30.03.2018

Eine vielseitige Angelegenheit

Bis heute vertrage ich mein Fremdblut gut! Winzig kleine Bedenken flitzten dennoch durch meinen Kopf.  Gemäß des unbeliebtem Beipackzettels können bis zu einer Woche nach der Transfusion noch üble Nebenwirkungen auftreten… Also übe ich lieber „Fuck it! Lossagen, entspannen und glücklich sein!“ 🙂

Am Nachmittag der Bluttransfusion erhalte ich zu Hause noch einen Anruf der Tagesklinik. Die Ärztin möchte meine Blutwerte ungerne die kommenden vier Ostertage unkontrolliert lassen. Darum soll jetzt kurz vor den Feiertagen die benachbarte onkologische Tagesklinik darüber informieren werden, dass ich morgen, Karfreitag, zur Blutentnahme erscheine. Die Klinik würde durchgehend geöffnet haben und somit sicherstellen, dass meine dritte Chemotherapie wie geplant am Dienstag nach Ostern weitergeführt werden kann.

Karfreitag, 10:00 Uhr, stehe ich bereit zur Blutentnahme vor der Anmeldung  – ABER leider keiner da!?! Was nun? Ein hilfsbereiter Mitarbeiter nimmt mich meiner an und gemeinsam gehen wir das gesamte Erdgeschoss der Asklepios Klinik in Altona ab. Dank meines „Jungbrunnens“ vom Vortag schaffe ich es Schritt zu halten, doch  20 Minuten später melde ich mich unverrichteter Dinge und etwas atemlos bei der Notaufnahme an…

Zwei weitere Stunden später halte ich das Ergebnis meines Blutbildes mit folgendem Hinweis in der Hand: „Die Thrombozyten sind sehr niedrig. Schneiden dürfen sie sich auf keinen Fall, sie könnten verbluten!“ Ich guck wie ein erschrecktes Einhörnchen und sage „ok und die restlichen Werte?“ „Alles soweit in Ordnung, aber Dienstag vor der Chemotherapie muss unbedingt ein weiteres Blutbild gemacht werden. Schöne Ostern!“

Zu Hause fließen mir ein paar dicke Enttäuschungs-Tränen übers Gesicht. Ich fühle mich bereit für die dritte Chemo, doch es bleibt abzuwarten ob sich meine Blutwerte entsprechend erholen. #glaubeversetztberge #machdasbestedaraus #gesundheit #ziele

29.03.2018

Frisches Blut für Polli!

Dass die Chemotherapie mein Inneres einmal auf Links drehen wird, war klar. Auch, dass im Zuge der Therapie eine Anämie auftreten und eine Bluttransfusion notwendig werden könnte – heute war es soweit!

Die vergangenen Tage hat sich mein Körper nicht schnell genug von der Chemo erholt. Also erhielt ich gestern von der Ärztin den Rat, einer Bluttransfusion zu zustimmen. „Das ist wie ein Jungbrunnen, damit geht es ihnen wieder besser und Ostern steht ja auch vor der Tür“. Das ist schon richtig, aber Schoko-Osterhasen gehören da schon eher zu meinem Beuteschema! 😉

Sofort musste ich an eine befreundete, großartige Pianistin und Korrepetitorin denken, die mir zu Beginn meiner Erkrankung per FB schrieb: „Sag Bescheid wenn du frisches Blut brauchst. Ich spiele gerade bei Tanz der Vampire! LG Marina“ Damals habe ich laut gelacht und jetzt, in diesem Moment, unterschreibe ich wieder einmal einer der unbeliebten Beipackzettel-Formulare um meine Einwilligung zu geben….

Beim Betreten des Wartezimmers (ja, auch ich gehe jetzt über die Anmeldung ins Warteräumchen ;-)) lächelt mich meine ehemalige Stations-Zimmer-Nachbarin Mandy an!!! Was für eine Freude! Wir hatten uns die letzten Wochen nur eins, zwei Mal geschrieben – der Alltag hat uns wieder und wir versuchen darin so gut es geht zurecht zu kommen. Meine Nervosität macht der Wiedersehensfreude Platz und sofort war „Kaffeeklatsch“-Stimmung in den sonst so ruhigen Räumlichkeiten.

