16.10.2018

Worum geht es hier verdammt nochmal eigentlich?

Leider habe ich mit der mir zugewiesen Ärztin nicht so viel Glück. Immer etwas von oben herab, ist sie bereits im Aufnahmegespräch nicht wirklich auf meine Anmerkungen zu meinem aktuellen Gesundheitsbefinden eingegangen. Gleich als es um die berufliche Zukunft ging erklärte ich ihr, dass ich als selbständige Hundefriseurin nicht mehr arbeiten werde. Ich erwähnte die gesundheitlichen und erklärte ihr die wirtschaftlichen Aspekte, doch sie war der Meinung dass ich später „eigentlich“ doch wieder in diesem Beruf arbeiten könnte. Auf meinen Wunsch für eine onko-psycholigische Beratung erhielt ich ein Gruppenseminar (Dauer gut eine Stunde) mit dem Thema „Bewältigung der Krankheit“ – fertig. Nachdem ich bei der Zwischenvisite erneut betonte wie sehr meine Gelenke, insbesondere mein Rücken schmerzt und ich kaum fünf Minuten sitzen oder liegen kann ohne dass es anfängt unangenehm zu werden, erhielt ich Schmerzmittel und einen Termin bei der Physio – das war dann aber schon das höchste der Gefühle! Auch die Frage nach einer Sportverordnung wurde mit: „Für sowas wie Crosstrainer etc.  können wir das nicht ausstellen“ abgetan.
Natürlich habe ich jetzt von der Abschlussvisite keine großen Erwartungen. Als erstes möchte sie den Therapieplan sehen, den ich ihr in der Mappe über den Tisch reiche. Mit einem: „Ich hasse es, wenn die so geknickt sind“, nimmt sie die Pläne entgegen. Da fühlt man sich doch gleich richtig wohl… Dann legt sie mir die Worte über den positiven Verlauf der Reha förmlich in den Mund, ein leicht kritisches „Naja“ meinerseits wird überhört, denn schließlich muss effizient abgearbeitet werden. Auf die Frage nach dem Abschlussbericht hält sie tatsächlich an ihrer Meinung fest, dass ich so in sechs Monaten wieder als Hundefriseurin arbeiten könnte. Nochmal erkläre ich ihr, dass ich das aus meiner nun erst einjährigen Erfahrung nicht so sehe und wie wichtig für mich eine Empfehlung für eine berufliche Reha (für eine Fortbildung im Bereich Verwaltung/Administration) ist. Sie ist schon auf dem Weg Richtung Tür und verabschiedet sich abschließend damit, dass sie noch nicht genau weiß was sie in den Bericht schreibt, da sie nochmal Rücksprache mit einem Kollegen darüber halten möchte…
Ob die Gute nur ansatzweise eine Ahnung davon hat, wie anstrengend dieser Job physisch und psychisch ist??? Einen womöglich ängstlichen Hund zu baden und fönen, der dann vermutlich noch zappelig auf dem Tisch steht, dann mit lärmenden Schermaschinen und sehr scharfen Scheren an ihm zu arbeiten, oft mit dem Zeitdruck im Nacken pünktlich fertig zu werden. Das ist leider kaum mit der inneren Ruhe eines Buddhisten zu schaffen, nicht ohne die notwendige Berufserfahrung. Der Gefahr von Infektionen durch Bisse, Kratzer, Haut- oder Ateminfektionen von feinen Tierhaaren, Pilze usw. ausgesetzt, kannst ich den Hunden leider auch nicht mehr mit der gleichen Souveränität gegenüber treten. Dazu kommt noch einmal eine berufliche Existenz zu gründen, einen neuen Kundenstamm aufzubauen, die ganze Finanzierung und damit der Druck genügend Geld zu verdienen. Das lässt doch die Frage in mir  aufkommen: „Worum geht es hier verdammt nochmal eigentlich?!?“ Erhalten die Ärzte hier etwa einen Bonus pro Patient, der ohne weitere Maßnahmen entlassen wird?
Auch wenn man eine Krebserkrankung oder ein Rezidiv (das Wiederkehren der Erkrankung) als zufällig einstufen könnte, gibt es genügen Studien darüber wie wichtig eine gesunde Lebensführung ist, um die Chancen gesund zu bleiben bestmöglich zu erhöhen. Als Patient möchte ich doch aktiv etwas für meine Gesundheit tun und nicht nur stur weiter machen wie zuvor und einfach zu hoffen dass alles gut geht.

Es geht hier um ein Menschenleben, um MEIN Leben, in dem ich nach bestem Wissen und Gewissen nicht mehr an Krebs erkrankten möchte, indem ich eine berufliche Zukunft habe die dazu passt!

2 Antworten auf „16.10.2018“

  1. Klassischer Fall von Beruf verfehlt möchte ich meinen… Was für eine unerträgliche Person, diese Ärztin! Besonders in einem derart sensiblen Bereich jemanden völlig ohne empathische und zwischenmenschliche Fähigkeiten zu besetzen ist absolut kontraproduktiv. Ich hoffe, du hast zu Hause noch Anlaufstellen, die dir weiterhelfen können, die Ärztin konnte/wollte offensichtlich ja nichts für dich tun.

    1. Moin meine liebe Mandy! Leider habe ich nur die Möglichkeit einen Einspruch zu erheben. Sowohl bei der Reha-Klinik wie auch beim Kostenträger. Dabei hilft allerdings die Hamburger Krebshilfe bei denen ich am 7.11. einen Termin habe. Wie geht es dir? Ich bin heute Nachmittag mal wieder in der Tagesklinik bei Frau Heitmann.;-)

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