18.04.2018

Oben-ohne-Zeit, Halbzeit & Dankeschön!

Die Oben-ohne-Saison ist eröffnet! Die Sonne mit den steigenden Temperaturen geben mir wieder neuen Elan. Aber vor allem die vielen, lieben Menschen, die mich auf meinem neuen Weg mit großartigen Nachrichten und Gesprächen begleiten und auch die nicht so schönen Momente mit mir teilen, sind eine tolle Unterstützung! Danke an alle, die diese Kraft besitzen, sich dem Leben zu stellen! Meine vierte Chemotherapie läuft und es ist nicht selbstverständlich, dass an Themen wie Krankheit, anders Aussehen und Vergänglichkeit, teilgenommen und sich damit auseinandergesetzt wird!

Bei diesem wunderschönen Wetter gibt es nun immer wieder neue Situationen, bei denen ich ohne Kopfbedeckung aus dem Haus gehe. Der Weg in die Tagesklinik, die Hunde-Runde oder der Einkauf bei REWE um die Ecke. Joshua sitzt im Auto neben mir, schaut mich von der Seite an und fragt: „Willst du so, also jetzt ohne Mütze, einkaufen gehen?“ Schon in der Tiefgarage spürte ich kurz seinen fragenden Blick und ich muss lächeln, „Ja!“ sag ich zu ihm, „das ist vielleicht anfangs etwas eigenartig, weil die Leute eventuell anders reagieren. Manche glotzen, andere schauen uns voller Mitleid an und einige meiden den Blickkontakt.“ Mir ist bewusst, dass solche Situationen für einen bald fünfzehn Jährigen nicht ganz leicht sind. Also versuche ich die Stimmung etwas aufzulockern. „Wollen wir wetten, ob uns jemand aus Mitleid an der Kasse vor lässt?“ Wir lachen beide und ich weiß, dass er dieses Einkaufen mit der Coolnes eines Pupertieres durchziehen wird.

Dabei erzähle ich Joshua, dass ich vor ca. zehn Jahren, während unseres Städte-Trips nach Berlin, in einem großen Einkaufszentrum auf Toilette musste. Die Warteschlange war natürlich lang, doch die nette Reinigungskraft winkte mich freundlich zum Behinderten-Klo. Freudig nahm ich das Angebot an und bedankte mich bei ihr. Auf dem Weg zum Waschbecken hörte ich, wie ein junges Mädel, mit etwas zu viel Schminke und quiekiger Stimme fragt: „Darf auch dieses Klo benutzen?“ Und die Reinigungsdame ihr erklärt: „Nein, das ist nur für alte und behinderte Menschen!“ Na, DANKESCHÖÖÖN! Joshua und ich lachen herzhaft darüber und ich bin so stolz auf meinen großen, tapferen Jungen!

PS: Die Wette mussten wir verschieben, es gab keine Warteschlange bei REWE.

 

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