15.07.2018

Fotoshooting der inneren Werte mit einer Krankenschwester der etwas anderen Art!
Die Halsschmerzen sind beinahe weg. Die haben sich nämlich hochgeschlichen zu einer ordentlichen Schnupfnase, doch das sollte für die abschließende Chemotherapie-Untersuchung (MRT & CT) nicht weiter hinderlich sein. Malte ist mein Fahrer, da ich für das CT wieder einen Medikamenten-Cocktail benötige, der es in sich hat.
In der Radiologie angekommen erhalte ich wieder einmal einen dieser Aufklärungs- und Fragebogen. Zum einen ist das für mich ein stetig unbeliebter Beipackzettel, zum anderen ein Fragebogen, den ich gefühlt schon zwanzig mal ausgefüllt habe… doch siehe da, beim Thema Körperschmuck werde ich aufmerksam. Ich bin diesbezüglich noch jungfräulich, doch was ist mit der Spirale?!?

Schon werde ich aufgerufen und in die Umkleide gebeten. „Bitte alles ausziehen, bis auf die Unterhose und die Socken, dann das bereitgelegte Hemd mit Hose anziehen, ich hole sie dann ab.“ Ich lege also meine Sachen ab und ziehe einen Pyjama-Traum in himmelbau an, um mich ein paar Minuten später von der Krankenschwester beim Durchgehen des Fragebogens aufklären zu lassen, dass die Spirale durch das Magnet des MRT´s vielleicht etwas verrutschen könnte. Dies sollte ggf. mal beim Gynäkologen überprüft werden. Ok, noch ein Arzttermin, so kommt wenigstens etwas Abwechslung in meine Termine. 😉

Die Krankenschwester ist jung, ca. fünfundzwanzig Jahre und in ihrer Art ganz schön klugscheißerisch unterwegs. Sie geht den Fragebogen weiter durch, „allergische Reaktion auf Kontrastmittel?“ Ich: „Ja, beim ersten CT…“, da quatscht sie dazwischen: „Dann müssen sie hinschreiben auf Jod allergisch. Hier verwenden wir ja keine jodhaltigen Kontrastmittel.“ Ok, ich nehm das erstmal mit einem „Aha“ so hin. Danach muss die Venenkanüle gelegt werden und ich folge ihr schweigend in meinem himmelblauen XXL Pyjama. Wir kommen in einen Vorraum mit einem riesigen, dunkelblauen Transportstuhl, daneben steht noch ein Hocker sowie eine Krankenliege. Sie geht auf ihren Arbeitsroller zu sagt: „Setzen sie sich.“, ohne mich dabei anzusehen. Ich, von dem Riesen-Stuhl kurz irritiert, frage: „Dahin?“ Da antwortet sie in einem ganz leicht genervt, aber immer noch pseudo-freundlich Tonfall: „Also ich kann hier nur einen Stuhl sehen!“ Ich deute auf den Hocker und da ergänzt sie: „Na, das ist ja wohl kein Stuhl, sondern ein Hocker!“ Ich setzte mich langsam in den großen Stuhl, schaue sie mir dabei mal genauer von der Seite an und antworte ruhig: „Ach so, sie sind Eine von den ganz Schlauen.“ Der Wink scheint angekommen, denn von da an ging’s auch normal, freundlich weiter. 😉

Für die Vorbereitungen des MRT erhalte ich Ohrstöpsel, Kopfhörer, etwas wie eine schwere, weiße Pferdedecke auf den Bauch gelegt und eine Art überdimensionale Halskrause. Eine weitere Krankenschwester erklärt, dass sie mir über den Kopfhörer Ansagen zur Atmung geben wird. Wichtig dabei ist „normal“ und nicht extra tief ein- und auszuatmen. Teilweise soll man nach dem Ausatmen auch mal dreizehn Sekunden gar nicht atmen. „Das ist zu schaffen“, denke ich und es kann losgehen!

Dieses hämmernde, laute Geräusch empfinde ich manchmal als echt grenzwertig, doch ich gehe gedanklich durch die ganze Wohnung meiner Oma, in der wir sie als Kinder öfter besucht und gerne für einige Tage übernachtet haben. Ich versuche mich daran zu erinnern, wie jedes Zimmer ausgesehen hat und welche Situation mir dazu spontan einfällt oder in welchem Raum ich bestimmte Dinge besonders mochte. Im Kinderzimmer, neben dem Bett hing zum Beispiel ein großes Fell an der Aussenwand. Ich liebte es, beim Aufwachen mit meiner keinen Hand darüber zu streichen. Oder wie wir mit Oma am Küchentisch sassen und sie plötzlich vor Lachen ihren Kaffee auspustete, weil wir zwei Kleinen irgend etwas lustiges gequasselt haben… schwubs, werde ich aus der Röhre gefahren und ich darf mich zum CT verabschieden.

Ich ziehe mich um, gehe den Flur weiter runter, wo man sich kennt und mich bereits erwartet. Der Antiallergikum-Coktail für das nun jodhaltige Kontrastmittel wirkt innert Minuten. Während ich im Warteraum also auf mein nächstes Shooting warte, schließe ich immer wieder die Augen und mein Kopf fällt unkontrolliert mal nach vorne, zur Seite oder in den Nacken… kurz bevor ich mich neben die älteren Lady, die in ihrem Krankenbett auf dem Flur wartet, lege, werde ich zur Untersuchung gerufen. Beinahe schlafwandelnd betrete ich den Raum. Die Klimaanlage ist wie immer zu niedrig eingestellt und ich bin froh, dass ich nur meinen BH abnehmen muss. Fünf Minuten später sind die Bilder im Kasten und durch die Frische bin ich ein wenig wacher. So schaffe ich es auch ohne merkliche Artikulationsschwierigkeiten Malte anzurufen, damit er mich nach Hause fahren kann. Ich bin ein Mensch, der grundsätzlich wenig Schlaf braucht, der immer noch etwas sieht was erledigt werden sollte, bevor ich mich ausruhen kann – selten habe ich mich so auf mein Bett gefreut wie in diesem Augenblick!

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