13.02.2019 Ein Jahr, zwölf Monate und bald 365 Tage

Am 19.02.2018 ging ich auf Anraten meiner Hausärztin in die Notaufnahme der Asklepios Klinik Hamburg Altona. „Die sollen sie mal richtig Untersuchen, diese leichten Beschwerden tragen sie ja schon länger mit sich rum.“ Ahnungslos ging ich ins Krankenhaus um dann, nach zehn Tagen bangen, warten und beten die Diagnose Non-Hodgkin-B-Zell-Lymphom zu erhalten. Eine bösartige und aggressive Krebserkrankung des Lymphsystems, welches unentdeckt in wenigen Monaten zum Tod führen kann. Der Weg, auf dem ich mit meiner Familie ging, war plötzlich zu Ende, ohne Hinweis und ohne Warnschild. Ja, es ist Krebs! Doch mit den heutigen Therapiemöglichkeiten gut zu behandeln und die Chance auf Heilung ist ebenfalls gut. So beginnt die Chemotherapie über acht Zyklen auch gleich am nächsten Tag.
Von Anfang an war es mir eine Herzensangelegenheit meine neue Lebenssituation mit den Menschen zu teilen. Zu viele meiner Leute mussten wegen Krebs schon viel zu früh gehen und viel zu wenig wusste ich darüber. Ich wollte offen, informativ und so positiv wie möglich mit meiner Krebserkrankung umgehen, denn Krankheit und Vergänglichkeit scheinen nicht in unseren „Lifestyle“ zu passen, doch gehören sie ohne Kompromisse zum Kreislauf des Lebens dazu! So fing ich an zu schreiben, ließ schreibend meine Leben Revue passieren und merkte schnell, dass genau dies Balsam für meine Seele ist. So entstand mein Blog Polli´s Seitenblicke, in dem ich bis heute über meine Gefühle und den ganz normalen Klinik-, Bürokraten- und Versicherungswahnsinn erzähle.
Die vergangenen zwölf Monate haben mir viel genommen: Meine Gesundheit, meine Arbeit und all meine Haare, aber auch viel gegeben: Meine Lebensfreude, Demut und den Mut laut zu sagen was mir am Herzen liegen – ständig begleitet von der Liebe meiner Familie und Freunde!
Vielleicht sind wir von heute auf morgen, von jetzt auf gleich nicht mehr da. Also erzähle von den dir wichtigen Dingen den Menschen die dir wichtig sind oder auch der ganzen Welt! Denn nur dadurch erreichen wir, bewegen wir und verändern wir!
Morgen, fast genau ein Jahr nach meinem Tag X, beginnt nun die dritte Nachsorgeuntersuchung mit der Blutentnahme. Gefolgt von MRT und CT, welche wieder in Begleitung von „rosa Elefanten“ am Freitag durchgeführt werden. Durchzogen von meiner Rezidiv-Angst lebe ich eine Art Hassliebe zu den Untersuchungen, von denen ich mir immer eine positive Bestätigung wünsche, gleichzeitig eine riesige Angst vor bad news habe! Doch ich schaue hin und versuche meine Angst zu bändigen in dem ich erkenne, dass es gut ist wie es ist, denn wir alle sind ein Teil des großen Ganzen. „Wie ein kleines Sandkorn auf einem wunderschönen Sandstrand.“

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