Geduld mit der Ungeduld

Angespannt, innerlich unruhig, gereizt und schnell genervt, an sich zweifelnd und manchmal lustlos in die Welt hinaus schauend – der Grund? Warten vor dem Lebensmittelgeschäft und an der Kasse, warten auf verzögerte Lieferungen, warten auf eine E-Mail und warten auf eine Projektentscheidung. Ich erwähnte es bereits in früheren Beiträgen, Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken! Bislang habe ich mich aber offensichtlich ganz gut um diese, bei mir nicht so ausgeprägte Tugend,  gemogelt. Doch seit Corona‘s Auftauchen in meinem Leben, führt sie mir diese Schwachstelle immer häufiger vor.

Einerseits dankbar für das Home Office, fühle ich mich anderseits in dem Film “Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray und Andie McDowell, mit gefangen. Beinahe jeder Tag gleicht dem anderen: aufstehen, Tee trinken, fertig machen, Gassi Runde, Rechner starten, arbeiten, Mittagessen, Gassi Runde, nochmal arbeiten, evtl. einkaufen, etwas Haushalt, Abendessen und so weiter und so fort. Niemals hätte ich gedacht, dass selbst der sonst nervige Arbeitsweg von beinahe zwei Stunden Autofahrt pro Tag eine Art Unterhaltung war. Es geschah nämlich Unabsehbares. Die zusätzlich fehlenden kleinen Abwechslungen, wie sich mit lieben Freunden zu verabreden, Kurse besuchen und ins Restaurant gehen, machen die Sache nicht gerade leichter.

Haben wir verlernt geduldig zu sein? Im Zeitalter von Google und Amazon ist das Meiste nur ein Mausklick weit entfernt. Jedes Lebensmittel steht zu jeder Jahreszeit vierundzwanzig-sieben zu Verfügung und ständig in Eile zu sein gehört zu einem gefragten Image. Mit Corona hat sich viel verändert. Natürlich ist mir klar, dass wenn etwas gut werden soll, wir geduldig sein müssen und langsam begreife ich, dass ich mich mit der Ungeduld auseinandersetzen muss…

„Herr, schenk mir Geduld – bitte sofort“, schießt es mir durch den Kopf. Toll, fängt ja gut an, aber alle Dinge sind eben schwierig bevor sie einfach werden. Also, wie lernen wir geduldig zu sein?

Das Erste was ich lerne ist: akzeptiere deine Ungeduld und ärgere dich nicht darüber. Nur so lernst du gelassener mit der Ungeduld umzugehen, denn niemand ist nur geduldig oder ungeduldig.

Als Zweites: wenn du spürst, dass der Druck wächst, überprüfe ob die aufsteigende Ungeduld auf die aktuelle Situation positiv einwirken, oder ob du diese ungewollte Lage überhaupt beeinflussen kannst. Bei der Erkenntnis, dass dem nicht so ist, finde dich damit ab, dass die Dinge nicht vollständig in deinen Händen liegen.

Drittens: mach was positives aus der gewonnene Zeit, zum Beispiel während dem warten. Achte mal auf deine Atmung und spüre beim ausatmen, wie dein Kiefer sich entspannt und das Gewicht deiner Schultern angenehm nach unten zieht.  Neben der Entspannung gibt es noch viele Möglichkeiten diese Zeit gut für sich zu nutzen. Gedächtnis- und Muskeltraining, Notizen für den nächsten Urlaub oder ein kleiner Spaziergang durch die Straßen, wenn es in einem Projekt mal nicht wie gewollt weiter geht. Konfuzius sagte, “ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“

Dennoch glaube ich, heißt geduldig sein nicht ständig abzuwarten und zu hoffen, dass die Dinge sich von alleine klären. Auch wenn es wirklich sinnvoll ist geduldig und gelassen zu sein, sollte es nicht dazu führen freiwillig länger in einem unangenehmen Zustand zu verharren. Wir tun sicher gut damit das Leben zu nehmen wie es daher kommt, aber auch dafür zu sorgen, für sich das Beste daraus zu machen.😊

