Du, 2018

„Du, 2018“ erzählst von dem Moment, welcher im Guten wie im Schlechten in meinem Leben alles veränderte. Von dem Ereignis, das auf einmal alles verschoben und meinem Leben plötzlich eine völlig andere Richtung gegeben hat.

„Du, 2018“ hast für einigen Trubel in meinem Leben gesorgt! Im Februar hast du mich eiskalt erwischt, um mich mit einer Krebserkrankung in den Frühling zu begleiten. Da, wo nun überall langsam neues Leben entstand, musste ich erstmal Blätter lassen. Denn nur so gab es eine Hoffnung auf das Morgen. Später in diesem wunderschönen, nicht enden wollenden Sommer wurde ich Runde für Runde schwächer, bis die ersten Regentropfen ankündigten, dass es nun Zeit zur Regeneration war. Wie nach einem warmen Sommerregen gewann ich ganz langsam wieder an Energie und Kraft. Begleitet von wenigen Gewitterstürmen, die mich durchschüttelten, geht es nun weiter vorwärts in eine geklärte und hoffnungsvolle Zukunft.

Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens, für meine Familie und mich. Doch das Wichtigste – ich lebe! Der Preis dafür war hoch, hat sich aber in jeder Hinsicht gelohnt.

„Du, 2018“ hast viel genommen und gegeben. Du hast mich in der Schule des Lebens gelehrt, die Dinge anzunehmen, die das Schicksal für mich bereithält und das Beste daraus zu machen. Dankbar zu sein für die Liebe und die Zeit, die ich noch hier sein darf!

Wir werden krank, werden verletzt und treffen manchmal falsche Entscheidungen. Wir leiden und lieben, verlieren manchmal den Boden unter unseren Füßen und finden dann irgendwann neue Wege, die uns weiterbringen. Dabei dürfen wir nur eines nie vergessen: das Schönste, was wir erleben können, ist die Liebe. Die Liebe zum Leben, zu sich selbst, zu den Dingen, die wir tun und die Liebe zu einem anderen Lebewesen!

„Du, 2018“ neigst dich nun dem Ende zu und treibst deine Geschichten, Schicksale und Ereignisse, wie eine Welle langsam auf das offene Meer, in die Ewigkeit hinaus. Dabei sitze ich hier, schaue dir nach und bin von Dank erfüllt für die lieben Menschen in meinem Leben, die mir in stürmischen Zeiten beigestanden und mich aufgefangen haben. Auch wenn der innerer Kompass manchmal noch nicht ganz zu funktionieren scheint, lasst uns den Augenblick genießen, denn „Du, 2018“ bist der Augenblick und somit das Leben.

19.12.2018

Ein ein besonderer Tag und ein weiteres Ereignis, auf das ich mich seit Wochen freue, steht heute an. Es ist wie eine kleine Reise in die Vergangenheit, wobei ich dort angekommen, die meisten Menschen nicht kenne und die mir damals so Vertrauten in der Zwischenzeit leider etwas fremd geworden sind.
Hier an diesem Ereignis geht es um die erfolgreiche Arbeit von vor ein paar Jahren und das lässt mich ein wenig wehmütig, stolz, aber auch nachdenklich werden. Wir identifizieren uns oft mit dem, was wir im Job leisten und natürlich mit dem, was wir dafür erhalten. Manche verwirklichen sich dabei, gehen in ihrer Arbeit auf und leben beinahe für die Arbeit. Diese Gedanken verunsichern mich und ich stelle fest, dass es um Beruf, Berufung und Familie auf eine gesunde Art und Weise unter einen Hut zu bringen, den Blick für das richtige Maß, für die wichtigen Dinge im Leben und eine gestandene Persönlichkeit braucht. Dieses hohe Gut hat auf jeden Fall der Mann, der gestern im Hamburger Rathaus das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat. Mein ehemaliger Chef, Prof. Norbert Aust. Zehn Jahre konnten wir mit der Gründung der Musiktheaterschule Hamburg School of Entertainment kreativ, schaffend und bildend tätig sein. Auch als Vorgesetzter hatte er doch immer etwas väterliches und hielt die Fäden in der Hand, ohne sein Team an der kurzen Leine zu führen. Ließ auf diese Weise Raum Dinge entstehen zu lassen und nahm dabei die Angst vor dem Unbekannten. Ich glaube ein besseres Rezept für Erfolg gibt es nicht!

