30.05.2018

Identifizierung: Bitte einmal ausziehen!
Die Blutuntersuchung am Montag morgen zeigte noch weitgehend normale Werte. Also schnallte ich Fido, trotz leichter Gliederschmerzen,  gleich das Geschirr um und wir walkten eine gute halbe Stunde durch den Wald. Es macht so viel Spaß zu sehen wie er erkennt, dass es dabei nicht nur um eine Gassi-Runde, sondern um Arbeit geht. Fido ist ein schlaues Kerlchen und liebt es eine Aufgabe zu bekommen, auch wenn es nur dafür ist, Frauchen ins schwitzen zu bringen.
Zu Hause angekommen stretche ich mindestens noch zwanzig Minuten und entspanne dabei. Die tiefe Atmung, die Konzentration und das „loslassen“ in der Dehnung tun wirklich gut! Ich fühle mich hinterher immer sehr viel ausgeglichener und richtig wohl in meiner Haut.
Ein Termin  zur Vorsorgeuntersuchung bei meiner Frauenärztin stand am Nachmittag auch noch an. Mit einem etwas eigenartigen Gefühl gehe ich das erste mal seit meiner Krebserkrankung zu einer Krebsvorsorge. Das fühlt sich ein wenig wie das Bermuda-Dreieck an: Vorsorge, Nachsorge, Zwischensorge (Behandlung)  – Hauptsache -sorgen?!?
Gestern musste ich mich dann mal um nichts sorgen. Tatsächlich stand kein einziger Termin, bis auf eine kurze online Identifikation für meinen neuen Mobilvertrag an.  Wie schön wäre jetzt ein kleiner Badeausflug!!! In das kühle Nass zu springen, zu schwimmen und diese Spannung auf der Haut zu spüren, wenn man aus dem Wasser steigt… herrlich! Ist aber leider ein No Go. Die Infektionsgefahr durch Bakterien ist zu groß, die Sonne sollte wegen der Medikamente auch gemieden werden und meine Erschöpfung macht sich eine Woche nach Chemo-Tag 1 leider auch wieder bemerkbar.
Im Schatten der Bäume plantsche ich also mit meinen Füßen im Wasser und genieße Balkonien – geht doch!
Nach diesem gemütlichen Sommertag wird also noch die online Identifizierung für meinen neuen Vertrag benötigt. Ich hab das noch nie gemacht und wundere mich über mich selbst, als ich etwas verunsichert darüber nachdenke, ob ich dafür besser ein Kopftuch tragen sollte… Trotz der warmen Temperaturen binde ich mir ein Tuch um – vielleicht um den Mitarbeiter nicht zu erschrecken?!? Als ich dann allerdings den Personalausweis in die Kamera halten soll,  werde ich gebeten mein Kopftuch abzunehmen, da ich auf dem  Ausweisfoto natürlich auch kein Tuch trage. Einen Moment gerate ich ins Stocken, weil ich nicht weiß, ob ich mich erklären soll und nehme dann mein Tuch mit leicht gequältem Lächeln ab. Mit den Worten „Ah, verstehe“ wurde die Identifizierung dann doch mit den dazugehörigen TAN‘s, Codes und Vergleichswerten zu Ende durchgeführt. Scheisse, war das komisch!
Ob wir bald einen Barcode für all unser Tun haben? Keine Karten, kein Bargeld und keine Ausweise mehr? Einen Vorteil hätte es zumindest, dass man sich für einen neuen Mobilvertrag nicht mehr „ausziehen“ muss. 😉
Allerdings ist das Ausziehen von Kleidung aktuell ja eher eine Erleichterung. Ich liebe den Sommer, doch leider macht mein Kreislauf langsam schlapp und darum erhalte ich heute einfach mal einen Liter Flüssigkeit in der Tagesklinik – total unspektakulär! Diese Form von Flüssigkeit, die auch unsere liebe Natur momentan so gerne hätte und tatsächlich, als ich losfahre klatschen einige Tropfen auf die Windschutzscheibe! Ganz leicht regnet es und die Luft füllt sich mit diesem wundervollen, intensiven Geruch von Sommerregen.
Viel zu kurz um zu genießen, nur für eine kurze Idee, dann ziehen die Wolken nach fünf Minuten weiter um der Sonne wieder Platz zu machen.

27.05.2018

Schauplatz der Reaktionen

Ich gebe zu, dass ich gerne mal beobachte, wie die Leute mich anschauen, auf mich reagieren oder versuchen mir aus dem Weg zu gehen. Dabei kann ich gut verstehen, dass Menschen, die mich nicht kennen, kurzfristig irritiert sind. Denn so langsam erinnere mich selbst an eine kleine Nacktkatze – das ist durchaus etwas ungewohnt.