Zwanzigzwanzig, du Drama Queen

Zwanzigzwanzig scheint ein echtes Drama Queen-Jahr zu sein. Spielt sich von Anfang an auf, um die gesamte Aufmerksamkeit zu erhalten. Kaum war der Sylvesterrummel vorbei, ging es gleich in den ersten Tagen des neuen Jahres mit der Notoperation unseres Pubertieres los. Dann zur Erholung kaum auf Madeira angekommen, wackelt am ersten Abend des Urlaubes die Erde wie noch nie zuvor. Eine glatte 5,2 auf der Richterskala und das für beinahe zwanzig Sekunden. Ein sehr unangenehmes Gefühl im siebten Stockwerk eines Hotels, unmittelbar an der Küste, wenn man die allgemeinen Verhaltensregeln beherzigen möchte:
  • Sich nach Möglichkeit ins Freie begeben. „Puh, langer Weg.“
  • Auf gar keinen Fall Fahrstuhl und Treppenhäuser benutzen. „Gibt es hier irgendwo ein Fallschirm?“
  • Sich auf einer freien und nicht bebauten Fläche aufhalten. „Ok, der Platz vor der Hotelanlage, mit dem angrenzenden Park scheint geeignet.“
  • Aber niemals in direkter Nähe des Meeres, auf Grund der Tsunami Gefahr. „Also, wir sind sowas von am Arsch!“
Wir haben uns dann für den stabilen Tisch entschieden, sollten die angekündigten Nachbeben so stark sein, dass wir Schutz benötigen.
Es blieb ruhig und wir haben uns gerade noch rechtzeitig auf den Heimweg gemacht, bevor die Grenzen geschlossen wurden. Corona oder das C-19 Virus legt von nun an alles lahm, leider auch den gesunden Menschenverstand. Hamsterkäufe wohin man schaut. Egal ob ältere und damit gefährdete Menschen, die weder die notwendige Rente noch die Kraft dafür aufbringen haltbare Lebensmittel und dutzende Toilettenpapier-Packungen nach Hause zu schleppen, dann vor leeren Regalen stehen. Absurd wird es, als gestern egoistische Ignoranten so tun, als wäre die behördliche Empfehlung, zu Hause zu bleiben als bezahlter Urlaub anzusehen und als Gipfel des Ganzen noch Corona-Partys veranstalten. Gleichzeitig sterben in Italien 793 Menschen an einem einzigen Tag.
Zwanzigzwanzig, du hast dir wohl ganz große Ziele gesetzt. Willst vermutlich selbst dem letzten Idioten mit toupetartiger Friese und bornierter Fresse klarmachen, dass jetzt Schluss ist mit dem ganzen Überfluss, ohne Rücksicht auf Verluste. Chapeau, dass nenn ich mal ne Ansage!
Ich für meinen Teil fühle mich an meine Zeit von vor zwei Jahren erinnert. Als der Krebs kam und meine kleine Welt stillzustehen schien. Denn seit ich wieder arbeite und in das Leben der Gesunden integriert bin, vermisse ich manchmal die Momente, an denen ich noch für alles, was ich tat, genügen Zeit hatte – vor allem zum Träumen. Ich erkenne, wie es vielen Menschen durch die aktuelle Lage sehr ähnlich geht, wie damals mir. Alles wird auf einen Schlag anders, als es vorher war und ich kann aus Erfahrung sagen, „nehmt das Schicksal an wie es ist, lebt einfach und macht das Beste draus. Genießt die Zeit mit euren Lieben so gut ihr halt könnt. Seit mitfühlend, hilfsbereit und vor allem vorsichtig.“
Du, Zwanzigzwanzig bist schon recht auffällig, nicht nur durch deinen Namen. Du bringst das Leben der Menschen ganz schön durcheinander und glaube mir, dich wird man so schnell nicht vergessen. Auch die Natur und die Tierwelt nicht. Denn die atmen erstmal tief durch und erholen sich ein wenig vom täglichen Geben.

Lasst es uns genauso tun. Bleibt zu Hause und bleibt gesund!

Woran man sich so die Zähne ausbeißen kann.

Die aktuelle Situation von Selbständigen und Freiberufler/Innen erinnert mich stark an meine Zeit vor genau zwei Jahren, als ich mit der Diagnose Krebs von jetzt auf sofort arbeitsunfähig wurde. Gerade mal dreizehn Monate als selbständige Hundefriseurin, gab es für mich kein soziales Sicherheitsnetz. Keine Einnahmen, kein Arbeitslosengeld und kein Krankentagegeld, nichts. Eine schreckliche Situation und ich hoffe sehr, dass es nun in Zeiten von Corona für die, die es benötigen, eine staatliche Unterstützung geben wird. Damals hatte ich mir bei den Behörden und Ämter die Zähne ausgebissen.

Die aktuelle Sache mit meinen Zähnen ist nun wohl eine der klassisch gesetzlich Versicherten. Nachdem die Krone oder vielmehr der darunter liegende Zahnsockel am Tag der deutschen Einheit (2019) abgebrochen war, hat der zahnärztliche Notdienst diesen irgendwie wieder befestigt. Allerdings mit der Zusatzinformation, dass das nicht lange halten würde und der Arzt aus diesem Grunde dafür nichts berechnen wollte – ja, auch ich dachte erst, ich hätte mich verhört.  😉 Durch die vorwiegend sehr weichgekochte Nahrung, hielt die Krone gut zehn Tage –  leider nicht lange genug, denn bis zu meinem Zahnarzttermin dauerte es noch. Demnach besuchte ich pünktlich zum Wochenende  erneut den zahnärztlichen Bereitschaftsdienst.

Endlich bei meiner Zahnärztin, wies sie mich darauf hin, dass der Rest des Zahnes inklusive Wurzel entfernt werden müsste und ich dazu einen Termin bei der Kieferchirurgin benötigen würde. „Na dann hoffe ich, dass ich da zeitnah hin kann. Es ist extrem unangenehm, wenn einem ständig die Angst im Nacken sitzt, eventuell gleich mit Zahnlücke herum zu laufen.“ Sie zeigte Verständnis und lies gleich den Heil- und Kostenplan für eine Prothese erstellen, womit ich noch am gleichen Tag zur Krankenkasse fuhr, um diesen genehmigen zu lassen. Damit konnte die Prothese (Zahnspange mit einem Zahnersatz), immerhin zeitnah erstellt werden.

Beim Anruf bei der Kieferchirurgie informierte man mich, dass immer erst ein Beratungstermin stattfinden würde, bevor irgendetwas unternommen werden kann. Also machte ich einen Termin für die folgende Woche aus und betete, dass die Krone so lange halten würde, bis die Prothese abholbereit ist. Und tatsächlich, pünktlich zum Beratungstermin ist der vorübergehender Zahnersatz fertig und die angeklebte Krone wackelig aber noch drin.

Während sich die Ärztin die Röntgenbilder ansah, kam das Gespräch auf meine Krebserkrankung, woraufhin die Ärztin mir von einem Implantat abriet, da ihr die Gefahr eines Rezidivs zu groß erschien. „Ähm, soll ich etwa noch über drei Jahre warten, bis von einer Heilung ausgegangen werden kann?“ Sie erwähnte, dass es noch andere Möglichkeiten gäbe, sie ihren Bericht meiner Zahnärztin zukommen lassen würde und ich alles Weitere dort besprechen sollte. Etwas frustriert setzte ich zu Hause vorsichtig die Prothese ein und stelle fest, dass sie nicht optimal passte… Also vereinbare ich, nun echt genervt, wieder einen Termin bei meiner Zahnärztin.

