21.11.2018

Alles halb so schlimm!

Nur noch einmal schlafen und der erste Check nach einer viermonatigen Chemopause steht an: Blutuntersuchung, MRT und CT. Neben den immer wiederkehrenden Sorgen um eine Wiedererkrankung (Rezidiv) hatte ich vor einigen Tagen, morgens am Frühstückstisch, so etwas wie eine kleine Vision… Einfach so überkam mich ein ganz plötzlich ein klares, leichtes und friedliches Gefühl, verbunden mit dem Gedanken, dass alles Gut sein wird. Einen kurzen Augenblick nur und dann war es wieder weg. Seit dem versuche ich mich an dieses Gefühl zu erinnern, aber es will mir nicht recht gelingen. Doch ein etwas verschwommenes, inneres Bild von hellgrünen Blättern und kleinen, weißen Blüten ist geblieben. Verrückt? Ja, vermutlich schon ein wenig, doch man kann es auch Fantasie nennen und die war bei mir schon immer sehr blühend… 🙂
Doch so schön diese kurze Eingebung auch war, so strahlend sind auch diese Untersuchungen und es ist bekannt, dass diese Strahlenuntersuchungen (oder beispielsweise auch Sonnenstrahlen) krebserregend sein können. Es ist ein wenig absurd und dabei liegt der Nutzen-Risiko-Faktor teilweise sehr nah beieinander.  Nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, schlüpfe ich also morgen vermutlich wieder in einen hellblauen XXL Pyjama-traum und versuche beim „Fotoshooting der inneren Werte“ wieder eine gute Figur zu machen. So schwer ist das ja nicht, schließlich muss ich vor allem stillhalten!

Eine etwas größere Herausforderung ist es meine Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand zu bringen. Dazu gehören selbstverständlich auch aktuelle Bilder von meiner Schoko-Aussenseite. Ich also ab ins Fotostudio für neue Bewerbungsfotos. Um meine optischen Vorzüge zu unterstreichen habe ich mir morgens dafür natürlich extra viel Zeit vor dem Spiegel genommen. 🙂 Meine wilden, kurzen Pudellocken versuche ich mit aller Gewalt und dem Styling-Gel meines Sohnes zu bändigen, was mir zumindest in der Frontansicht annähernd gelingt. Doch im Studio angekommen habe ich gegen die leicht aufkommende Aufregung keine Chance und eine Hitzewallung rollt an. Ich sitze also hübsch gemacht vor diesen durchaus sinnvollen Fotoscheinwerfern und plötzlich fließt der Schweiss in wenigen Sekunde durch all meine Poren. Mein innerer Sommer, der irgendwie nicht zu Ende geht, gibt alles! Glücklicher Weise kommt in diesem Augenblick Kundschaft und wir machen eine kurze Pause. Nach fünf Minuten stehe ich abgetupft und frisch gepudert wieder vor der Linse und erzähle der jungen Fotografin auf ihre Nachfrage hin kurz meine Geschichte. Sie ist wirklich sehr freundlich und als sie mir von ihrer an Brustkrebs erkrankten Freundin erzählt, verstehe ich warum sie so locker und emphatisch mit dieser Situation umgehen kann. Zufrieden und mit drei neuen Bewerbungsfotos erwartet mich zu Hause leider eine viel ödere, aber dennoch fordernde Aufgabe. Das Schreiben der Gegendarstellung in Bezug auf den Entlassungsbericht der Rehaklinik. Ein wirklich wichtiger Punkt in Bezug auf die Sozialversicherungspflicht während meiner Tätigkeit als Hundefriseurin ist in diesem Bericht tatsächlich unkorrekt beschrieben und einige gesundheitliche Aspekte werden in der Anamnese nur teilweise oder gar nicht erwähnt. Ausgleichend dafür wird jedoch im Absatz zur Abschlussuntersuchung beschrieben,  dass die Rehabilitationsziele in jeder Hinsicht und sogar darüber hinaus erreicht wurden… Ohne die Rehabilitation schlecht reden zu wollen, habe ich neben meinem geliebten Jane Fonda Stulpensport noch viel Positives mitgenommen, jedoch „geheilt“ von den Folgen der Chemotherapie wurde ich da natürlich nicht. Doch was nicht ist kann ja noch werden!

PS: Die muss ich euch noch zeigen! Online shoppen ist ja nicht so mein Ding aber ich habe uns mal neue Kaffee- und Espresso Tassen gekauft. Sind die nicht toll?!?

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