Auch ihre Blutwerte sind optimierungsbedürftig, das mag aber unserer Freude über das überraschende Weidersehen nichts anhaben und die gute, zuversichtliche Laune lassen wir uns nicht nehmen!

Als es dann soweit ist und ich meine allererste Bluttransfusion erhalte, kommt schon nach drei Minuten die Schwester um die Ecke gedüst und stöpselt mich wieder ab!?! „Da stimmt etwas mit ihrem Blutgruppenausweis und einem Datenblatt nicht überein.“ Ok, passen sollte das ja schon, die Auswirkungen bei einem Fehlerchen wären nämlich ganz mies für mich!

Während ich warte gehen mir die verschiedensten Szenarien durch den Kopf, „meine Güte, man kann es aber auch spannend machen…“. Zehn Minuten später läuft mein Jungbrunnen wieder und mit einer kurzen Entspannungsübung, guter Musik und Schreiben bin ich guter Dinge, dass ich auch diese Ostern nur Jagd auf Schoko-Osterhasen machen werde!

 

27.03.2018

Ein Ziel zu visualisieren ohne konkretes Ziel, ist wie Memory spielen ohne ein Lieblingsbild zu haben…

Wie stelle ich mir „gesund werden“ bildlich vor? Durch einen Tipp eines ehemaligen Spielkameraden (was – ach du Schreck: VIERZIG Jahre her ist ;-)) lese ich u.a. das Buch „Autosuggestion“ von Emile Coué. Es ist schon erstaunlich wie wir uns oft unbewusst selbst manipulieren, in dem wir bereits im Voraus eine ablehnende Haltung bestimmten Dingen und Situationen gegenüber einnehmen. Unsere Gedanken jedoch bewusst positiv zu beeinflussen oder zu lenken ist gar nicht so leicht!

Das mit dem visualisieren ist so eine Sache… sich mein  gesundes Netzwerk von Lymphsystemen vorzustellen, wie es durch meinen ganzen Körper verläuft, wohlig, warm rauschend, das fällt mir irgendwie schwer. Darum habe ich mich erstmal für den Gedanken „gesund zu werden“ entschieden oder tagesaktuell: „Mein Knochenmark produziert viele, weiße Blutkörperchen“, den  die Blutwerte sind leider viel zu niedrig.

Dass wir mit unserer Vorstellungskraft sehr viel mehr beeinflussen können, als wir in diesem Moment glauben, davon bin ich absolut überzeugt! Dennoch bin ich froh, dass ich bei den drei im Buch beschriebenen Beispielen zur Vorgehensweise der Suggestion mit einer Versuchsperson, das Kapitel erst bis zum Ende gelesen habe! Während dem Lesen stellte ich mir tatsächlich schon die Frage, ob ich diese Versuche (u.a. Testperson soll sich wie ein Brett nach hinten fallen lassen) allen Ernstes mit Malte oder Joshua ausprobieren sollte..   Glücklicherweise kam zum Schluss die Anmerkung, dass diese Anweisungen nur Vorschläge für den Fachmann sind. Mann sollte sich hüten diese Versuche selbst durchzuführen!!! Puh, da war ich doch erleichtert und meine Jung’s bestimmt auch… 😂

25.03.2018

Grenzen erkennen, der Umgang damit und auf der Suche nach dem neuen Ich?