Natürlich dauerte auch dass wieder einige Tage und als ich endlich auf dem Behandlungsstuhl saß, stellte meine Zahnärztin mit Schrecken fest, dass der Rest des Zahnes mit Wurzel noch immer nicht entfernt wurde. Sie erklärte mir dass dies der Grund dafür sei, warum die Prothese nicht richtig passte. „Sie müssen doch schließlich wissen, dass die Kieferchirurgin, mit der sie zusammen arbeiten, grundsätzlich erst Beratungstermine vereinbart und dass die Praxis über Wochen, fast Monate ausgebucht ist. Ein Termin zum Zahnziehen erhalte ich dort frühestens im Neuen Jahr.“ Ihr Hinweis einer möglichen Entzündung der Wurzel verbesserte weder meinen Gemütszustand noch meine aktuelle Situation und brachte mein Fass leicht zum überlaufen. Unter Tränen konnte ich mich erstmal nur auf die Warteliste der Kieferchirurgin setzten lassen.

Es war bereits kurz vor Weihnachten und ich saß noch immer mit meiner nicht passenden Prothese bei der Arbeit, als es während dem Mittagessen in meinem Mund leicht knackte. „Bitte sag jetzt nicht, dass die Prothese kaputt gegangen ist“, schoss es mir durch den Kopf und nun traute ich mich nicht einmal die Prothese anzusehen, um zu überprüfen, ob sie noch heil war.

Gleich zu Hause erkannte ich den Haarriss, der genau hinter dem falschen Zahn verlief. Geschockt, frustriert und wütend suchte sofort im Netz eine Praxis, bei der sowohl allgemeine Zahnmedizin als auch Zahnersatz und Profilaxe durchgeführt werden. Gut fünfzehn Minuten später hatte ich eine wirklich sehr hilfsbereite Zahnarzthelferin vom Quarree Dental in Wandsbek am Apparat, die mir ohne vorherige Beratung einen Termin zum Zahnziehen geben konnte. Den Anamnesebogen sowie die Röntgenbilder ließ ich der Praxis einfach per E-Mail zukommen. Dabei liegt die Praxis in der Nähe des Arbeitsplatzes UND hat an drei Tagen in der Woche bis neun Uhr abends geöffnet.

Bereits eine Woche später wurde mir der Rest des Zahnes inklusive Wurzel gezogen und ich konnte gleich im Anschluss in das nahegelegene zahntechnische Labor, die mit etwas Wartezeit die Prothese wieder reparierten. Der Zahntechniker war jedoch mit dem Sitz nicht ganz zufrieden, denn ich biss weiterhin auf die sensible Stelle der Prothese. Ich fragte nach einem Plan B damit, sollte dass noch einmal passieren, ich eine Notlösung zur Hand hätte. Er riet mir zu einer sehr feinen Beißschiene, in der ein kleiner Zahn mit eingearbeitet würde. Dies benötigt etwas Übung beim Sprechen, hat jedoch einen positiven Mehrwert für mich als Zähneknirscherin. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund zweihundert Euro. Dass war es mir wert, vor allem weil die Feiertage kurz bevor standen.

Beim vereinbarten Kontrolltermin wurde nun alles gründlich für eine langfristige Lösungsfindung gecheckt. Der Zahnarzt riet mir, aufgrund des tiefen Bisses, zuerst zu einem Zahnaufbau der hinteren Zähne, hinterher das Implantat für die abgebrochene Krone und für die schon stark abgenutzten Schneidezähne Einzelkronen. Ansonsten wäre es nur eine Frage der Zeit, bis ich durch den tiefen Biss und das Zähneknirschen, auch das Implantat kaputt beißen würde und der Zahnschmelz meiner Schneidezähne ist schon so abgetragen, dass die hinten bereits bräunlich sind. 😳

Gesagt, getan. Den Kosten- und Heilplan für die Krankenkasse erhielt ich Anfang Januar. Dass die Kasse ein Gutachten einfordern würde, davon gingen wir alle aus und erschwerend kam dazu, dass ich die Krankenkasse zum ersten Februar diesen Jahres gewechselt hatte. Das alles benötigte wieder viel Zeit und noch viel mehr Geduld. Bis nun, kurz vor unserm Urlaub die Bestätigung für die Kostenübernahme ins Haus flatterte und ich morgen die Operation zur Setzung des Implantates antrete. Erst nach ungefähr drei Monaten kann der eigentliche Zahnersatz befestigt werden. In der Zwischenzeit werden die anderen Baustellen bearbeitet.

Umso wichtiger war es kurz davor die drei monats Routine mit MRT und CT durchzuführen. Die Besprechung der Ergebnisse habe ich zwar erst Übermorgen aber da ich noch nichts von meiner Onkologin gehört habe, wird schon alles in Ordnung sein – no News are good News!

Der Schein ist die Eigentichkeit vieler Menschen

Wenn der eigene Körper nie was zu sagen hat, sondern wie selbstverständlich einfach funktionieren muss. Wenn wir ehrgeizig unserer Karriere und einem perfekten Äußeren hinterher jagen, wir uns nur wichtig fühlen, wenn wir immer busy sind, hat dass irgendwann Folgen.

Wir werden unzufrieden, spüren, dass uns etwas fehlt, aber auch dafür gibt es eine Lösung – Konsum. Wir versuchen uns glücklich zu futtern und shoppen was die Kreditkarte hergibt. Mit der anschließenden Erkenntnis, dass nach der kurzfristig Genugtuung die Unzufriedenheit geblieben ist.
Auch Meditation, Yoga und Selbstfindungs-Gruppen können gegen dieses frühzeitig eingeprägte Body-Shaming nicht helfen. Denn bei allem, was wir an Selbstoptimierung so unternehmen, bleibt es bei den Äußerlichkeiten.

