15.11.2018

„Wer ein Warum fürs Leben hat, kann viele Wie‘s ertragen.“ – Nietzsche

Die Tage werden kürzer und es gibt jetzt doch kaum etwas Schöneres, als es sich zu Hause richtig gemütlich zu machen. Auch wenn die Dunkelheit etwas auf’s Gemüt schlagen kann, wird mir bei Kerzenschein und beim Anblick der vielen hübschen Lichter immer auch warm ums Herz. Fast schon melancholisch ziehen wir uns in dieser Jahreszeit mit einem warmen Getränk oder einem schönen Glas Wein auf das Sofa zurück, kuscheln uns unter eine Decke und beobachten, wie der Wind die Blätter gegen die Fensterscheiben weht. Dabei ein gutes Buch zu lesen oder in alten Fotos zu kramen ist dann eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Auch den Gedanken dabei freien Lauf zu lassen, ist eine schöne Sache und Langeweile kommt bei mir da nicht auf. Im Gegenteil – die Idee das Bücherregal nach Farben zu sortieren habe ich tatsächlich nur verschoben, weil ich fürchte, den Arbeitsaufwand zu unterschätzen um dann im Chaos zu enden. 🙂 Die Gedanken kreisen natürlich auch weiter um die Frage, wie meine Zukunft aussehen könnte; um die Frage wann ich mir zumute wieder arbeiten zu gehen und vor allem WAS ich arbeiten könnte? Leider herrscht beim Thema Berufswahl bei mir noch totale Hirnleere. Da ist wirklich nichts, wofür ich mich besonders interessiere und auch emotional herrscht da gähnende Leere. Um diesen Zustand zu erreichen müssen andere vermutlich jahrelang meditieren… Dabei geht es mir auch gar nicht darum großartig erfolgreich zu sein, denn Erfolg ist ja auch völlig individuell. Erfolg kann sein, ein Teilzeitjob zu haben oder auch zu Hause bleiben zu können und für die Familie da zu sein. Nur unsere persönlichen Ziele können ein Maßstab dafür sein, wie erfolgreich wir sind.

Bei dieser Thematik umgibt mich also schnell eine ziemlich große Unsicherheit. Also versuche ich mich zu sortieren: Von der Hamburger Krebsgesellschaft erhalte ich den Tipp mich beim Arbeitsamt erst einmal nicht arbeitssuchend zu melden. Zum Einen, damit ich mir die Chance auf eine Unterstützung nicht vertue und zum Anderen, weil ich von der Rehabilitations-Klinik als noch arbeitsunfähig entlassen wurde. Dennoch könnte ich mich schonmal in Eigenregie um Schulungen kümmern, denn mit Ende vierzig noch eine neue Festanstellung zu erhalten ist vermutlich nicht mehr ganz so leicht. Aber wonach suche ich und vor allem, schaffe ich es schon neuen Herausforderungen gerecht zu werden ohne dabei meinen drei wichtigen Gesundheitssäulen wie die gute Ernährung, regelmäßig Sport und Anti-Stress-Management untreu zu werden? Was ist wenn ich den Anforderungen nicht gerecht werde? Puuuh, es fällt nicht leicht, doch eine Antwort auf all die Fragen gibt es wenn wir es ausprobieren. Denn in der Regel erhalten wir auch eine zweite Chance und wenn wir uns nicht ganz blöd anstellen sogar eine dritte und vierte. 🙂

Auch wenn wir es als Familie aktuell wirklich genießen, dass ich mal ohne Hektik und Stress für unser aller Wohlergehen da sein kann, ist eine neue Aufgabe sicherlich auch eine gute Ablenkung vom Kranksein. Krebspatienten, oder die es mal waren, können diese ungeliebte Begleiterin namens Angst nie ganz in den Keller verbannen, wo sie eigentlich hingehört! Jede Kontrolluntersuchung ruft erneut eine kleine Todesangst hervor, denn die Chancen auf Heilung verringern sich deutlich bei einer Wiedererkrankung. Aber so ist es, wir können nur UNSER Bestes tun, hoffen und nach Möglichkeit das Leben leben wie wir es möchten. Meine erste Nachuntersuchung mit Blutuntersuchung, MRT und CT ist am 22. November 2018. Bis dahin beschäftige ich mich mit dem Reha-Entlassungsbericht, den ich heute bei meiner Hausärztin abgeholt habe und neuen Bewerbungsfotos auf denen meine Hirnleere hoffentlich nicht zu erkennen ist! 🙂

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