner Frau, deren Personalausweisen, Ausflug-Bilder mit Freunden und kitschigen „schönen Abend“ und „vielen Dank“ Animationen…😳 Letztendlich passte die Größe doch nicht und es wurde Gott sei Dank auch wieder ruhig in meiner WhatsApp!
Das gute Blutbild und dass nun doch alle drei Dinge einen neuen Besitzer gefunden haben muss gefeiert werden – St. Peter Ording Soul Kitchen Festival  wir kommen!

10.09.2018

Das „Lebensdingens“ 1.0
Auch am Tag nachdem ich erfahren habe, dass ich nicht früher in eine Reha-Klinik gehen kann, ging es mir psychisch nicht besser. Die Tatsache, dass mir mein Polenta-Gericht zum Abendessen missglückte, brachte das Fass zum überlaufen und mich zu einem kleinen Nervenzusammenbruch… ähnlich wie an dem Abend vor der stationären Wiederaufnahme zum Beginn der Chemotherapie. Wie ein Sommersturm schüttelten mich meine Emotionen bis tief in die Nacht durch, um mich dann in der typischen Ruhe des nächsten Morgens müde aber geklärt wieder langsam auf den Weg gehen zu lassen. Ganz in Ruhe gewinne ich Tag für Tag wieder an Energie, Souveränität und Gelassenheit.
Die Bauer Media Group hat mir nun die Fotos aus dem Shooting vom Juni 2018 zukommen lassen. Ehrlich gesagt bin überrascht, sogar ein wenig erschrocken darüber, wie krebskrank ich aussah! 😉 Es war für mich immer ok, so wie es war, auch wenn ich dem Verlust meiner Wimpern und Augenbrauen etwas nachtrauerte – doch jetzt aus heutiger Sicht empfinde ich beim Anblick dieser Fotos ganz anders, als ich mich noch vor einigen Wochen gefühlt habe.
Dabei bin ich unglaublich froh und dankbar darüber, dass ich nie Wut oder Verbitterung gegenüber meiner Erkrankung empfunden habe und trotz allem in der Lage war das Gute zu sehen und zu empfinden. Auch wenn manche Träne geflossen ist und sicherlich noch fließen wird.
Es ist so viel besser während Krisen und dunklen Momenten in unserem Leben nicht in Frust und Wut zu versinken, denn diese negativen Gefühle können bei uns und unseren Lieben nur noch mehr Böses anrichten.
Viel wertvoller ist es doch solchen Situationen ohne Bewertung, aber mit Annahme und Verständnis gegenüber zu treten.  Ich glaube, um den Idealzustand von Glück und Harmonie zu erreichen, ist es vor allem notwendig Nachsicht mit sich selbst und den Anderen zu üben. 🙂
Während dessen freue ich mich natürlich über die „Oh´s“ und „Ah´s“ von Leuten, die mich in den vergangenen Wochen nicht gesehen haben – ich sehe nämlich nicht nur aus, sondern fühle mich auch an wie ein flauschiges Silberfüchschen! Selten habe ich mich Fido verbundener gefühlt als heute, wenn ich gefragt werde: „Darf ich mal anfassen?“😂

05.09.2018

Es ist ein bisschen wie ein Boxen-Stopp beim Formel Eins. Du kommst an und eine Schar von Profis kümmern sich um alles, was du brauchst. Doch dann musst du wieder losfahren – alleine…
Ich dachte ich bin darauf vorbereitet aber es gibt nichts, was dich psychisch und emotional auf die erste Zeit nach der Chemotherapie vorbereiten könnte. Mit den letzten Untersuchungsergebnissen des PET CTs Mitte August habe ich erfahren aktuell krebsfrei zu sein, was sensationell und einfach großartig ist! 🙂
Doch ist die Gefahr in den kommenden zwei Jahren erneut daran zu erkranken nun leider ein ständiger Begleiter. Mit dem Wissen, dass bei mir durch die späte Entdeckung des Lymphoms ein erhöhtes Risiko besteht, nimmt die Verunsicherung beinahe täglich ein wenig zu. Denn ich muss jetzt viele Runden alleine fahren und dazwischen hat keiner ein professionelles Auge auf mein „Chassis“. 😉 Erst Ende November 2018 habe ist mein nächster Boxen-Stopp und der Frage wie hoch der Prozentsatz für einen „Rückfall“ so liegt, gehe ich besser nicht nach! Das würde die Tatsache mit diesem Risiko leben zu müssen nicht verändern und da momentan jedes Ziepen oder Drücken im Bauch bei mir schon eine leichte Schnappatmung auslöst, lasse ich das lieber.
In diesen Tagen ist es natürlich nicht gerade hilfreich, wenn der Kostenträger meinem Antrag auf Umstellung für eine Rehaklinik, bei der ich früher einen Platz erhalten hätte,  nicht zustimmt.  Die Begründung: „Weil es keine Vertragsklinik ist.“ Es war mir bewusst, dass ich auch eine Absage erhalten könnte, doch in diesem Augenblick war ist so frustriert und enttäuscht, dass ich über den ganzen Tag immer wieder mit den Tränen zu kämpfen hatte. Mein neuer Alltag ohne ärztliche Beobachtung ist noch gewohnheitsbedürftig und eine zeitnahe Rehabilitation hätte mir diese Anfangszeit bestimmt etwas leichter gemacht. Fuck It – Shit Happens!
Um so wichtiger ist es bei einer Problematik und sei sie noch so klein, nicht alleine weiter die Runden zu drehen. Sich hier zurück zu nehmen und zu denken: „da muss ich jetzt einfach durch“, ist weder hilfreich noch angebracht. Also habe ich einen kleinen „Boxen-Stopp“ bei meiner Hausärztin vereinbart, um sie vom Anfang meiner Erkrankung nun mal auf den neuesten Stand zu bringen.  Auch eine weitere Meinung betreffend meinen anhaltenden Gelenkschmerzen kann nicht schaden und was soll ich sagen, es war wirklich eine gute Entscheidung!
Denn sie hat meine stillen Gedanken an eine onkopsychologische Therapie, während sowie vielleicht auch nach der Reha ausgesprochen und mich darin bestärkt. Zusätzlich wird morgen ein großes Blutbild gemacht, um die Parameter betreffend einer eventuellen, rheumatischen Erkrankung zu prüfen. Doch vor allem auch, um mir ein Feedback betreffend den Entzündungswerten zu geben, damit ich hoffentlich bald wieder besser schlafen kann. 😉