Selbst wenn wir unseren Körper lange mies behandeln und nicht beachten, macht er das eine ganze Zeit lang mit. Er ist imstande sich ständig von den beträchtlichsten Strapazen zu erholen, trägt uns überall hin und lässt uns andere Menschen lieben.

Dafür sollten wir doch mal auf unseren Körper hören und ihm die Chance geben uns zu zeigen, was er braucht. Das einzige was wir dafür brauchen ist Zeit. Klar, passt das nicht in ein Leben auf der Überholspur, dafür wird uns wiederum oft genug vorgeführt, dass es schnellere, wenig aufwendigere Lösungen gibt: Fettabsaugen, Falten wegspritzen, Lippen auffüllen oder detoxen bis einem schwindelig wird. Aber macht es uns liebenswerter wenn ein Arsch wie der Andere aussieht?

Gönnen wir uns ein kleines Nickerchen zwischendurch, nehmen wir uns genügend Zeit lecker zu kochen, gehen wir einfach mal vor die Tür, machen einen Spaziergang und hören dem Gezwitscher der Vögel zu. Oder nehmen wir uns doch einfach mal Zeit nichts zu tun, anstelle auf Insta & Co. anderen unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

Ich bin mir sicher, dass wir uns so besser kennen und achten lernen. Wir weniger gestresst und glücklicher sind und wir dann diesen ganzen Quatsch mit Schönheitsoperationen sowie übermäßigen Konsum nicht mehr brauchen.
Denn gibt es etwas schöneres als eine “sich selbst bewusste“ Ausstrahlung?

In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Frauentag und weil dieses Thema längst nicht mehr nur Frauen betrifft hoffe ich, dass auch der eine oder andere Mann etwas für sich aus diesem Beitrag ziehen kann.

Wenn sich Kreise schließen.

Wer meine Geschichte kennt weiß, dass ich Anfang 2018 an Krebs erkrankt bin und mein hoffentlich erstes und letztes Jahr mit einem Non-Hodgkin-Lymphom niedergeschrieben habe.  Es war eine Zeit voller Emotionen, Erkenntnisse, Ängsten, Hoffnungen und Liebe, begleitet von großartigen Menschen die mich unterstützt und motiviert haben.

Darunter war und ist auch eine sehr gute Bekannte, eigentlich schon eher Freundin,  mit ihrer Briard Hündin Mimi.  Abwechselnd laden wir uns mit weiteren Freunden gerne mal zum Abendessen ein und helfen uns gegenseitig als Hundesitter oder Gassigeher aus.  Dass dies ab Ende des Jahres 2018 zunehmen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Aber leider verstarb der langjährige Lebenspartner meiner Freundin und Mimi war von da an  auch mal bei uns zu Hause zu Besuch. Ich kannte den Mann nicht, nur einmal, als ich Fido bei ihr abholte, begegneten wir uns kurz im Flur ihrer Wohnung.  Von unseren Spaziergängen mit den Hunden wusste ich, dass die beiden eine Fernbeziehung führten, er Musiker war, eine Wohnung in Berlin hatte und es leider schon lange nicht zum Besten um seine Gesundheit stand. Wenn uns durch Krankheit mit jedem Tag die Endlichkeit etwas deutlicher wird, suchen wir nach dem Weg, der uns zeigt, wie wir irgendwann ohne den geliebten Menschen weiter gehen können. Dennoch trifft es die Zurückgebliebenen wie ein Schock, wenn die Liebe das gemeinsame Leben verlässt.

Es ist der Kreislauf des Lebens und für die, die bleiben geht es einfach weiter. Weiter mit dem Schmerz der anfangs unerträglich scheint und oft mit der Herausforderung verbunden ist, auch für Andere da zu sein. Aber die Zuversicht lässt uns ahnen, dass es irgendwann besser wird. Nur sehr langsam – aber es wird besser. Denn so ist das Leben und wir versuchen es zu lieben, wie es ist.  Wir probieren so viele Momente des Lebens bewusst zu leben und schöne Augenblicke zu genießen. Auch so oft wie möglich ausgiebig und herzlich zu lachen. Vergessen sollten wir dabei nicht – wirklich freuen können wir uns nur, wenn wir auch mal traurig sind.

Auf den vielen Gassi Runden begleiteten meine Freundin und mich heute noch gute Gespräche, die wie Balsam für die Seele sind. Sie verarbeitet Schritt für Schritt ihren Verlust und ich meinen Krebs. Natürlich erzählte ich ihr, von meinem Herzensprojekt, meine Geschichte als Hörbuch zu veröffentlichen und dass die Hörbuchmanufaktur in Berlin Interesse daran hat es zu publizieren.

Als sie mich kürzlich fragte, ob ich Mimi zu mir nehmen könnte, da bald die lang geplante Gedenkfeier in Hamburg stattfinden sollte, sagte ich ihr natürlich zu. Die Feier fand am Sonntag statt und ich plante Mimi gegen zehn Uhr morgens zu uns nach Hause zu holen. Noch am Frühstückstisch checkte ich was auf Facebook so los ist und las in einem Post, dass die Hörbuchmanufaktur auch auf Instagram unter dem Account „diehoeragenten“ zu finden ist. Zwei Klicks später bin  ich Abonnentin.

Mimi ist mit ihren vierzehn Jahre eine sehr alte Hundedame, die sich nach einer gemütlichen Runde viel lieber wieder auf ihr eigenes Plätzchen nieder lassen möchte. Aus diesem Grunde brachte sie ihren Besuch bei uns mehr oder weiniger wie eine Pflichtübung hinter sich und legte auf dem Heimweg gleich das doppelte Tempo hin. 😉Erst in ihrem Reich angekommen war sie bereit etwas zu fressen und verkrümelte sich bald darauf in ihr Bettchen um sich von den ganzen Strapazen zu erholen. Als Frauchen gab ich meiner Freundin natürlich Bescheid, dass alles soweit ok sei und wünschte ihr noch eine schöne Gedenkfeier.