Meine Wimpern kann ich heute einzeln zählen: am linken Auge sind es noch fünf, am rechten noch ungefähr zwölf Härchen und auch die Augenbrauen sind mittlerweile eher ein Schatten von sich selbst. Die meisten von uns stellen sich ja auch Aliens ohne Kopf- und Gesichtsbehaarung vor… 😉

Das mag mit der Grund dafür sein, dass mir Nachbarn und  Bekannte, die ich im täglichen Leben treffe, mit unterschiedlicher Umgangsart begegnen. Die Einen bedrückt, mit leicht gequältem, mitleidigem Gesichtsausdruck, die offensichtlich versuchen „das Richtige“ zu sagen ohne wirklich etwas zu sagen. Dabei wird unser zufälliges Treffen leider in kürze mit einer freundlich, friedhöfliche Stimmung umgeben, die keiner wirklich mag. Auszüge wie: „Na, wie geht es dir gut? Machst halt das Beste draus, das ist schon gut. Ach Mensch du Arme. Ich drück dir die Daumen.“ Mit immer sinkender Sprachmelodie zum Ende des Satzes…  Das Gute dabei ist, dass ich mich vermutlich besser fühle als der Mensch, der mir so gegenüber steht! 😉

Doch dann gibt es die Leute, die einfach so sind wie vor meiner Krebserkrankung, egal wie ich aussehe. Die freuen sich einfach, dass wir uns treffen und schnacken über Dies und Das. „Du siehst heute aber sommerlich aus! Ist das nicht ein Traumwetter?! Na, was habt ihr heute noch schönes vor?“ Das bringt Laune und gibt mir auch nicht das Gefühl, in der näheren Zukunft vielleicht ins Gras beißen zu müssen! 🙂

So oder so, Begegnungen und Kommunikation sind wichtig, denn es lehrt uns auf Andere einzugehen, Gefühle und Mitgefühl zu zeigen.

23.05.2018

Chemo-Tag 6.1
Mein neuestes Buch „After Cancer Care“ ist ein Ratgeber für eine stabile Gesundheit und ein glückliches Leben nach der Krebsbehandlung. Die Säulen dafür sind Sport, Ernährung und Anti-Stress Management. Ein wirklich gutes, sehr informatives Buch! Mein aktuelles Thema dabei ist die Ernährung und ich bin ehrlich gesagt geschockt darüber, was wir mit den Fertigprodukten täglich an ungesundem Zeug so zu uns nehmen! Schon mal was von Transfetten gehört? Das sind künstliche Fette die zur Haltbarmachung von Lebensmitteln dienen, sind somit in unzähligen Dingen die wir täglich zu uns nehmen und natürlich tragen sie nachweislich zu vielen Erkrankungen wie Krebs, Fettleibigkeit, Diabetes, Herzinfarkt und Alzheimer bei.
Aber sind wir mal ehrlich, alles immer frisch gekocht, schmackhaft für die ganze Familie?!? Das mit einem Job, dem Haushalt, den Kindern und ggf. den Haustieren zu vereinbaren, scheint mir wiederum beinahe unmöglich und somit nicht sehr gesund… klar, da könnte das Anti-Stress Management helfen…  überkommt euch da nicht auch das Gefühl „halt, stopp, das läuft irgendwie in die falsche Richtung!?!“😳
Das Leben besteht aus Kompromissen! Vermutlich wäre es hilfreich wieder mehr Klarheit in unseren Kopf zu kriegen.
Wie aufgescheuchte Hühner hetzen wir von einer Sache zu anderen und glauben, dass wir stolz auf uns sein können, wenn wir noch mehr geschafft haben als am Tag zuvor. Mach mal eine Pause – „was ist mir wirklich lieb und wichtig?“
Ich glaube in dem wir die Bedeutung gewisser Dinge in unserem Leben reduzieren, wird vieles einfacher und klarer.
Also wird auch die Ernährung eine Kompromisslösung so, dass ich entspannt und mit Freude frisch koche und nicht zu hart mit mir bin, wenn dazwischen genascht wird oder auch mal eine Tiefkühlpizza auf dem Tisch landet! 😜

20.05.2018

Der Seitenblick auf die Wahrheit

Meine vielleicht etwas naive Neugierde und die Herausforderung lassen mich, ohne viel darüber nachzudenken, auf Menschen und neue Situationen zugehen. Ich lasse mich darauf ein und mache einfach meine Erfahrungen mit dem Leben. Vermutlich hatte ich aus diesem Grunde nach der Krebsdiagnose nicht das Bedürfnis nach allem möglichen zu googeln, was es darüber zu erfahren gibt. Für mich ist das ein natürlicher Selbstschutz, der hilft ohne Vorurteile und unnötigen Ängsten Neues zu erleben.

