30.04.2018

Wiedersehen macht Freude oder man soll Feste feiern, wie sie fallen!
Fröhlich und gut gelaunt starten wir mit der positiven CT-Nachricht von Freitag in das Wochenende. Der strahlende Sonnenschein unterstreicht das „ja, das Leben ist schön“-Gefühl! Wie schnell allerdings dunkle Regenwolken über uns aufziehen können, überrascht uns immer wieder aufs Neue…
Nach viel zu langer Zeit, wollten wir heute endlich wieder mal ein paar Golfbälle schlangen. In den letzen Jahren hatten Malte und ich einfach nicht mehr geschafft auf den Platz zu gehen. Immer gab es etwas zu tun und Joshua hat nach seinem Silberabzeichen leider auch nur noch wenige Monate am Golftraining teilgenommen. Also standen wir drei bei bestem Wetter und hoch motiviert am Sonntag Vormittag bei Red Golf in Moorfleet auf der Range. Gespannt darauf wie und ob die Bälle fliegen… und wie sie flogen! Mit Konzentration und möglichst fließenden Schlägen spielten wir uns über eine Stunde lang wieder langsam in den Golfsport ein – es war ein tolles Gefühl! Wie üblich setzten wir uns anschließend noch auf die Terrasse des Clubhauses um etwas zu trinken. Da ich Kopftuch und nicht Golf-Cap trage, erreichen mich einige fragende, aber natürlich durchaus freundliche Blicke. Klar könnte ich auch ein Capy tragen, es wäre gerade bei Sonnenschein sogar sinnvoller. Sieht aber leider mit meinem nackten Frauenhinterkopf wirklich scheisse aus… 😉
Etwas später am Nachmittag stehen wir in der Küche. Die Einladung zum Abendessen war relativ spontan, denn wir wollen lieben Freunden aus der Nachbarschaft mit einem Lachs aus dem Smoker, mit Bruschetta alla Polli und einem Tomanten-Mozarella Salat, Danke sagen. Es ist wirklich toll, wenn man Leute in seinem Umfeld hat, die spontan mal mit einem Anhänger helfen oder einen Tag lang auf den lieben Vierbeiner aufpassen. Bei netten Gesprächen und gutem Essen mit etwas Wein, verbringen wir einen schönen Abend.
Müde und zufrieden schlüpfe ich kurz nach Mitternacht ins Bett, um gegen vier Uhr morgens völlig durchgeschwitzt und mit leichten Kopfschmerzen aufzuwachen. Der Nachtschweiß kann zwar eine Begleiterscheinung der Krankheit sein, ist jedoch in diesem Ausmaß eher ungewöhnlich. Schlaftrunken ziehe ich mir einen neuen Pyjama an, trinke zwei Gläser Wasser und nehme eine halbe Paracetamol. Bis kurz vor sieben Uhr morgens wälze ich mich von der einen zur anderen Seite des Bettes. Entsprechend erschöpft mit leichtem Schüttelfrost und weichen Knien stehe ich auf. Malte hat an diesem Tag frei, also möchte ich ihn schlafen lassen und gehe mit Fido auf die Morgen-Runde. „Was ist nur los mit mir?“, frage ich mich und überlege, was der Auslöser für die nun auch noch auftretende leichte Übelkeit sein könnte.
Ich verzichte auf das Frühstücken und etwas später fährt Malte mich zum Termin für die chemovorbereitende Antikörper-Therapie. Gleich bei der Ankunft erzähle ich der Schwester wie ich mich fühle, denn der Gedanke an die „rosa Elefanten“ lässt mich heute alles andere als lächeln!
Wie ein Häufchen frierendes Elend sitze ich in einem der roten Sessel und warte nach der Blutentnahme, die ins Labor geschickt werden muss, auf die Ergebnisse.
Aber wer kommt den da?! Die Schnuggi’s kommen plappernd in den bereits gut gefüllten Infusions-Raum und nehmen zwei Stühle weiter Platz.  Wir begrüßen uns herzlich. Kaum sass die Gute in ihrem Sessel, kommt der Gatte zu mir rüber, um mich über den aktuellen Gesundheitszustand seiner Liebsten zu informieren. Ich erfahre, dass auch Frau Schnuggi nun abschließend nach ihrer Chemotherapie, eine Bestrahlung erhalten soll und ihre Stimmungsschwankungen sich bis heute leider nicht verbessert haben. Während er vor mir steht und erzählt, ruft sie ergänzend dazu durch den Raum „mit mir ist gar nichts“ und „ja, ja aber das schaffen wir schon“.  Er antwortet ihr mit einem verschmitzten Lächeln: „Ja, Schnuggi, klar schaffen wir das!“  Damit ist die friedhöfliche Stimmung im Raum nun auch vorbei – ich mag die beiden!
Die Schuggi’s und das selbstgeschriebene Buch von einem lieben Freund hilft mir über die Wartezeit, bis ich nach gut zwei Stunden zu Frau Doktor gerufen werden. „Die Entzündungswerte in ihrem Blut sind etwas erhöht und neben der doch ziemlich geringen Anzahl der Thrombozyten, Frau Polli-Holstein, möchte ich die Therapie heute ungerne fortsetzten. Wir können sie zur Beobachtung stationär aufnehmen oder sie bekommen zwei weitere Antibiotika von uns und melden sich sofort, sollten sie Fieber kriegen. Ansonsten sehen wir uns Mittwoch zu einer weiteren Blutuntersuchung wieder.“

Etwas geknickt, dass die Therapie jetzt nicht wie geplant weiter geht, erleichtert heute nicht doch noch rosa Elefanten zu begegnen und gleichzeitig besorgt, dass mich ein richtiger Infekt erwischt haben könnte,  informiere ich Malte über die beiden Optionen. Er antwortet mir sofort, „was immer für dich das Beste ist!“ 

Ich möchte nach Hause und hoffe, dass es nur ein „Sommerregen“ ist! 

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