09.06.2018

Und noch eine Runde auf dem Lebenskarussell – Yoga im Volkspark, 2Cellos Konzert im Stadtpark und ein zufälliges Gruppentreffen!

Auch wenn es nun gegen Ende der Therapie etwas schwerer für mich wird, stand diese Woche einiges auf meiner „to-do“ Liste. Oft höre ich „aber du siehst so gut aus, gar nicht krank“ oder „Mensch, eingeschränkt bist du ja gar nicht, kannst noch vieles machen“. Ja, kann ich – weil ich es so möchte! Es gibt viele Situationen, in denen es mir schwer fällt Sport zu machen, mich zu verabreden oder Termine bei Behörden für die notwendigen Formalitäten rund um meine Erkrankung wahrzunehmen. Aber hey, wie sagt man so schön – das Leben ist kein Ponyhof, geritten wird aber trotzdem!
Kennt ihr die nebenan-App? Eine Nachbarschafts-App in der Dinge, Hilfe und/oder Kurse etc. gesucht, angeboten und Informationen ausgetauscht werden. Darin bot eine Trainerin Yoga im Volkspark auf Spendenbasis an. „Schöne Idee“ dachte ich und meldete mich bei dem Traumwetterchen gleich an. Fünf Frauen, von denen ich natürlich keine kannte, wollten teilnehmen. Am Treffpunkt angekommen war eine kleine Zurückhaltung und Verunsicherung bei der Begrüßung deutlich zu spüren. Aber das ist normal und je offener und neugieriger wir (ob krank oder kerngesund) auf fremde Menschen zugehen, desto leichter wird es. Dass das für mich Muskelkater bedeuten würde, da ich keine Yoga-Erfahrung hatte, war zu erwarten. Aber es hat sich wirklich gelohnt! Eine tolle Mischung aus Kräftigung, Dehnung und Entspannung. Das alles an der frischen Luft, mit Vogelgezwitscher und ja, auch einigen Nebengeräuschen von Hunden oder spielenden Kindern, die mich aber überhaupt nicht störten. Die App, und sich einfach mal auf etwas Neues einzulassen, kann ich nur empfehlen!
Weiter auf meinem Wochenplan stand der etwas vor mir hergeschobene Besuch bei der Rentenversicherung. Der Fragebogen zur Feststellung der Versicherungspflicht lag so gut wie ausgefüllt bereit, sowie der Antrag für die Reha. Doch da ich telefonisch darüber informiert wurde, dass keine Beratungstermine vergeben werden, musste ich da wohl einfach zu den Öffnungszeiten vorbei, um die noch offenen Fragen zu klären. Bei der Anmeldung erklärte ich mein Anliegen und hörte darauf die Antwort „ja, aber heute nicht mehr. Dafür kriegen sie einen Termin – morgen ist etwas frei geworden.“ Überrascht, aber dennoch froh, dass der Termin für mich passte, nahm ich das gerne an.
Wider erwartend stand ich also fünf Minuten später unverrichteter Dinge wieder auf der Straße. Da sich die Rentenversicherung auf der Ecke St. Pauli, meiner früheren Arbeitsstelle, befindet, traf ich mich ganz spontan mit Anja, einer Freundin und ehemaligen Arbeitskollegin, auf einen Kaffee. Hier war ich vor meiner Selbstständigkeit als Hundefriseurin fünfzehn Jahre lang täglich unterwegs. So fühlte sich das Treffen ein wenig wie eine kleine Reise in die Vergangenheit an. Anja und ich hatten uns seit meiner Erkrankung nicht mehr gesehen, also war es höchste Zeit und um so erfreulicher, dass es so spontan klappte. Wie der Zufall es wollte hatte sie auch noch eine Karte für das 2Cellos Konzert am nächsten Abend im Stadtpark übrig und lud mich dazu ein. Da Chemo 7 auf kommende Woche verschoben wurde und die Antikörpertherapie auf Übermorgen geplant war, sagte ich sehr gerne zu!
Vielleicht ein bisschen viel mit dem Yoga und den Behördengängen, aber ich möchte gerne weiter reiten! 😉
Es war so ein cooler, wundervoller Abend mit toller Musik, dem perfekten Wetter und einem stimmungsvollen Ambiente – hach, es war einfach schön! Danke Anja!
Ganz leicht verkatert (ja genau) stehe ich am nächsten morgen um 09:00 Uhr in der Tür der Anmeldung für die Tagesklinik und jetzt ratet mal wer da an der Theke steht – Herr Schnuggi!!! Die Überraschung ist groß und mit Freude begrüßen wir uns mit einer keinen Umarmung. Frau Schnuggi sitzt im Wartezimmer, es geht ihr leider nicht so gut. Als ich ins Wartezimmer komme, grüßend auf sie zugehe und mich neben sie setze, merke ich, dass sie nicht genau weiß, ob sie mich kennt. Sie lächelt aber und begrüßt mich ebenfalls freundlich. Als ich sie frage wie es ihr denn so ergangen ist, erkennt sie mich wohl langsam wieder. Als Herr Schnuggi dazu kommt, übernimmt er das Wort und erzählt schnell, dass sich bei seiner Frau leider ein neuer Krebs gebildet hat, so dass vor der geplante Bestrahlung nochmal eine Chemotherapie erfolgen muss. Dabei wirbelt er herum, holt Kaffee und fragt auch alle anderen Wartenden, ob er ihnen ein Tässchen einschenken darf. Er ist bemüht positiv zu sein und alles Notwendige für sein Schnuggi zu machen. Doch dabei merke ich, dass er mit der Situation auch ein wenig überfordert zu sein scheint, denn neben dem Krebsleiden seiner Frau, welches sie körperlich immer mehr schwächt, ist die leichte Demenz eine große Belastung für den guten Mann.
Als wir etwas später wieder einmal auf unseren roten Stühlen platz nehmen, plaudern wir weiter und auch Frau Schnuggi lacht und erzählt wie gerne sie tanzt, dass sie alles schaffen, aber auch, dass sie keine Lust mehr hat…
Plötzlich höre ich eine Stimme: „also hier hat man ja nie seine Ruhe“ und Mandy spaziert lächelnd herein. Noch ein schönes Wiedersehen! Wir alle lachen und freuen uns sehr über das zufällige „Gruppentreffen“ – Krankheit verbindet! Krankheit verändert aber auch und mein Krebs hat auch mich verändert.
Die Rosa-Elefanten-Infusion läuft längst, doch durch den ganzen Trubel ist an eine Nickerchen nicht zu denken. Die Zeit vergeht wie im Fluge und erst als sich das Gruppentreffen auflöst, schließe ich die Augen noch für ein Stündchen. Als die Antikörpertherapie geschafft ist, informiert mich die Krankenschwester noch darüber, dass meine Werte leider wieder eine Blutarmut aufzeigen und ich darum am kommenden Montag zusätzlich zum Chemo-Tag 7.1 noch eine Bluttransfusion erhalte. Müde von den Medikamenten stimme ich zu und lasse mich von einemTaxi nach Hause fahren. Mit einem dicken Grinsen im Gesicht lege ich mich gleich wieder hin um nochmal eine Runde zu schlafen, bevor es weitergeht mit der nächsten Runde auf dem Lebenskarussell!

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