So langsam im Alltag angekommen, bin ich unendlich dankbar, dass es mir den Umständen endsprechend so gut geht! Und doch bin ich bei weitem nicht mehr die „Alte“! So eine ambulante Chemotherapie ist ohne Frage für alle Betroffenen einfacher mit der neuen Lebenssituation um zu gehen, als wochenlang stationär im Krankenhaus bleiben zu müssen. Dabei ist der Alltag auch eine Herausforderung, die nicht zu unterschätzen ist…

Mal eben Einkaufen, Staub saugen, kochen oder Gassi gehen sind Dinge, die ich neben meinem „Heilungsauftrag“ wie Fido, nach einer ausgedehnten Agility-Stunde mache – hechelnd und mich raushängender Zunge! Schnell erschöpft und mit Gliederschmerzen, wie heute morgen, oder durch Stimmungsschwankungen zeigt mir mein Körper gerne mal die Grenzen auf – kurz gesagt: „Ich hatte heute einen miesen Start in den Tag!“

Nach meinem üblich zelebrierten Morgen-Kaffee öffnet Malte die Fenster und trotz des bedeckten Himmels, erinnert mich dieses Vogelkonzert daran, dass die grauen Tage bald vorbei sind – also rein in die Klamotten und raus mit dem Hund! Zurück von dem gemeinsamen Morgenspaziergang sieht die Welt schon wieder viel schöner aus, weil:

Liebe ist… wenn Er morgens die Haustiere füttert und das Frühstück vorbereitet, damit Sie sich nochmal in Ruhe umziehen und verschiedene Mützen und Tücher ausprobieren kann! 🙂

Wenn man sich dann später gemeinsam auf dem Sofa eingekuschelt, liest und  und dabei wieder eindöst, kann das nur ein guter Sonntag werden!

 

 

22.03.2018

Der Frühling hat gerade angefangen und ich sag, „der Sommer kann kommen!“ Aber von Anfang:

Zum Ende der zweite Chemotherapie gibt es wieder etwas Neues kennen zu lernen. Abschließend wird mir in der Tagesklinik gezeigt, wie ich mir selber kleine Spritzen in den Bauch oder Oberschenkel setze, damit mein Knochenmark wieder fleißig gesunde, weiße Blutkörperchen produziert.

Der Termin ist erst gegen Mittag, also gönne ich mir morgens einen ausgedehnten Aufenthalt im Badezimmer mit schönen Pflegeprodukten, da der Feuchtigkeitshaushalt durch die Chemokeule leider schon sehr reduziert ist. Trotzdem fühle ich mich recht wohl in meiner Haut, auch mit meiner 3 mm Stoppelfrisur, die ja aktuell selbst bei den Promis sehr angesagt ist. 😉 #elyasm’barek,#antoniobanderas

Beim Zupfen der Augenbrauenkonturen fällt mir auf, dass es an den empfindlichen Stellen gar nicht ziept und denke mir schon „nah, kommt nun der nächste Schritt der Verwandlung?“ Unter der Dusche erhalte die Antwort. Ja, ich ziehe wohl bald komplett blank! Aber hey, während andere diesen Look regelmäßig nachschneiden lassen müssen und in den kommenden Wochen die Enthaarungswerbung unsere Frauenwelt dauerberieselt, lächle und denke ich „diesen Sommer nicht mein Problem“ und freue mich über glatte Beine und eine Pickel freie Bikinizone!

Später in der Tagesklinik angekommen, zeigt mir die Schwester die Anwendung der Spritzen: „Bauchspeckröllchen halten, Nadel senkrecht rein und vorsichtig bis zum Anschlag runter drücken, fertig.“ Cool, das war wirklich einfach und total schmerzfrei, mal sehen wie ich mich morgen alleine damit anstelle…

PS: Das ist ist (leider) nicht mein Badezimmer. ;-)))

 

 

 

20.03.2018

Frühlingsgefühle und was sie alles anstellen können!

Seit Tagen bin ich als Frauchen während unseren Spaziergängen ganz und gar abgeschrieben. Der Herr hat keine Zeit zum Spielen, er hat wichtigeres zu tun! Malte würde sagen „das ist ein total wichtiges Meeting“, naja und Fido würdigt mich keines Blickes, dockt einmal auf dem Boden an und erschnüffelt jede Information unter Einsatz von Gesabber auf wie ein Staubsauger. Dazwischen werden von ihm Nachricht auf drei Pfoten verteilt, um allen klar zu machen, dass er hier und jetzt zur Fortpflanzung bereit wäre – ich fürchte ohne dabei wählerisch zu sein.