Bei meiner Recherche über den kürzlich geschriebenen Beitrag #nachsorge, stieß ich auf einige Seiten, in denen die Krankheit ausführlich beschrieben wird. Die meisten Informationen kannte ich bereits, aber mir wurde (vielleicht das erste Mal) bewusst, wie viel Glück ich hatte, dass das Lymphom entdeckt wurde! Auf verschiedenen, medizinischen Seiten wird beschrieben, wie aggressiv diese Krebsart ist und dass der Verlauf in relativ kurzer Zeit tödlich ist…

Umso mehr genieße ich diese herrlichen Pfingsttage, voller Vitalität, gutem und (meist) gesundem Essen bei strahlendem Sonnenschein! Neben den Gassi-Runden mit Fido habe ich zwei Krafttraining Einheiten und einmal Walken geschafft – wie ein fast „normales“ Leben und als wir heute zur Mittagsrunde aufbrechen, kommt mir das erste mal der Gedanke „oh nein, morgen geht’s wieder los.“

Diese „guten Tage“ wieder herzugeben für eine Herde von rosa Elefanten, die mich ausknocken, für diese körperliche Schwäche, die mich festhält und nichts unternehmen lässt, ist wie der kleine Abschied von der großen Liebe bei einer Fernbeziehung. Traurig, mit der Vorfreude auf das Wiedersehen und der Hoffnung, dass es ein Leben lang hält!

15.05.2018

Alles Neu macht der Mai!

Die meisten Menschen, die mich kennen und mich mit meiner Krankheit begleiten, denken, dass die Chemo-Tage die schlimmsten sein müssen. Selbst ich plante in der Vergangenheit Verabredungen und Termine um diese Termine herum – falsch gedacht! Gefühlt vertrage ich die Infusionen jeder Chemotherapie besser und besser. Keine Übelkeit, kaum noch Völlegefühl und Wassereinlagerungen und durch das Kortison voller Tatendrang. Dafür geht es mir einige Tage später mit der Wirkung der Therapie leider zunehmend schlechter. Die gute Nachricht – es ist nur eine Phase von zwei bis drei Tagen, jedoch ist in dieser Zeit kaum an Aktivität zu denken. Also muss meine Planung für Unternehmungen sowie der Sportplan entsprechend angepasst werden. Denn wer wie ich vergangenen Sonntag sich etwas schlapp fühlt und glaubt ein moderates Krafttraining würde helfen – nochmal falsch gedacht!

Die Zerstörung der Zellen und des Blutes ist ca. eine Woche nach dem ersten Chemo-Tag in vollem Gange. Darum schadet unterdessen jegliche Art der Anstrengung in diesen Tagen mehr, als das es helfen würde. Somit lag ich ab Sonntag Nachmittag bis einschließlich gestern mit Schwächeanfall und leicht erhöhter Temperatur flach. Gerade mal in der Lage die Hunde-Runde im super Schneckentempo zu gehen, genießen Fido und ich trotzdem dieses wunderschöne Wetter und diese Blütenpracht in vollen Schnupperzügen. Slow life, Entschleunigung in allen Lebensbereichen! 🙂 Damit auch ich wieder etwas Farbe bekomme, erhielt ich heute das zweite Mal eine Bluttransfusion und es ist wirklich erstaunlich, wie schnell man sich nach einer Portion Frischblut wieder besser fühlt! Diese Sache ist und bleibt vermutlich komisch, aber wenn es hilft… und wie der Zufall es wollte, kam auch meine liebe Mandy in der Tagesklinik vorbei! Während andere Patienten schlafend ihre Infusionen bekamen, erzählten wir uns die aktuellsten Ereignisse und machten  auch gleich mit den Krankenschwestern ein gemeinsames Date für die nächste Woche aus.

Dabei kommt mir der Gedanke, wie oft wir uns gutes Vorsätze und Ziele vornehmen und wie wenig wir davon schaffen umzusetzen. Selbst als Patienten fällt es nicht leicht, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden, um neue Ziele zu verfolgen und vor allem zu erreichen. Wir straucheln, fallen manchmal hin und werfen dabei manch gute Idee über Bord. Dabei ist es wichtig nicht zu streng zu sich selber zu sein. Sich selbst gegenüber Verständnis zu haben, auch wenn es mal nicht so läuft, ist glaube ich schon die halbe Miete – so wird man zum Stehaufmädchen. 🙂

10.05.2018

Italienische Momente!

