21.02.2018

Zielen, Schießen, punktiert!

Der Oberarzt hatte mich schon vorgewarnt, dass er den Zeitpunkt der Punktion nicht sagen kann. Also lasse ich mir heute mit dem Frühstück und dem Frischmachen Zeit. Das Gefühls-Karussell in das ich heute eingestiegen bin, ist noch höher, schneller und schüttelt mich immer wieder durch. Erst gegen 16:00 Uhr, werde ich als heulendes Häufchen auf die Station für die Punktion gebracht. Eine Arzthelferin tröstet mich, bringt mir Taschentücher und fährt mich in den Behandlungsraum. Der Oberarzt sowie sein Kollege empfangen mich in einer entspannten Stimmung. „Entschuldigen sie, dass es nun doch so lange gedauert hat. Wir hatten sie für den Vormittag auf der Liste aber leider kamen diverse Notfälle dazwischen.“ Ich erwidere leicht lächelnd, dass sie nun darum meinen verheulten Anblick ertragen müssen. Die Atmosphäre ist locker und gut gelaunt machen die beiden netten Arzt-Jungs ihren Job suverän! Zwei mal gezielt, angeschossen und direkt in die Mitte der Lymphknoten. „Volltreffer!“ Fast jubelt der Oberarzt und ich freue mich mit. Plastikröschen von der Schiessbude werden aber nicht verteilt…

Im kurzen, abschließenden Gespräch betont der Oberarzt noch seine Vermutung die „nur“ auf ein Lymphom und keine Leukämie hinweist und diese mit der entsprechenden Chemotherapie heilbar ist. Sogar eine winzig kleine Chance einer reinen Infektionserkrankung besteht noch in der BINGO-Kugel meines Lebens. Das vorläufige Ergebnis darf ich am nächsten Tag erwarten, ein endgültiges erst in der darauf folgende Woche.

Abends als Josh und Malte vorbei kommen, besprechen wir, wie wir diese neue Situation in unserem Umfeld kommunizieren wollen und / oder müssen. Malte erzählte mir bereits am Telefon gerührt und unter Tränen, dass er seine engsten Arbeitskollegen informierte und er die volle Rückendeckung erhält, die er braucht. Joshua ist damit einverstanden, dass wir seine Lehrer informieren, möchte aber nicht, dass es mit Schulkolleg/innen besprochen wird. Leicht hoffnungsvoll starten wir in getrennten Wegen in unsere nächste Nacht. Mir hilft dabei die kleine Schlaftablette ungemein.

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