Benebelt von den vielen Düften der Hundedamen in unserem Park werden wir Susi mit einem schnurrenden „Miau“ begrüßt. Ihr Bruder Max hält sich da grundsätzlich zurück, er vertritt  mehr die Meinung, dem Rüpel eines Hundes aus dem Weg zu gehen und wie er kommt oder geht, geht Max so ziemlich  an den Schnurrhaaren vorbei.

Aber Susi kommt uns mit schlenderndem Gang und hoch erhobenem Schwänzchen entgegen und schleicht schnurrend um unsere Füße und Pfoten. Dabei ist es um Fido auch schon geschehen. Dieser gut erzogene Hund, der sonst im Flur wartet bis ich Mütze und Jacke abgelegt habe, um mir dann in den Wohnbereich zu folgen, tänzelt jetzt wie ferngesteuert Susi mit leicht hängender Zunge hinterher. Wie ein Gespann, nur dass Susi die Nase vorne hat. Ja, Fido spürt den Frühling, was dazu führt, das er offensichtlich vergessen hat, dass ER in unserem Rudel der einzige Hund ist! Ich behaupte heute noch einen wirklich schlauen Hund zu haben, auch wenn er aktuell nicht diesen Eindruck hinterlässt…

Susi wird von uns allerdings auch nicht umsonst „Susi-Schmusi“ genannt. Diese Katze schmeißt sich innerhalb von Minuten wirklich an jeden, selbst Wildfremden heran, um mit Stubsen und Anschmiegen ihre Streicheleinheiten einzufordern. Fido folgt ihr blind, umwirbt sie und beschnuppert sie von Kopf bis Fuß. Unser Katzen-Flittchen genießt diese ungeteilte Aufmerksamkeit und schmiegt ihr Köpfchen wohlig über die Tischkannte, um dann zur Krönung den Hintern hoch in die Luft zu strecken! Fido ist so entzückt und denkt sich: „Komm her Baby“, und legt vorsichtig die Pfote um sie. „Hallo!?!“ Das geht Susi nun doch etwas zu weit und zack, hat er sich eine kleine Ohrfeige eingefangen. Fido weicht etwas verdutzt zurück und um weitere Missverständnisse zu verhindern, schicke ich kurzerhand jeden auf seinen Platz – geht doch! Jetzt ist ist Ruhe im Karton 😉

PS: Ich vertrage die zweite Chemotherapie viel besser, als beim ersten Mal! Ein Grund mit der Sonne um die Wette zu lächeln!

19.03.2018

„Erste!“, rufe ich in den großen, noch nicht beleuchteten Behandlungsraum in der Tagesklinik. Im Regal mit den Mode-, Klatsch- & Tratschzeitschriften suche ich mir etwas annähernd aktuelles aus. Der Platz neben den Getränken wird dann auch gleich meiner! Laptop check! Zeitschriften check! Notitzbuch check! Kopfhörer check und Handy – selbstredend!
Als die erste Krankenschwester einige Minuten später das „Infusi-Treff“ eröffnet, informiert sie mich lächelnd darüber, dass man normalerweise erst zur Anmeldung geht und dann im Wartezimmer Platz nimmt. Ok, auf die Idee kam ich gar nicht… ich bin hier, bereit für die zweite Runde also warum warten. ;-)))
Das sympathische, ältere Pärchen vom vergangenen Freitag, die Schnuggi’s, kommen heute nur auf einen Sprung Blutentnahme vorbei. Also widme ich mich meinem mitgebrachten Entertainment-Equipment, was für ca. vier bis fünf Stunden reichen muss.
Zur letzten der vier Infusionen höre ich eine von FB-Freunden zusammengestellte Playlist auf Spotify. In diesem Moment singt Freddi „We are the Champions“ und ich bin dabei so erleichtert, dass mir diesmal nicht übel wird wie beim letzten Mal (nicht wegen Freddi). Ein richtiges Glücksgefühl überkommt mich als ich seh, dass der Beutel fast leer ist – ich sehe mich wie Rocky, oben auf den dem Treppenstufen! 🙂 Aufgedreht erzähle ich der Krankenschwester, dass ich mich bis auf ein Sättigungsgefühl und eine nur sporadisch ganz leichte Übelkeit, richtig gut fühle! Sie freut sich mit mir: „Das wird wohl die Wirkung des Cortisons sein.“ Egal, ich hoffe einfach, dass es so bleibt! #nachmittagskaffeecheck