Niemals hätte ich gedacht, wieviel es emotional ausmachen kann nun in der zweiten Hälfte der Chemotherapie zu sein. Motiviert, den Blick nach vorne gerichtet, geht es mir während den Infusions-Tagen gefühlt sogar besser als in der Woche darauf – das Kortison lässt grüßen. 😉 MeinTatendrang, meine offensive Art und mein Mitteilungsbedürfnis lassen mich mit der Unterstützung des Medikamentes wohl manchmal etwas überdreht erscheinen.

So kam es, dass bei einem wirklich netten Abendessen mit mehr oder weniger bekannten Leuten, die Überraschung schon groß war, als ich die Einladung angenommen hatte. Ich liebe italienisches Essen – also warum nicht! Der Laden war voll und durch die vergangenen, wunderschönen und sonnigen Tage ordentlich auf Temperatur gebracht. Was zur Folge hatte, dass mich diversen Hitzewallungen während des abends jedesmal kurz vor’s „blankziehen“ brachten. Doch mir viel auf, dass es Menschen gibt, die mit der Information „Krebs“ in direktem Zusammenhang mit meiner Art und Weise damit umzugehen, etwas überfordert sein können. Was mich letztlich davon abgehalten hat, mir das Tuch vom Kopf zu reissen… 😉

Der Umgang mit einer neuen, unbekannten Situation ist nunmal so unterschiedlich, wie der Mensch selbst und manchmal braucht es einfach ein wenig Zeit die Gedanken und Dinge zu sortieren. So habe ich mich zwischenzeitlich auch wieder dem Buch von Émile Coué „Autosuggestion“, die Kunst der positiven Selbstbeeinflussung durch mentales Training, angenommen. Nachdem ich anfangs Bedenken hatte, dass meine Ängste mein Unterbewusstsein negativ beeinflussen und mir dadurch eher schaden könnten, legte ich es für einige Wochen zur Seite. Ja, das mag etwas paranoid klingen aber hey, es wird nicht langweilig. 🙂 Und nun, in der zweiten Hälfte der Therapie angekommen, möchte ich meinem neuen Weg mit neuen Ideen, Werten und Prioritäten wieder etwas mehr Richtung geben und da fiel mir dieses kleine Buch wieder in die Hände. Kleine „Aha-Erlebnisse“ lassen mich heute während des Lesens verstehen, erkennen und entspannen.

Die kleine Skeptikerin in mir ist manchmal noch da, doch das wichtigste dabei ist, bereit zu sein umzudrehen, wenn wir erkennen, dass es irgendwo nicht weiter geht.