Zum Abend hin war ich nochmal online und las den ersten Instagram Beitrag von „diehoeragenten: „Danke an alle, die bei der Gedenkfeier in Hamburg dabei waren….“

„War das etwa DIE Gedenkfeier?“ Schießt es mir durch den Kopf. Und tatsächlich, erzählte mir meine Freundin am Telefon, dass bei der Feier eine sehr nette Frau von der Hörbuchmanufaktur in Berlin war. Ihr Lebensgefährte arbeitete zufälliger Weise mit dem Hörbuchverlag an gemeinsamen Projekten und die nette Frau ist auch diejenige, mit der ich einen herzlichen Kontakt betreffend meiner Hörbuchideen pflege.

Manchmal scheint die Welt unendlich, vermutlich weil sie rund ist und genau darum fühlt es sich so gut an, wenn ein Kreis sich schließt.

Böse Ladys und gute Jungs?

Kürzlich im Gespräch mit meiner Freundin und meinem bald siebzehn jährigen Sohn erfahre ich, dass die jungen Frauen dieser Generation (wie wohl bei allen Generationen davor), sich viel eher auf die “bösen Jungs“ einlassen, als sich für die Guten zu interessieren. Die Benennung dieser Jungs macht den Unterschied deutlich: die Unkorrekten nennt man fuck boys –  und die Netten gar nicht.
Warum suchen sich Mädchen gerne die „bösen Jungs“ aus?
Nicht weil sie verarscht werden wollen – wer will das schon. Nein, weil sie es als ihre persönliche Challenge sehen und hoffen den meist beliebten, bad Boy mit ihrer umwerfenden Art so zu betören, dass er niemals wieder eine Andere gut finden könnte. Auch nicht nur ansatzweise!
Also verwendet sie mindestens zwei Stunden täglich auf ihre Schönheit. Das Makup immer perfekt und nach Möglichkeit niemals ungeschminkt – zeitaufwendig aber hey, es ist schließlich ein Investment. Sie beeindruckt und gefällt mit ihrer Coolness und tun so, als ob ihr der nicht erfolgte Anruf egal sei, den sie doch so sehnlichst erwartete.
Mit ihrer Sexyness bekehrt sie ihn dann ganz. Sie zeigt sich auch bei Minustemperaturen in luftige Kleidchen und trägt einen Hauch von Nichts, der zwischen den Po Backen kneift, damit er sich in sie verliebt- so der Plan.
Wo wir gerade dabei sind: Wann wurde es eigentlich konventionell, dass Frau unten rum komplett blank zu trägt? Vor dreißig Jahren trug Frau eine gestutzte und hübsch in Form gebrachte Krause.
Nur wenige wie ich rasierten, geschweige epilierten alles weg. Als Tänzerin mit stundenlangem Training, dem ständigen Kostümwechsel und manch knappen Kostümteilchen war es praktisch und hygienischer. Aber vermutlich wird genau das auch der Grund dafür sein, dass ich in der Umkleide des Fitness Studios beinahe nur nackte Mädchen Vulvas sehe.
Das war ein echter Vorteil 2018, währen meinem Chemo Sommer. Beine glatt wie ein Baby Popo und eine absolut Pickel freie Bikinizone. 😄
Aber zurück zum Thema. Das Fatale an der “ich betöre den Kerl zu einem guten Typen“ Idee ist – ihr ahnt es schon – dass auch die Frau von heute sich irgendwann natürlich mit ehrlichem Gefühl zeigen möchte, sich dem Wetter entsprechen und bequem kleiden und vielleicht einfach mal keine Zeit oder keinen Bock auf die schmerzhafte Haarentfernung hat.
Also liebe Ladys, try it, habt Spaß aber verschwendet nicht zu viel Zeit darauf eine Andere sein zu wollen. Und an die guten Männer da draußen: Zeigt euch, traut euch und denkt daran, dass auch Frauen ohne riesige Möpse, ohne Size zero und ohne dicke Lippen sind ganz toll.

Jahrzehntprojekte

Nach einem strahlenden Morgen, zieht gegen Mittag ein dichter Nebel von der Elbe hoch nach Bahrenfeld. Trotzdem machen wir unseren Neujahrsspaziergang mit der ganzen Familie – also Junior ist nach ein paar wenigen Widerworten bei der Gassi Runde mit dabei.
Fido an der Leine, gehe ich hinter den beiden her und mir fällt auf, dass Josh mittlerweile beinahe so groß wie Malte ist. Sie unterhalten sich lachend über die Geschehnisse des Silvesterabends und ich bin in diesem Augenblick dankbar und zufrieden, dass es so ist, wie es gerade ist.
Ein entspannendes Bad ist mein Plan für den frühen Abend. Das Wasser dampft, es duftet nach Lavendel und ich ziehe meinen kuscheligen Pyjama aus. Unübersehbar präsentiert sich das leckere aber viel zu fette und süße Essen über meine Körpermitte. Auch der Sport ist während der gefühlt zweimonatigen Vorweihnachtszeit viel zu kurz gekommen, was der Optik nicht sehr dienlich  ist. Langsam beuge ich mich vorsichtig nach vorne um die Socken auszuziehen. Bei der Bewegung zieht es schon seit längerem leicht im Kreuz und ich schau mir nun bei der Gelegenheit meine Beine etwas genauer an. Die Kontaktlinsen hatte ich morgens gleich nach dem Aufstehen eingesetzt und jetzt frage ich mich wann genau meine Haut an den Oberschenkeln angefangen hat neben leichten Beulen auch noch trocken und mit feinen Falten an Elastizität zu verlieren?🧐
Just in diesem Augenblick erinnere ich mich daran, wie Joshua mich als Zehnjähriger mal fragte, „warum wackelt bei dir eigentlich alles?“
Die etwas deprimierende Situation erreicht den Höhepunkt als ich meine kürzlich notwendig gewordene  Eckzahnprothese herausnehme. Ach herrje, wer behauptet alt zu werden ist nur schön, der lügt meiner Ansicht nach.
Von wegen, „wir sind nicht mehr die jüngsten, das stört mich nicht im geringsten.“ Das dachte ich vielleicht noch vor fünf Jahren aber in der Zeit zwischen fünfundvierzig und meinem diesjährigen Fünfzigsten ist viel passiert und OFFENSICHTLICH habe ich mich verändert.
Und nun? Einfach hinnehmen und das Beste daraus machen? Aber was ist das Beste? Keine leichte Frage – ich möchte mich ja nicht jung machen, aber gerne dem Alter entsprechend jünger.