18.03.2018

Ein schönes Familienwochenende neigt sich langsam dem Ende zu und morgen klingelt die Glocke für die zweite Runde Chemotherapie!

In den vergangen Tagen habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich meine Diagnose Krebs wirklich schon realisiert habe. Ich hab viel gelacht, auch geweint, manchmal gelitten, aber auch viel gemacht und erledigt. Doch mir fehlte etwas – vielleicht eine innere Stinkefiner-Haltung wie „du Drecksau von Arschloch-Krebs, ich mach dich fertig!“? Eine Vorstellung oder ein Sekundenfilm wie „Lymphmonster werden mit der roten Chemiewaffe ausgerottet!“? Eventuell ein eigener Namen für die Erkrankung wie „Plägefitz“? Aber irgendwie konnte ich mich mit nicht’s davon identifizieren. 😉

Durch etwas Mediation und lesen von Büchern, die mir gut tun (kein Google und keine dicken Sachbücher), bin ich nicht mehr so verunsichert, wie es mir in den nächsten Tage wohl ergehen wird. Weil ich so langsam die Regie übernommen habe und jeden Tag dieser Geschichte mitbestimme was passiert. Das gibt mir Mut und Motivation wieder in den Ring zu steigen!

Da die Zeit, bis ich wieder als Hundefriseurin arbeiten könnte, nicht wirklich absehbar ist, fiel die Tage auch die Entscheidung mein Hundefriseur-Studio bei Waldi Waldenau an eine Kollegin zu übergeben. #eshatmirspaßgemacht, #karriere4.0

16.03.2018

Tagesklinik: Wo die Cocktails des Lebens herangerollt werden!

Heute bestelle ich die "Antikörper-Cocktail"-Infusion. Dazu wird mein Port das erste Mal "angestochen" und das Beste daran ist - ich hab beide Hände frei! Multitasking 2.0 - Cocktail, Handy und ein Gläschen Wasser gleichzeitig!

Ein älteres Ehepaar, kommt herein. Sie dick eingepackt und etwas schwach, er gut gelaunt mit viel Elan, stützt sie liebevoll und herzlich. Wir grüßen uns freundlich und sie suchen sich die freien Plätze neben mir aus. Zusammen plaudern sie und machen so ihre Spässchen. Er fordert sie höflich auf: "Komm setzt dich hin, gib mir deine Sachen." Sie gibt ihm ihre Tasche. "Du musst auch noch deine Jacke und deinen Schal ausziehen:" Sie antwortet mit einem Schmunzeln auf den Lippen: "Jetzt willst du mich hier also schon ausziehen!" Ihre Mütze behält sie auf. Sie wirken so vertraut und fast noch verliebt ineinander.

Beide nennen sich Schnuggi, sie erzählt mir leise, unter vorgehaltener Hand, dass sie ihn manchmal mal auch „Arschloch“ nennt und kichert über's ganze Gesicht dabei. Er nennt sie dafür mal „Meine klein Zicke“ und beide lachen herzhaft darüber!

