29.10.2018

Mein Herz tanzt und mal weint es, mein Verstand rebelliert und lernt,  „Panta rhei“ heißt alles fließt. Wir können keinen Augenblick nochmal erleben, denn nichts bleibt wie es ist…
Durch die Reha emotional und wegen der Erkältung gesundheitlich ein wenig zurückgeworfen, plagte mich wieder mal diese fiese, kleine Angst, dass ich sogar davon träumte, irgend ein anderer blöder Krebs würde mir mein geliebtes Leben wieder schwer machen! Auch wenn mein Verstand immer wieder versuchte mir klar zu machen, dass es beinahe unmöglich ist nach einer so kurzen Zeit einer erfolgreichen Chemo ein Rezidiv oder eine andere Krebserkrankung festzustellen, gewann hier eindeutig das Kopfkino…
In der Tagesklinik schildere ich also meiner Ärztin meine Beschwerden und beim Thema Nachtschweiß wird sie hellhörig. Doch da mich dieses leidige schwitzen seit ungefähr Mitte der Chemotherapie schon begleitet gibt sie Entwarnung. „Aber wir haben ja vereinbart, dass sie vorbei kommen, wenn es etwas gibt, was sie beunruhigt. Also lassen Sie uns lieber einen Ultraschall machen.“ Eingeschmiert mit Gel vom Hals über die Achseln, runter zum Bauch und bis zu den Leisten verkündet sie am Ende freudig, dass alles wunderbar aussieht – es ist zwar keine Garantie, dennoch sehr beruhigend!
Um mein Immunsystem weiter zu stärken und meine wiedergewonnenen Kilos in Form zu halten, trainiere ich nun regelmäßig und nehme an Kursen im Fitness Studio teil. Zirkel-Training, Body Forming oder eben Zumba zeigen mir deutlich wie unsportlich ich bereits vor meinen blöden Krebsscheißerchen war. Ständig auf den Beinen, dauern auf dem Sprung und immer in Bewegung zu sein ist halt doch ein deutliches Zeichen dafür, dass du eben nichts Gutes für dich tust.
Natürlich kann es sein, dass ein Fitnessstudio auch länger als ein Jahr nach einer Krebserkrankung nicht das Richtige für Betroffene ist. Dabei ist es gut zu wissen, dass die Aussage „sie können den Vertrag nur pausieren lassen“, bei einer solch schweren Erkrankung nicht stimmt! Es gibt dabei in der Regel die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung, hier im Stern Bericht werden Beispiele genannt und verschiedene Gründe erläutert.
Ich für meinen Teil bin gerne mal unter Leuten und auch wenn mir anfangs diese wahrgenommene Atmosphäre von Oberflächlichkeit etwas befremdlich war, gehe ich heute gerne hin. Es macht Spaß, fokussiert mich in meinen Zielen und lenkt gleichzeitig von doofen Gedanken ab.
Wer teilweise auch sehr abgelenkt ist, ist unser Pupertier. Was wir Eltern angeblich neben diesem stressigen Schulalltag so von ihm verlangen, grenzt wohl schon an das Unmögliche. Überraschender Weise kommt er, beim Thema Videos auf YouTube ansehen oder beim Spielen auf der PlayStation, irgendwie nie an seine Grenzen… nur wir Eltern – nämlich bei dem Versuch seine Kommunikationssprache die teilweise lautstark durch die geschlossene Kinderzimmer Tür dringt, zu verstehen!
Dabei oft erfolglos, versuchen wir in unserer Hilflosigkeit manchmal ein bisschen Aufmerksamkeit unseres Sprösslings zu erhalten.  Ohne Vorwarnung reißt Malte dann die wegen PlayStation spielen geschloßene Tür auf, ruft dabei laut „Digger, was geht?“ Oder „Alter, was läuft? Grüß mir die Igers!“ und fuchtelt dabei in Rapper-Manier wild mit den Armen herum! Dass Josh bei diesen Aktionen das Mikro seiner Kopfhörer nicht so schnell ausmachen kann und damit seine Kumpels die Peinlichkeit seiner Eltern miterleben können ist ehrlich herrlich und zum Quieken komisch – vor allem, wenn er leicht verzweifelt, aber mit einem Lachen im Gesicht darum bettelt, dass wir die Tür bitte wieder schließen sollen!

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