Die ersten Tage im neuen Jahrzehnt werden bei durchgehendem Nieselregen in trübes grau gehüllt. Trüb ist auch meine Stimmung, als ich mich auf die Wage stelle. Kein Wunder, dass der Bauchspeck sich unschön über den Verschluss  der Jeans legt. Noch ein weiterer Punkt, den ich zur gewünschten Selbstoptimierungsliste hinzufügen kann. Mit „love handles“ hat das nichts mehr zu tun. 😅

Beim Gedanken an das Jahr Zwanzigzwanzig erinnere ich mich an den bedeutenden 20. Geburtstag. In einem angemieteten Schützenhaus feierte ich mit meinen Geschwistern und Freunden bis spät in die Nacht. Die rot-weiß gestreifte Hotpants betonte meine braungebrannten Beine und ich hatte nicht ansatzweise etwas mit Themen wie Hauterschlaffung, Übergewicht und abgebrochenen Zahnkronen zu schaffen.

Tja, alle möchten lange Leben, aber alt will keiner so recht werden. Und es ist wirklich wahr, dass man sich emotional weitaus jünger fühlt. Wenn ich ohne in den Spiegel zu sehen darüber nachdenke wie alt ich mich fühle, bin ich klar bei achtundzwanzig stehen geblieben.

Die Wahrheit allerdings ist, dass ich mit dem neuen Jahrzehnt ebenfalls ein neues Jahrzehnt erreiche – da ist sie wieder, die Fünfzig. Warum eigentlich müssen wir so genau wissen, wie alt wir sind? Brauchen wir überhaupt Geburtstage, Jubiläen und Silvester? Aus meiner Sicht könnten wir irgendwann auf die Welt kommen, das Leben mit all den schönen Momenten feiern und wenn unsere Zeit gekommen ist einfach wieder gehen, ohne irgendwelche Zahlen damit in Verbindung zu bringen.

Nun, gehe ich meinem “sweet fifty“ Plan langsam und etwas schwerfällig nach. Seit der Weihnachtspause stehe ich heute mal wieder im Zumba Kurs. Als ich mich vor einem Jahr das erstem mal seit meiner Chemotherapie in diesen Kurs wagte, hatte ich noch ganz andere Probleme. Ebenfalls wieder dabei ist das Trainer-Fan-Grüppchen. Fünf bis sechs Mittfünfzigerinnen die sich wöchentlich bei genau diesem Zumba Kurs (oder eher bei genau diesem Trainer) treffen. Oha, ob man mich dazuzählen könnte? Sofort verneine ich diesen Gedanken, konzentriere mich  auf die Schritte und spüre wieder – tanzen ist und bleibt meine große Leidenschaft.😊

Tue was dich glücklich macht. Lass dich von nichts und niemanden aufhalten oder abbringen. Gib die Ängste auf, ergreife jede Chance, die sich dir bietet und konzentriere deine Gedanken auf deine Ziele. Wenn du deinen Träumen folgst wirst du das Glück finden.

Wie? 2019 ist vorbei?

Da hatte ich im Januar doch eben erst die Koffer für die “Überraschungs-Reha“ gepackt und nun steht Silvester vor der Tür?
Ich erinnere mich, wie wir Klinikinsassen dort im Oberharz in der  Ü30 Disco „Flair“ getanzt haben, als gäbe es kein Morgen. Ebenso wie ich wegen der Verschreibung falscher Medikamente beinahe vom Glauben abgefallen bin und wie ich mich zum Ende der Reha über die erneute Ablehnung der Empfehlung zur Teilhabe am Arbeitsleben grün geärgert habe.

In der Zwischenzeit machten meine Haare im kurzen Pudellook immer mehr Party ohne mich und im Februar durfte ich, eingekleidet in einen Traum aus hellblau, zur nächsten Nachsorgeuntersuchung. In diesen Tagen bibberte ich nicht nur wegen der Eiseskälte, ich bibberte den Ergebnissen entgegen, denn es stand neben meinem Leben der erste Schritt in die Normalität auf dem Spiel.

Glücklicherweise ging alles gut und bevor es wieder losging, in der Welt der Arbeitenden, fuhr ich im März mit Josh auf hoher See dem Sonnenuntergang und einem neuen Job entgegen. Nach der großartigen Mama-Sohn-Reise kam es tatsächlich noch besser: nach dem eingereichten Widerspruch wurde dem Antrag auf Weiterbildung nun doch zugestimmt. Das war eine große Genugtuung, auch wenn ich es nicht mehr brauchte. Dennoch war es der Beweis, dass es sich immer lohnt für etwas zu kämpfen, woran man glaubt.