Angesprochen auf meine neue Frisur, hebt die gute Frau ihre Mütze, unter der nur noch wenige Strähnen erkennbar sind und erklärt mir, dass sie sich das abschneiden der Haare nicht traut. "Weil ich so abstehende Ohren habe, das sieht ganz furchtbar bei mir aus!", trotzdem lächelt sie dabei. Ihr Gatte verabschiedet sich und wir entspannen bei Bluttransfusion und Antikörper-Cocktail (die rosa Elefanten sind wieder da. ;-))

Nach bald drei Stunden ist es für uns beide langsam Zeit aufzubrechen. Der Gatte begrüßt sie mit einem Kuss auf die Stirn, um sich dann mit der Krankenschwester, ganz in meiner Nähe, nochmal zu besprechen. "Kann sie nicht mal einen Tag frei von den Infusionen haben? Ich möchte ihr mal was Gutes tun, einen kleinen Ausflug an die Elbe machen." Dieses kurze Gespräch geht an ihr vorbei und ich drehe mich zu ihr: "Darf ich fragen, wie lange sie schon verheiratet sind?"

Die beiden sind seit 46 Jahren ein Paar, im Mai 2018 seit 22 Jahren verheiratet und während er ihr beim Anziehen der Jacke hilft sagt sie: "Ohne dich Schnuggi, kann ich nicht leben.“ Er drückt sie an sich und antwortet: "Ich doch auch nicht ohne dich Schnuggi!" #vielerosaelefanten

PS: In einem Radiointerview wurde ein Ehepaar zu ihrem fünfzigsten Jubiläum gefragt, warum sie glauben, dass ihre Ehe noch hält, wo heute doch über die Hälfte der Verheirateten sich wieder scheiden lassen. Die Frau antwortete darauf: "Ich glaube früher haben wir gelernt Dinge zu reparieren, heute wird sich einfach etwas Neues gekauft."

15.03.2018

Der dritte Tag in Folge geht es mir wirklich, richtig gut! Ich bin voller Tatendrang und neben dem aufregenden „ich warte nicht bis mir die Haare büschelweise ausfallen“-Ereignis von gestern Vormittag, stand nachmittags ein Gesprächstermin in der Tagesklinik an. Hier werde ich meine weiterführende Chemotherapie erhalten. Das Gespräch mit meiner neuen Ärztin war in Bezug auf meine Erholung und meine Werte nach der ersten Chemo sehr positiv. Dann, in einem Nebensatz erwähnte sie, dass ich wohl doch eine kleine Risikopatientin bin, bei der die Lympherkrankung so weit fortgeschritten ist, dass es Organe und den Kopf befallen haben könnte. Mit den Worten „wir müssen mal schauen ob wir vielleicht noch etwas für ihren Kopf machen müssen“, informierte sie mich gleich weiter darüber, dass das Risiko jedoch nur bei maximal 10% liegt. Aus diesem Grunde und weil meine Medikation zur Zeit so hoch ist, wird jetzt auf jeden Fall nichts in die Richtung unternehmen.

Genau in diesem Moment kam sie über den Rücken gekrochen und verursachte nur ganz kurz, ein heißes, unangenehmes und drückendes Gefühl  im Nacken – die Angst, die ich sofort verscheuchte, denn es ging gleich weiter mit Terminvereinbarungen für die anstehende Chemo und den dazugehörigen Informationsformularen…

Und  genau jetzt, während  ich diese Situation beschreibe, schleicht sie schon wieder ganz still und leise durch meinen Körper…“ Das ist kein gutes Gefühl und jeder kennt „sie“, aber die Angst ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes, denn sie hält uns beispielsweise davon ab im Zoo bei einem Gorilla ins Gehege zu steigen um ihm die Banane zu klauen, bloß weil wir in diesem Augenblick Heißhunger auf Banane haben! 😉 Wie mit vielen Dingen ist es eine Frage der Dosierung.  Mit einer bewussten Atmung,  einer kleinen Entspannungsübung und dem Ziel vor Augen, dass ich mit meinen Jungs in den kommenden Sommerferien krebsfrei zu meinen Lieben nach Zürich fahre werde,  lässt mich als Gewinnerin aus dieser Situation gehen!