Ein früherer Schicksalsschlag hält ihn und seine Familie wie ein unsichtbares Band mit Respekt, Demut, Lebensfreude und Liebe zusammen und auch heute, wo die Kinder schon Erwachsene sind, hat man das Gefühl, dass es nichts auf dieser Welt gibt was daran etwas ändern könnte.
Mit seinen Ideen und Visionen hat er so viel für die Hamburger Kultur und Touristik erreicht und lässt nun alle, die ihm bei seinen Projekten begleiteten haben und wichtig sind, hier an dieser Verleihung des Bundesverdienstkreuzes teilhaben. Weil wie er sagt, „jedem von uns mindestens eine Ecke davon gehört“. Ganz und gar nicht regelkonform überreicht der Kultursenator im Raum neben dem großen Saal des Rathauses Norbert Aust diese anerkennende Auszeichnung. Normalerweise findet diese Veranstaltung in Berlin statt und falls doch mal in Hamburg, dann gemäß Protokoll im kleinen Rittersaal mit entsprechend angepasster, maximaler Anzahl an Gästen. Dass es auch mal ganz anders geht, sehen wir heute. Doch das funktioniert vermutlich nur, wenn man Norbert Aust heißt und die persönlichen Werte wichtiger sind, als sich protokollkonform zu geben. Das lässt er auch in seiner Dankesrede jeden spüren, vor allem seine geliebte Familie. Spontan fällt mir die Weisheit „neben jedem erfolgreichen Mann, steht eine starke Frau“ ein – ja, ich meine NEBEN und es gibt wohl wenige Paare bei denen das so zutrifft, wie bei den beiden!

Beeindruckt von den großartigen Räumlichkeiten des Restaurants „Parlament“, welches im Keller des Rathauses ist, genießen wir bei dem anschließenden Mittagessen eine tolle Atmosphäre, schöne Erinnerungen und die Tatsache, an einem besonderen Tag mit besonderen Menschen zusammen zu sein.

17.12.2018

Alle Jahre wieder!

Jetzt sind sie da, die letzten Tage vor dem großen Fest und von diesem Jahr! Die Kälte und die Dunkelheit stören kaum, denn die vielen Lichter strahlen um die Wette und zaubern trotz des frösteligen Wetters ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit in uns hervor. Wir tauchen ein in eine glitzernde, fast heile Welt die voller Liebe und Freude zu sein scheint. Bei der einen oder anderen Einladung genießen wir das tolle Essen und stoßen mit Freunden und Kollegen auf das Leben an. Soviel Glück ist kaum zu fassen und doch ist vielen von uns manchmal das Herz schwer. Nicht weil wir unglücklich oder krank sind, nicht weil wir keine Millionen auf dem Konto haben oder stolze Besitzer einer phänomenalen Villa sind. Nein, wir wissen, das vieles auf unserer Erde, in unserer Gesellschaft und mit unseren Mitmenschen bedrückend schief läuft – wir haben Mitgefühl und eine beinahe lähmende Befürchtung, dass wir alleine doch nichts tun können. Aber das stimmt nicht und ist ehrlich gesagt eine faule Ausrede!
„Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen. Und wenn ein paar Kinder auf der ganzen Welt Schlagzeilen machen können, indem sie einfach nicht zur Schule gehen, dann stellt euch vor was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn wir es wirklich wollen würden.“ Das sind die Worte der 15-jährigen Klimaaktivistin Greta aus Schweden, mit denen sie ihre mutige Rede beim Weltklimagipfel begonnen hat! Eigentlich wissen wir, dass wenn jeder nur eine Kleinigkeit verändert, wir zusammen alles bewegen könnten, wenn wir es wirklich wollen…
Diese Rede von diesem Mädchen ist nicht nur berührend und inspirierend, es ist schlicht die manchmal unbequeme Wahrheit. Wir können so viel tun, dass es uns, unseren Mitmenschen und unserem Planeten besser geht. Lasst uns den Müll aufheben, statt daran vorbei zu gehen. Lasst uns einmal im Monat im Altersheim vorlesen, lasst uns aus Tierliebe weniger Fleisch essen und Lebensmittel ohne überflüssige Verpackung kaufen. Lasst uns für einen guten Zweck spenden und/oder politisch aktiv werden, um Zeichen zu setzen. Denn „die echte Macht liegt bei den Menschen“ und nicht bei der Politik!

