27.05.2018

Schauplatz der Reaktionen

Ich gebe zu, dass ich gerne mal beobachte, wie die Leute mich anschauen, auf mich reagieren oder versuchen mir aus dem Weg zu gehen. Dabei kann ich gut verstehen, dass Menschen, die mich nicht kennen, kurzfristig irritiert sind. Denn so langsam erinnere mich selbst an eine kleine Nacktkatze – das ist durchaus etwas ungewohnt.

Meine Wimpern kann ich heute einzeln zählen: am linken Auge sind es noch fünf, am rechten noch ungefähr zwölf Härchen und auch die Augenbrauen sind mittlerweile eher ein Schatten von sich selbst. Die meisten von uns stellen sich ja auch Aliens ohne Kopf- und Gesichtsbehaarung vor… 😉

Das mag mit der Grund dafür sein, dass mir Nachbarn und  Bekannte, die ich im täglichen Leben treffe, mit unterschiedlicher Umgangsart begegnen. Die Einen bedrückt, mit leicht gequältem, mitleidigem Gesichtsausdruck, die offensichtlich versuchen „das Richtige“ zu sagen ohne wirklich etwas zu sagen. Dabei wird unser zufälliges Treffen leider in kürze mit einer freundlich, friedhöfliche Stimmung umgeben, die keiner wirklich mag. Auszüge wie: „Na, wie geht es dir gut? Machst halt das Beste draus, das ist schon gut. Ach Mensch du Arme. Ich drück dir die Daumen.“ Mit immer sinkender Sprachmelodie zum Ende des Satzes…  Das Gute dabei ist, dass ich mich vermutlich besser fühle als der Mensch, der mir so gegenüber steht! 😉

Doch dann gibt es die Leute, die einfach so sind wie vor meiner Krebserkrankung, egal wie ich aussehe. Die freuen sich einfach, dass wir uns treffen und schnacken über Dies und Das. „Du siehst heute aber sommerlich aus! Ist das nicht ein Traumwetter?! Na, was habt ihr heute noch schönes vor?“ Das bringt Laune und gibt mir auch nicht das Gefühl, in der näheren Zukunft vielleicht ins Gras beißen zu müssen! 🙂

So oder so, Begegnungen und Kommunikation sind wichtig, denn es lehrt uns auf Andere einzugehen, Gefühle und Mitgefühl zu zeigen.

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