15.06.2018

Warum bin ich hier?
Die Erkenntnis darüber, dass wir Dinge tun sollten für die wir bestimmt sind, die uns interessieren, inspirieren und uns beschäftigen, ohne dass es sich nach „Arbeit “anfühlt, kann ein Leben verändern und in neue Wege leiten.
Schon als Kinder möchten wir ein selbstbestimmtes, freies Leben führen, Neues entdecken und so bald wie möglich auf eigenen Beinen stehen.
Ich spürte schon früh, dass es kaum etwas wichtigeres gibt als ehrlich zu sich selbst zu sein und erkannte, je mehr wir DEN Beschäftigungen in unserem Leben nachgehen, die uns wirklich etwas bedeuten, desto weniger Angst müssen wir davor haben, sie irgendwann nicht mehr machen können…
Doch wie findet man heraus wozu man bestimmt ist? So einfach ist das gar nicht. Weder wenn das Bauchgefühl nach dem ersten Schulabschluss signalisiert: „wenn du glücklich werden willst, tue das was du möchtest, wohin es dich auch immer bringen mag“ und die Eltern natürlich auf: „Kind lerne etwas Vernünftiges“ bestehen, noch wenn man sich Mitten im Leben befindet und aus welchen Gründen auch immer sich diese Frage stellen muss – „warum bin ich hier?“
Mit einundzwanzig hatte ich die Antwort für mich gefunden und war stark genug meiner „unvernünftigen“ Leidenschaft, dem Tanzen, zu folgen. Und auf diesem Weg zur Musicaltänzerin, erlangte ich eine neue Erkenntnis über das Leben: Ich bin in diesem, unserem Universum, auf diesem Planeten nicht wichtiger als ein einzelnes Sandkorn an einem unendlich großen Sandstrand – ich erkannte, dass es gut ist, sich selbst und das Leben nicht SO wichtig zu nehmen. Das gab mir ein befreiendes, entspanntes und irgendwie auch beruhigendes Gefühl.
Nun, mit bald achtundvierzig Jahren, stelle ich mir diese Frage wieder. Das Motto: „Höre auf dein Bauchgefühl! Denn wenn es in die Hose geht, verzeihst du dir das viel eher, als wenn du nur nach dem Kopf entscheidest“, behalte ich wohl bei. 😉
So ist Chemo-Zyklus Nr. 7 nun abgeschloßen und schleichend stellt sich eine Erwartung ein, die den Abschluss von etwas ankündigt. Die sagt, „wow, jetzt ist es bald geschafft, jeyh!“ Aber um mich herum es ist ganz schön still…
Klar, es geht noch weiter. Die abschliessende MRT-Untersuchung nach der Chemotherapie, die eventuelle Bestrahlung und/oder die anschließende medizinische Reha – und dann irgendwann, wenn alles wieder gut ist, kommt das „normale Leben“ zurück?
Nein, eben nicht! Dieses alte Leben wird nicht wieder kommen. Es ist ein Neues, nicht besseres, aber sicher auch kein schlechteres Leben, nur anders und glücklicher Weise weiß keiner von uns wie viel Zeit noch bleibt.
Darum ist es so wichtig, das Leben so zu genießen wie es gerade ist und nicht auf „bessere Zeiten“ zu warten. Ich freue ich mich also schon auf die letzte Runde mit rosa Elefanten, intravenöser Schorle und Aperol-Spritz und werde das entsprechend feiern!!

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