27.11.2018

Ein ganz normaler Tag

Vor einigen Tagen erhalte ich von der Rentenversicherung einen Bescheid darüber, dass mir eine Reha über weitere drei Wochen im Oberharz bewilligt wird. Das Schreiben der im Bescheid genannten Rehaklinik ist ebenfalls schon in der Post, in dem mir mitgeteilt wird, dass sie mich am 18. Dezember 2018 erwarten… „What?!?“ Ich hatte doch gar keine weitere Reha beantragt!?! Nach einigen telefonischen Versuchen habe ich eine – milde gesagt – ziemlich unhöfliche Mitarbeiterin in der Leitung, die mir erklärt wie das zustande gekommen ist. Da meine erste medizinische Reha von der Arbeitsgemeinschaft für Krebsbekämpfung (die extra für alle onkologischen Reha-Maßnahmen da ist) bewilligt wurde und nicht von der deutschen Rentenversicherung Knappschaft Bahn See, möchte diese auf Grund meines Antrages auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, mich erstmal in die medizinische Reha schicken, um später noch einmal über meinen Antrag zu entscheiden. Dass letztendlich alle Fäden wieder bei der deutschen Rentenversicherung als Kostenträger zusammen laufen „sollten“, interessiert dabei anscheinend keinen… Nun könnte ich der Knappschaft natürlich meinen Endbericht der bereits absolvierten Reha zukommen lassen, aber da dieser leider Fehlerhaft ist und ich noch in der finalen Bearbeitung der Gegendarstellung bin, würde das vermutlich nur zu noch mehr Verwirrung führen. Also gewöhne ich mich langsam an den Gedanken, dass die nächste Reha im Oberharz auf mich wartet. Doch über Weihnachten und Neujahr??? Ehrlich ein no go! Durch diese Tatsache und den vorangegangenen Telefonaten nervlich schon etwas angeschlagen, versuche ich nun mein Glück bei der Klinik, um den Termin zu verschieben. Nach drei Versuchen erreiche ich eine zuständige Mitarbeiterin, die mir deutlich zu verstehen gibt, dass sie von der Terminverschiebung nichts hält, mir aber freundlicher Weise eine Einladung für Januar 2019 zukommen lässt… Gegen Mittag bin ich damit durch und unfuckingfassbar frustriert!

(Verdacht auf E) Ich setzte mich an die Weiterbearbeitung der Gegendarstellung, da fällt mir diese Klammer in der Beschreibung der Anamnese wieder auf. Diese kurze Bemerkung von der ich keine Ahnung habe, was sie bedeuten könnte, begleitet mich schon einige Tage. Neugierig fragte ich beim Check vergangenen Donnerstag eine Ärztin aus der Tagesklinik was das bedeutet. Erstaunt und etwas ratlos erklärt sie mir, „ich kann mir da gerade keinen Reim darauf machen. Üblicher Weise steht E führ eine erweiterte/n Erkrankung/Befall, doch wie die Reha-Ärztin mit den minimal durchgeführten Untersuchungen darauf kommt, erschließt sich für mich nicht. Aber bitte machen sie sich darüber keine Sorgen!“ Erstaunlich welche Auswirkungen so ein geschriebener Buchstabe haben kann und weil ich nicht auf meinen nächsten Besprechungstermin warten möchte, bis ich vielleicht eine Antwort auf diese Frage erhalte, rufe ich kurzerhand bei der Rehaklinik an und frage nach. Freundlich will die Mitarbeiterin bei der Ärztin nachfragen und sich später zurück melden. Nachmittags klingelt mein Telefon und die Ärztin selbst meldet sich. Positiv überrascht höre ich ihr zu. „Es ist tatsächlich etwas unglücklich, dass das da so steht und tatsächlich bedeutet es, dass ein Verdacht besteht, dass nicht nur die Lymphknoten, sondern vielleicht auch ein anderes Organ befallen ist. Allerdings stand dies in einem der Schreiben ganz am Anfang der Diagnostik und darum musste ich es trotzdem in den Bericht übernehmen. Nun hat sich ja im laufe der Behandlung herausgestellt, dass dies bei ihnen nicht der Fall ist.“ Puuuh, kurz ist mir mein Herzchen ins Höschen gerutscht…

Erleichtert starte ich in den Nachmittag. Es gibt noch Hausaufgaben, die ich nach einem großartigen Treffen mit einem Freund aufbekommen habe. Er coacht Personen und Unternehmen im Bereich Entwicklung und hat mir angeboten, mich bei der Frage nach meinen nächsten, beruflichen Interessen zu unterstützen. WOW, kann ich nur sagen! Ich hatte wirklich keine Ahnung was mich da erwartet und immer noch total begeistert von diesem Treffen, sammle ich online Informationen über zwei unterschiedliche Berufsbilder. Was es ist, verrate ich euch noch nicht, nur so viel: Eine Bürotätigkeit, wie beispielsweise Assistenz der Geschäftsführung, würde bei mir so viel Sinn machen, wie bei Regen die Blumen zu gießen! 🙂

Nach der Gassirunde mit Fido schaue ich gespannt in den Briefkasten, um zu sehen was die Post heute so zu bieten hat und siehe da, es bleibt spannend. Da liegt ein Brief von der Stadt Hamburg, eine Einladung zu einer Verleihung des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland – nicht an mich…. 🙂 Aber vergangene Woche meldete sich nach über fünf Jahren mein ehemaliger und geschätzter Chef, mit dem zusammen ich über zehn Jahre die Hamburg School of Entertainment geführt habe. Er erzählte mir, dass ihm diese tolle Auszeichnung für seine Arbeit im Bereich Bildung übergeben wird und er mich gerne dazu einladen möchte, da er findet, dass mir mindestens ein Zacken davon zustehen würde. Völlig überrascht und gerührt vor Freude erzähle ich ihm, wie mich mein „Bingo des Lebens“ Anfang des Jahr eiskalt erwischt hat. Er hatte keine Ahnung. Um so großartiger dich – 2018 – mit diesem und weiteren schönen Ereignissen, die noch anstehen, langsam zu beenden!

Vorsichtig lege ich die Einladung zur Seite, als mich der nächste Anruf von einer Sprachschule erreicht, bei der ich mich für den Abend zu einer englisch Probestunde angemeldet habe.  Der Dozent informiert mich darüber, dass die Klasse sich auf dem Altonaer Weihnachtsmarkt trifft und die Stunde da stattfinden wird. Irgendwie sympathisch, denke ich und wenig später plappere ich nach einem Glühweinen in englisch mit wildfremden, aber sehr netten Menschen über Gott und die Welt. Cheerio, auf einen ganz normalen Tag!

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