Durch die neuen Herausforderungen erschöpft, aber happy, flogen der April und Mai des Jahres förmlich an mir vorbei, genau wie die Rezidiv-Ängste. Ja, diesmal machten sich erst kurz vor dem nächsten “Fotoshooting“ ein paar Sorgen in mir breit. Wieder unbegründet, wie sich herausstellte und so zog mit dem Sommer auch die Routine in unser Leben ein.

An einem klaren Sommermorgen im Juni fuhren wir an den hellgoldenen Weizenfeldern vorbei, die sich vom noch tief blauen Himmel abhoben. Es war sehr früh morgens und die Wassersprenger auf den Feldern kündigen wieder einen heißen Tag an. Wir waren auf dem Weg in unseren ersten Urlaub seit der Chemotherapie und mir wurde klar, wie wenig Zeit ich in den vergangenen Monaten für mich hatte. Ich vermisste die Tagträume und die damit verbundene innere Ruhe. Erst jetzt kam ich wieder einmal dazu einzutauchen in das Hier und Jetzt, wo einfach nichts anderes wichtig zu sein schien. Erstaunlich, wie schnell man selbst nach einem Schicksalsschlag wie meinem wieder in die alltäglichen Tretmühlen des Lebens gelangt. Das bedeutet wohl ich bin wieder integriert. Integriert in die arbeitende Gesellschaft.

Nach wunderbaren Tagen in den Alpen ging mit dem schönen Sommerurlaub auch die Arbeit an meinem Herzensprojekt zu Ende. Das Manuskript über mein Jahr mit Krebs war fertig und ich meinem Ziel ein großes Stück näher.

Das feierten wir im Juli mit einem spontanen Besuch bei der Beach Volleyball Tour in St. Peter-Ording. Ohne Pupertier und Hundetier, dafür mit meinem Lieblingsmensch, mit viel Lieblingsmusik und Lieblingsgetränken. Ja, die schönen Momente begleiten uns ein Leben lang und das ist gut so.

Denn im August ging mein Streit mit der Versicherung, betreffend meiner Berufsunfähigkeit, in die nächste Runde. Auf diese Weise lernte ich, dass es Versicherungen gibt, die nur Sinn machen, wenn man dazu auch eine Rechtsschutzversicherung abgeschloßen hat. Denn im Gegensatz zu dir, geht es den Versicherungen NICHT darum da zu sein, wenn mal was ist.

Als maximal OK empfand ich auch das, was sich ab September so auf meinem Kopf entwickelte und so betrat ich kurzentschlossen ein Friseurgeschäft. Der netten Dame am Empfang schilderte ich meine Haarproblematik, als plötzlich ein Pärchen an mir vorbeihuschte. Ich schaute ihnen nach – es waren die Schnuggis! Als sie kurz darauf in den Salon zurückkehrten, lächelte Herr Schnuggi mich breit an: „Welche Überraschung!“ Freudig drückte ich ihn und erfuhr, wie schlecht es um die Gesundheit seiner Liebsten steht. Langsam ging ich auf Frau Schnuggi zu. Ihr kurzes silbergraues Haar stand ihr richtig gut. Es erinnerte mich an meine Zeit kurz nach der Chemo und vorsichtig legte ich meine Hand auf ihren Unterarm: „Hallo, sie sehen toll aus! Wissen sie noch woher wir uns kennen?“ Ganz kurz lächelte sie: „Nein, tut mir leid, mir geht es heute nicht so gut“. Dabei schaute sie an mir vorbei, hilfesuchend zu ihrem Ehemann. Ich drehte mich zu ihm um und er hob nur verloren die Schultern. Leider sind auch dies die Geschichten, die das Leben schreibt. Mal wunderschön, berührend oder traurig, aber manchmal auch einfach nur Scheiße.

Langsam wurde es kühler und mit dem Regen, der im Oktober an die Fenster prasselte vielen auch die Blätter – und einer meiner Zähne! Tatsächlich brach der durch die  Chemo vermutlich etwas porös gewordene Stiftaufbau einer Krone neben meinen Schneidezähnen ab und eine riesige Zahnlücke klaffte mitten in meinem Gesicht. Demnach verschickte ich einige Wochen später mit einer Zahnprothese bewaffnet das Exposé zu meiner Buch- bzw. Hörbuch-Idee an die Verlage. Die Daumen gedrückt, die Augen zusammen gekniffen: „Eins, Zwei, Drei“ und weg damit.

Auf eine lange Wartezeit eingestellt, erhielt ich überraschenderweise gleich im November eine Antwort aus Berlin. Ein Hörbuchverlag, ich konnte es kaum glauben, würde meine Geschichte publizieren wollen. Das war so aufregend, da stand die nächste Untersuchung in der radiologischen Abteilung ganz im Schatten dieser Neuigkeit.

Die Freude verblasste bei der Besprechung der Untersuchungsergebnisse ein wenig. Nicht wegen der onkologischen Ergebnisse, viel mehr weil die Kieferchirurgin, auf Grund der Rezidiv-Gefahr mir kein Zahnimplantat einsetzten wollte, weil die Behandlung bis zum Abschluss über mehrere Monate geht. Sollte der Krebs wiederkommen und die Behandlung noch nicht abgeschlossen sein, wär das ziemlich ungünstig.

Zusätzlich erhielt ich von meiner Rentenversicherung die Ablehnung auf meinen Reha-Antrag. Gerne hätte ich im kommenden Frühling, nach einem Jahr in der Arbeitswelt, meine Leistungsfähigkeit noch etwas verbessert, um die alltäglichen Belastungen besser zu verkraften.

