08.01.2019 eine Bahnfahrt…

Morgens 07:00 Uhr am Hauptbahnhof Hamburg – der frühe Vogel… na, ihr wisst schon! Es ist dunkel, stürmisch und es regnet. Mit Reisetasche und Rucksack bepackt verabschiede ich mich nur flüchtig von Malte, ich will nicht weinen, was mir aber schwer fällt.  Die Informationen auf der Anzeigetafel sehe ich wegen der aufsteigenden Tränen verschwommen, aber ich reiße mich zusammen. Es ist noch etwas Zeit und ich halte an einem Kaffee-Shop. Mit einen Cappuccino und ein Croissant bewaffnet stolpere ich die Treppe zum Gleis hinunter. „Man, bin ich schon lange nicht mehr Bahn gefahren“, schießt es mir durch den Kopf. Ich versuche mir einen Weg durch die vielen Menschen zu bahnen und erreiche den Punkt an dem ungefähr Wagen 7, mit meiner Sitzplatzreservierung 123 halten sollte. Dann eine Durchsage: „Die Wagen des ICE 973 verlaufen heute in umgekehrter Reihenfolge.“ Weil das mein Zug ist mache ich mich auf den Weg, ein Stück zurück. Dabei kreuze ich wieder die gleichen Mitreisenden, die nun in die entgegengesetzte Richtung gehen. Kaum zum Stillstand gekommen, folgt die nächste Ansage: „ICE 973 fährt mit plus zwanzig Minuten Verspätung ein.“ Ungläubig schaue ich auf die Tafel und da steht es in Laufschrift: +20 Minuten. Damit ist klar, dass ich in Hannover den Anschluss-Zug nach Goslar nicht schaffen werde und schon weiß ich wieder warum ich so selten Bahn fahre!
Langsam wird es heller und der Regen prasselt gegen die Scheiben. Ich lass mir meinen Cappuccino und das Croissant in einem IC, der kurz nach der Verspätungsmeldung eintraf, schmecken. Meinen Anschluss in Hannover verpasse ich dennoch und schlendere gemütlich durch die Gerüche von frischgemahlenem Kaffee, Brötchen, Pizza und Grillwürste. Menschenmassen ströhmen immer wieder hektisch von den ankommenden Zügen die Treppen hinunter in die große Bahnhofshalle. Es herrscht hektisches Treiben und trotz des miesen Wetters gehe ich mehr als rechtzeitig zum angekündigten Bahnsteig. 09:48 Uhr Abfahrtszeit für den RE10 nach Goslar. „Hm, ausgerechnet nochmal eine Verspätung“,  und sehe in diesem Augenblick wie einige, ebenfalls wartende Personen plötzlich das Gleis verlassen. Mein Blick geht zur blauen Tafel, da hat sich nichts verändert. Zwei Frauen schauen sich ebenfalls fragend um. „Gab es eine Durchsage?“ Auch sie hatten nichts verständliches gehört, aber kurzentschlossen folgen wir der Herde, die schon einen kleinen Vorsprung hat. Unten in der Halle angekommen verlieren wir den Anschluss und kontrollieren die großen Informationsbildschirme. Immer noch Gleis 7, nichts hat sich verändert. Gerade als wir unsicher wieder zurück gehen wollen, ändert sich die Information auf Gleis 4! Den schweren Rücksack auf dem Rücken, die große Reisetasche in der Rechten renne ich die Treppen hoch und höre dabei wie sich eine Bahn in Bewegung setzt. Es ist der RE10 nach Goslar. Der nächste, das weiß ich ja schon, geht in einer Stunde! Fassungslos und den Tränen nahe gehe ich zum Reisezentum der Deutschen Bahn und hole ein Fahrgastrechte-Formular, womit man den Fahrpreis zurückerstattet bekommen kann. Auf welchem Bahnsteig der nächste Zug fährt kann mir die Mitarbeiterin nicht sagen. Gibt mir aber den Tipp, mich unter einen der Lautsprecher zu stellen, denn manchmal seinen die Durchsagen zu leise.

Eine gute Stunde später sitze ich tatsächlich im RegionalExpress und eine weitere Stunde später im Bus-Shuttle zum Rehazentrum Clausthal-Zellerfeld. Zusammen mit drei Patientinnen bilden wir das letzte Neuling-Grüppchen. Das Haus ist groß und hell, die begrüßende Mitarbeiterin erklärt uns sehr freundlich das Wichtigste und kurz darauf sitzen wir beim Mittagessen. Gisela aus Papenburg, Ulrike aus Emden und eine „Friesen-Sister“, also eine Frau mit ähnlicher Frisur, deren Name und Herkunft ich mir leider nicht merken konnte. Danach trennen sich unsere Wege und ich beziehe mein Zimmer. Die letzte Tür in einem langen Flur des dritten Stockwerks ist meine. Angenehm überrascht sehe ich mich kurz in dem geräumigen, hellen Raum und dem Badezimmer um. „Wow, schön ruhig mit Blick auf Wald und See“. Zeit auszupacken bleibt mir nicht. Der Pflegedienst, EKG und mein zugewiesener Arzt erwarten mich in dieser Reihenfolge.
Ich habe ein gutes Gefühl. Die Mitarbeiter/innen sind durchweg nett, der Arzt hat zugehört und mich unter anderem in die Reha-Leistungsgruppe (Sport für Fortgeschrittene) sowie zum Therapiesingen eingeteilt und nun beschließe ich den Abend mit Mandalazeichnen. Es gibt also viel Neues zu entdecken!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.