Glücklicher können wir doch nicht sein, als mit dem Wissen unser Bestes dafür getan zu haben, dass unsere Kinder zu guten Menschen mit Rückgrat und der notwendigen Kraft heranwachsen, Dinge zu verändern und alles erreichen zu können, was sie sich vorstellen. Und so können wir wirklich alle Jahre wieder ein fröhliches Weihnachtsfest feiern, ohne dass uns das Herz zwischendurch schwer werden muss.

07.12.2018

Freier Fall

Dass ich meine Mama zu ihrem 80. Geburtstag in die Arme schließen kann, ist einfach ein wunderbares Geschenk, sowohl für sie wie für mich! 🙂 Es ist so schön, wieder bei meiner schweizer Familie zu sein und den einen oder anderen alten Bekannten aus der Kinder- und Jugendzeit wieder zu treffen. Für mich hat sich in dieser Umgebung nicht wirklich viel verändert, auch wenn sicherlich viele Einheimische das etwas anders sehen. Natürlich sind viel mehr Menschen, Häuser, Geschäfte und Straßen dazugekommen, doch ein paar Traditionen aus diesem alten Dorfleben werden noch immer gelebt. Da treffen sich zum Tischfussball-Turnier die Alten (das sind wir) ;-), wie die Jungen und es spielen das „Säntisfäger 2.0“-Team gegen Team „Chef noch 2 Bier“ oder „Madonnas Dickdarm“! Beinahe jeder kennt jeden und gemeinsam verbringt man den ganzen Tag bis in den Abend hinein. Dass es dabei ab späterer Stunden auch etwas feuchtfröhlicher zugeht, ist fast normal. Sollte jemand dann doch etwas zu tief ins Glas geschaut haben und versehentlich ein Nickerchen auf dem Klo machen, verlieren die Anderen ihn nicht aus den Augen und es wird dafür gesorgt, dass er gut nach Hause kommt. Es ist eine kleine Welt, in der bestimmt nicht alles in Ordnung ist, aber dieses Gefühl von Zusammenhalt kenne ich nur von dort aus dem Dorf.