Tja, hätte, könnte, würde, müsste…

Du – 2019 – bist an mir vorbeigeflitzt, dass ich dir nur noch staunend hinterhersehen kann. Jetzt steht das nächste Jahrzehnt vor der Tür und ich habe zwei (vielleicht sogar drei) spannende Projekte vor mir. Denn wer mich kennt weiß: nicht viel quatschen einfach mal machen – könnte ja gut werden! In diesem Sinne wünsche ich der Menschheit die Kraft auf den gesunden Menschenverstand und auf das Mitgefühl zu hören – auf ein glückliches neues Jahr!

PoetrySlam

So ein Lymphom ist wie ein Phantom, nicht greifbar und unsichtbar ist das eine oder andere Symptom. Nicht wie ein Hämatom, mehr wie eine große Portion Emotion, die dich warnt – es ist leider keine Illusion.

Die Diagnose ist wie eine Explosion, hier hilft kein Silikon und genauso wenig wie bei Vodafone erhältst du eine Reaktion, denn die Erde dreht sich weiter, nur nicht mehr ganz so heiter. Bei dieser Krebs Variation brauchst du Regel nicht mal eine Operation und dabei gibt es kein Pardon bei dieser Mission gesund zu werden, auch wenn du denkst dein Leben liegt in Scherben.

Nach meiner Version ist die Zeit mit der Chemoinfusion wie eine Exkursion durch sich selbst, mit einer ständigen Option auf die Endstation – es ist noch nicht das “letzte Mahl“, aber schonmal eine Tisch Reservation. Von hier an hat die Reise mehr Höhen und tiefere Tiefen und die ständige Diskussion mit Versicherungen, Behörden und der Alterspension, lässt mich kotzen vor lauter Administration!

Hätte ich eine Million, startete ich eine Aktion den Menschen zu helfen, klar zu kommen in dieser schweren Situation, das wäre sinnvoll und eine schöne Passion. (Ich glaub ich geh damit nach Washington.) 😊

Wenn dann die Ärztekommission sagt, dass alles überstanden ist, braucht es Zeit, viel Zeit zu glauben es ist keine Fiktion, denn die ständige Kollision mit der Angst ist eine Last, mit der sich auch die Rehabilitation befasst. Heilen lässt sich das Lymphom mit Glück, jedoch lässt es eine Wunde auf der Seele zurück.

Wovon eine gute Portion Humor dich schützen kann, ist vor einer Depression und bei jeder Station, die dich das Alles schwer ertragen lässt denke daran, dass du lebst und du mit etwas Selbstkoordination es schaffen kannst daran zu glauben, dass sich das alles schon lohnt.

Darum gib Acht auf dich und gehe es langsam an, deine Integration in die Welt der Gesunden-Sektion und gönne dir eine gute Portion von allem was du brauchst denn es ist wichtig, dass du deinem Gefühl vertraust.

Eine Reise

Lange schon wurde es erwartet, dass Päckchen dessen Inhalt ein Gefühl von Freude, Coolheit und kuscheliger Wärme versprach. Doch es konnte erst mit vielen Anderen zusammen auf die lange Reise gehen. Endlich war der Tag gekommen als es losgehen sollte und eine hibbelige Vorfreude machte sich breit. Doch man musste sich noch in Geduld üben, denn so eine Reise auf dem Wasser dauert seine Zeit. Wieder vergehen Tage des Wartens und der Ungeduld. Der Regen trommelt gegen die Fensterscheiben, die fallenden Blätter und die frühe Dunkelheit kündigen die kalte Jahreszeit an. Langsam wird es Zeit,  dass die Reise zu Ende geht.

Dann ist es soweit, die Ankündigung liegt im E-Mail Postfach und verspricht dass Päckchen in den nächsten zwei Stunden nach Hause zu bringen. Ein breites Lächeln huscht übers Gesicht aber Stopp, was steht da?!? Ein falscher Name in einem falschen Haus, das kann doch nicht sein, nicht nach der langen Zeit und der großen Reise! Nach Tagen in einem dunklen Schiffsbauch  schließlich in der neuen Stadt angekommen soll irgendjemand das Päckchen erhalten? Nein! Dass kann nicht zugelassen werden und mit einem Klick ist der Lieferwunsch an die liebe Nachbarin, mit korrekter Adresse angegeben. Puh, dass war knapp. Doch ein ungute Gefühls bleibt…

Zwei Stunden später informiert eine Nachricht darüber, dass das Päckchen nicht abgegeben werden konnte und ein neuer Ort das Ende der Reise beschließen könnte. Kein Risiko mehr! Wenn das Päckchen es nicht nach Hause schafft, dann wird es abgeholt!

Die Lokalität für die Übergabe ist schnell vereinbart, nur der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Wieder vergehen erst Stunden, dann Tage des Ausharrens – nichts!  Warum? Hilflos verzweifelt wird über die letzte Mitteilung getippt und da steht es – es ist angekommen! Aber warum steht da wieder ein anderer Ort?!? Päckchen du wirst so sehnsüchtig erwartet, gib nicht auf wir sind auf dem Weg, egal was da steht, der vereinbarte Übergabe Punkt ist nah und ein Hoffnungsschimmer.

Unsicher wird die Lokalität betreten. Hat es die Reise beenden können? Kann es endlich von seinem neuen und rechtmäßigen Besitzer in die Arme geschloßen werden? Vorsichtig wird das letzte Lebenszeichen dem Mann hinter der Theke vorgewiesen, er verlässt den Raum und geht nach hinten. Ein kurzes Stoßgebet nach oben, schon kommt der Mann zurück und ja, er hat das Päckchen in den Händen und reicht es dem strahlenden Inhaber, der erleichtert über die unzähligen Aufkleber streicht.

Die lange, beschwerliche Reise voller Irrungen und Wirrungen ist vorbei und du liebe DPDgroup bist der Grund für die Geschichte und auch der Grund warum  sich Päckchen für mich nur noch mit DHL oder Hermes auf die Reise machen!