05.05.2018

Sonne und ein leerer Kühlschrank!
Mal motiviert und gut gelaunt, hüllt mich gleich am nächsten Tag ein merkwürdig, schweres Gefühl ein, welches mir meine Fröhlichkeit nimmt und es mir schwer macht, mich wohl zu fühlen. Woran es liegt weiß ich nicht, ich verstehe es nicht und frage mich, „warum? Wo ist denn die Leichtigkeit von gestern hin?“
Ich stecke noch immer in der Mid-Chemo-Crisis!
Der fünfte Zyklus startet nun, verspätet durch den kleinen Infekt, morgen Vormittag. Die Hälfte ist geschafft, eine Hälfte habe ich noch vor mir – doch so „einfach“ wie ich die ersten vier Chemo’s weggesteckt habe, wird es in den kommenden vier Therapien wohl nicht mehr werden. Mein Körper ist geschwächt, ist ja normal und darum versteckt sich auch die Motivation gerne mal unter einer Decke.. 😉
Ich versuche diese Schwere abzuschütteln und mich durch Beschäftigung und Ablenkung am Ball zu halten, denn das ist genauso wichtig wie Sport, Ernährung und Entspannung.
Vergangenen Freitag stand also wieder die Antikörpertherapie auf dem Plan. Sollten erst die Entzündungswerte im Labor getestet werden müssen, konnte ich mich auf einen Aufenthalt von mindesten fünf Stunden vorbereiten… Also packte ich mir extra zwei Bücher in die Tasche, neben meiner Trinkflasche, dem Frühstück und einem Snack für zwischendurch.
Es war ruhig in der Tagesklinik und für einen Freitag wirklich wenig los. Nur noch eine weitere Patientin war zur Behandlung da. Während die Krankenschwester die Infusion an meinen Port anschloß, unterhielten wir uns noch ein wenig über ihren Urlaub, mein Blutbild und wie lange ich die zusätzlichen Antibiotika noch nehmen sollte.
Kaum lief die Infusion, merkte bereits nach wenigen Minuten wie meine Augen schwer werden. Unfähig auch nur eine Zeile während des gesamten Aufenthaltes zu lesen, ließen mich die „rosa Elefanten“ in eine Art Wachkoma gleiten, dessen Wirkung ich auch noch den ganzen restlichen Tag spürte. An der Stelle, an der ich früher geschrieben, gelesen, gepostet und kommentiert habe, ist heute Funkstille.
Selbst am nächsten Tag fühle ich mich noch etwas  matschig, aber die Sonne und der leere Kühlschrank treiben mich an, einkaufen zu gehen. Geschminkt aber ohne Kopfbedeckung geht es zu REWE um die Ecke. Schon während ich über den Parkplatz zum Eingang gehe, sehe und spüre ich die Blicke, die mich nicht stören, aber auf den fragenden Gedanken bringen, ob das immer „ein wenig komisch“ bleiben würde?
Kurz vor der Kasse spricht mich dann eine mir bekannte Verkäuferin an: „Ich möchte ihnen nur sagen, dass ich sie bewundere für ihren Mut und dass sie das so durchziehen. Vor acht Jahren machte ich ebenfalls eine Chemotherapie durch. Selbst mit Perücke oder Kopftuch fühlte ich mich immer schrecklich und ich hätte nie die Kraft gehabt, mich so zu zeigen.“
Es ist ein tolles Gefühl, wenn man auf diese Weise jemanden aus seinem beinahe täglichen Umfeld etwas besser kennen lernt! Vor allem freue ich mich darüber, dass es ihr heute, acht Jahre nach der Chemotherapie,  wieder gut geht – dass macht nämlich Mut!

02.05.2018

Verabredung mit der Absage
Glücklicherweise geht es mir wieder deutlich besser und die Blutabnahme heute morgen zeigt ein verbessertes Blutbild – Entzündungswerte sinkend und Thrombozyten steigend! So kann es dann vermutlich am kommenden Freitag mit einem weiteren „Date gegen den Krebs“ weiter gehen.
Froh und erleichtert würde ich mich so gerne mit einigen Freund/innen und Bekannten verabreden. Doch leider muss ich oft kurzfristig absagen, weil ein Krankenhaus- oder Arzttermin dazwischen kommt oder mein Körper einfach sagt: „Leg dich besser hin, du musst die noch übrig gebliebenen Kräfte einteilen.“ Denn neben den beinahe täglichen Besuchen in der Tagesklinik, den Gassi-Runden mit Fido, das Einkaufen zwischendurch, dem wenig Saubermachen im Haushalt und dem Kochen sind da noch meine beliebten Formulare und Telefonate mit Versicherungen und Behörden zu erledigen.
Viel mehr ist nicht zu schaffen, denn Gesundheit und Familie geht vor!
Dann genieße ich unser Zuhause und mache mir dabei gerne mal Gedanken darüber, was als nächstes mal „einen neuen Anstrich oder eine Umgestaltung“ gebrauchen könnte…
Das „Ach du Sch…“ der Männerwelt da draußen kann ich in diesem Augenblick beinahe hören und die verzweifelten Blicke dazu förmlich sehen! 🙂
Ja, wir Frauen-“Zimmer“ denken gerne darüber nach unser Nest, unsere Höhle, unseren Rückzugsort zu optimieren und nach den aktuellen Bedürfnissen schöner zu machen. Ziel dabei ist es immer, aus dem Zuhause einen Ort der Freude, Harmonie und der Entspannung zu machen! Hier könnt ihr doch eure Wunden des Alltages pflegen – oder vermutlich pflegen lassen…
Also heult leise und erzählt mir nicht, dass ihr das nicht auch ein wenig genießt und zu schätzen wißt. 😄
Ist doch wahr! Gerade heutzutage, wo die meisten Frauen auch „jagen“ gehen (also einen normalen Job haben), ist es doch wichtig, dass auch die Männer sich in den Kampf gegen diese kleinen, fiesen Monster wie Dreck, Staub und Kalk wagen! Dann geht das mit der Umgestaltung zwischendurch auch viel schneller!
Nicht böse sein liebe Männerwelt, ist wirklich nur Spaß!