Als ich kurz vor meiner Abreise noch Schweizer Franken am Geldautomaten ziehen möchte, erklärt mir dieser kurz „Transaktion nicht möglich“. Da fällt mir es mir ein, „ich habe vergessen die Karte für´s Ausland freischalten zu lassen“. Doch ein kleines, ungutes Gefühl lässt mich fragen, ob es wirklich nur daran liegt? Die wenigen Tage in Zürich vergehen wie im Fluge und zurück zu Hause will der Kühlschrank gleich gefüllt werden. Joshua begleitet mich zum Einkaufen und als ich mit der EC-Karte bezahlen möchte, wird es ein wenig unangenehm. Wieder kommt die Information „Transaktion nicht möglich“ und auch nach dem zweiten Versuch kann ich nicht bezahlen. Joshua schaut mich fragend an, doch glücklicher Weise habe ich gerade noch genügend Bargeld in der Tasche. So schnell wie möglich gehe ich meiner Konto-Frage nach und da leuchtet mir ein dickes, fettes Minus rot entgegen. Bei genauem Nachsehen stelle ich fest, dass die BU-Versicherung nicht bezahlt hat. Kein Schreiben, keine Email, kein Anruf hat mich im Vorfeld darüber informiert! Es ist schon abends, also sende ich schweißgebadet eine kurze Email – es reicht nämlich schon ein Gedanke um die nächste Hitzewallung auszulösen.  Nach einer unruhigen Nacht versuche ich gleich am nächsten Tag bei der Versicherung jemanden telefonisch zu erreichen. Erstaunt, dass ich bereits nach dem zweiten Versuch erfolgreich bin, höre ich wie die wirklich nette Mitarbeiterin mich darüber informiert, dass die Versicherung ihre Entscheidung meinem Antrag auf Leistungen stattzugeben nun doch aufgrund neuer Informationen widerruft.  Mit etwas Glück muss ich aber die bisher erhaltende Rente nicht zurückbezahlen. „What the f…“, das hat gesessen! Ich fühle mich, als ob mich gerade ein Trecker überfahren hat. Am anderen Ende der Leitung entschuldigt sich die Mitarbeiterin noch für das fehlende Informationsschreiben und wünscht mir weiterhin alles Gute… überrollt liege ich platt auf dem Boden und kämpfe mit den Tränen. Es war doch alles geklärt und ich war so erleichtert und froh, dass ich mich an diesem Strohalm erstmal festhalten konnte und das zu erhalten, was das Ziel beim Abschluss der Versicherung war.  Eine Unterstützung, um wieder auf die Beine zu kommen. Geschockt und weinend schau ich auf die Uhr, da fällt es mir ein: In gut einer Stunde kommt die Fotografin, die mich für die Zeitschrift „Frau im Leben“ portraitieren soll. Also schiebe ich diesen Tiefschlag zur Seite – aufstehen, Kopf hoch, Krone richten und weiter geht´s!

Fido, Susi, Max und ich begrüßen Sabine, die Fotografin, die mit großem Gepäck unsere Wohnung betritt. Sie ist in meinem Alter und telefonisch hatten wir bereits Gemeinsamkeiten entdeckt. Zwei Katzen, ein Hund und Wechseljahr-Beschwerden. 😉 Neugierig wie unsere Vierbeiner sind, drängelt sich vor allem Susi schon bald in den Vordergrund. Bis auch sie – zusammen mit Fido und Max – sich vor der Linse präsentieren darf. Rampensau! 🙂 Sabine hat eine tolle Energie und schafft es mit ihrer angenehmen Art, dass ich (und augenscheinlich auch die Tiere) sich während den gut zwei Stunden Shooting rundum wohl fühlen. Am Ende erzählt Sabine über ihr Herzens Projekt www.magazine-me.de. Eine wirklich wunderschöne Idee und ein tolles Projekt, uns Frauen zu zeigen, dass wir alle so schön wie die Models in den Hochglanz-Magazinen sein können!

Etwas erschöpft holt mich am Abend die Geschichte mit der Versicherung wieder ein. Obwohl ich weiss, dass wir auch diese Situation wieder irgendwie schaffen werden und ich hoffentlich bald eine Arbeit finde, reißt mich das Geschehene in ein großes, emotionales Loch. Ich fühle mich wie gelähmt, hilflos und doppelt bestraft. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass es Menschen gibt, die ebenfalls plötzlich schwer erkranken, vielleicht kleine Kinder haben und dazu noch alleinerziehend sind, stellt sich mir die Frage, ob es denn ernsthaft nicht ausreicht, dass man gesundheitlich ums Überleben kämpfen muss?!? Müssen diese vom Schicksal getroffenen Menschen wirklich noch um jede Unterstützung kämpfen?!? Um so wichtiger, dass  Vereine, Gemeinschaften und andere, private Organisationen gemeinsam gegen Krebs kämpfen und erkrankten Menschen in Not helfen. Wir alle können krank werden, treffen mal falsche Entscheidungen, können uns irren und machen Fehler – weil wir Menschen sind! Und gerade jetzt zur Weihnachtszeit, gegen Ende eines vielleicht nicht ganz so leichten Jahres, haben wir Hoffnung; Hoffnung dass es besser wird, dass die Dinge sich zum Guten wenden, für uns und für die, die sich vielleicht nicht mehr selber helfen können. DANKE #deutschekrebshilfe, #dkms