07.12.2018

Freier Fall

Dass ich meine Mama zu ihrem 80. Geburtstag in die Arme schließen kann, ist einfach ein wunderbares Geschenk, sowohl für sie wie für mich! 🙂 Es ist so schön, wieder bei meiner schweizer Familie zu sein und den einen oder anderen alten Bekannten aus der Kinder- und Jugendzeit wieder zu treffen. Für mich hat sich in dieser Umgebung nicht wirklich viel verändert, auch wenn sicherlich viele Einheimische das etwas anders sehen. Natürlich sind viel mehr Menschen, Häuser, Geschäfte und Straßen dazugekommen, doch ein paar Traditionen aus diesem alten Dorfleben werden noch immer gelebt. Da treffen sich zum Tischfussball-Turnier die Alten (das sind wir) ;-), wie die Jungen und es spielen das „Säntisfäger 2.0“-Team gegen Team „Chef noch 2 Bier“ oder „Madonnas Dickdarm“! Beinahe jeder kennt jeden und gemeinsam verbringt man den ganzen Tag bis in den Abend hinein. Dass es dabei ab späterer Stunden auch etwas feuchtfröhlicher zugeht, ist fast normal. Sollte jemand dann doch etwas zu tief ins Glas geschaut haben und versehentlich ein Nickerchen auf dem Klo machen, verlieren die Anderen ihn nicht aus den Augen und es wird dafür gesorgt, dass er gut nach Hause kommt. Es ist eine kleine Welt, in der bestimmt nicht alles in Ordnung ist, aber dieses Gefühl von Zusammenhalt kenne ich nur von dort aus dem Dorf.

Als ich kurz vor meiner Abreise noch Schweizer Franken am Geldautomaten ziehen möchte, erklärt mir dieser kurz „Transaktion nicht möglich“. Da fällt mir es mir ein, „ich habe vergessen die Karte für´s Ausland freischalten zu lassen“. Doch ein kleines, ungutes Gefühl lässt mich fragen, ob es wirklich nur daran liegt? Die wenigen Tage in Zürich vergehen wie im Fluge und zurück zu Hause will der Kühlschrank gleich gefüllt werden. Joshua begleitet mich zum Einkaufen und als ich mit der EC-Karte bezahlen möchte, wird es ein wenig unangenehm. Wieder kommt die Information „Transaktion nicht möglich“ und auch nach dem zweiten Versuch kann ich nicht bezahlen. Joshua schaut mich fragend an, doch glücklicher Weise habe ich gerade noch genügend Bargeld in der Tasche. So schnell wie möglich gehe ich meiner Konto-Frage nach und da leuchtet mir ein dickes, fettes Minus rot entgegen. Bei genauem Nachsehen stelle ich fest, dass die BU-Versicherung nicht bezahlt hat. Kein Schreiben, keine Email, kein Anruf hat mich im Vorfeld darüber informiert! Es ist schon abends, also sende ich schweißgebadet eine kurze Email – es reicht nämlich schon ein Gedanke um die nächste Hitzewallung auszulösen.  Nach einer unruhigen Nacht versuche ich gleich am nächsten Tag bei der Versicherung jemanden telefonisch zu erreichen. Erstaunt, dass ich bereits nach dem zweiten Versuch erfolgreich bin, höre ich wie die wirklich nette Mitarbeiterin mich darüber informiert, dass die Versicherung ihre Entscheidung meinem Antrag auf Leistungen stattzugeben nun doch aufgrund neuer Informationen widerruft.  Mit etwas Glück muss ich aber die bisher erhaltende Rente nicht zurückbezahlen. „What the f…“, das hat gesessen! Ich fühle mich, als ob mich gerade ein Trecker überfahren hat. Am anderen Ende der Leitung entschuldigt sich die Mitarbeiterin noch für das fehlende Informationsschreiben und wünscht mir weiterhin alles Gute… überrollt liege ich platt auf dem Boden und kämpfe mit den Tränen. Es war doch alles geklärt und ich war so erleichtert und froh, dass ich mich an diesem Strohalm erstmal festhalten konnte und das zu erhalten, was das Ziel beim Abschluss der Versicherung war.  Eine Unterstützung, um wieder auf die Beine zu kommen. Geschockt und weinend schau ich auf die Uhr, da fällt es mir ein: In gut einer Stunde kommt die Fotografin, die mich für die Zeitschrift „Frau im Leben“ portraitieren soll. Also schiebe ich diesen Tiefschlag zur Seite – aufstehen, Kopf hoch, Krone richten und weiter geht´s!

Fido, Susi, Max und ich begrüßen Sabine, die Fotografin, die mit großem Gepäck unsere Wohnung betritt. Sie ist in meinem Alter und telefonisch hatten wir bereits Gemeinsamkeiten entdeckt. Zwei Katzen, ein Hund und Wechseljahr-Beschwerden. 😉 Neugierig wie unsere Vierbeiner sind, drängelt sich vor allem Susi schon bald in den Vordergrund. Bis auch sie – zusammen mit Fido und Max – sich vor der Linse präsentieren darf. Rampensau! 🙂 Sabine hat eine tolle Energie und schafft es mit ihrer angenehmen Art, dass ich (und augenscheinlich auch die Tiere) sich während den gut zwei Stunden Shooting rundum wohl fühlen. Am Ende erzählt Sabine über ihr Herzens Projekt www.magazine-me.de. Eine wirklich wunderschöne Idee und ein tolles Projekt, uns Frauen zu zeigen, dass wir alle so schön wie die Models in den Hochglanz-Magazinen sein können!

Etwas erschöpft holt mich am Abend die Geschichte mit der Versicherung wieder ein. Obwohl ich weiss, dass wir auch diese Situation wieder irgendwie schaffen werden und ich hoffentlich bald eine Arbeit finde, reißt mich das Geschehene in ein großes, emotionales Loch. Ich fühle mich wie gelähmt, hilflos und doppelt bestraft. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass es Menschen gibt, die ebenfalls plötzlich schwer erkranken, vielleicht kleine Kinder haben und dazu noch alleinerziehend sind, stellt sich mir die Frage, ob es denn ernsthaft nicht ausreicht, dass man gesundheitlich ums Überleben kämpfen muss?!? Müssen diese vom Schicksal getroffenen Menschen wirklich noch um jede Unterstützung kämpfen?!? Um so wichtiger, dass  Vereine, Gemeinschaften und andere, private Organisationen gemeinsam gegen Krebs kämpfen und erkrankten Menschen in Not helfen. Wir alle können krank werden, treffen mal falsche Entscheidungen, können uns irren und machen Fehler – weil wir Menschen sind! Und gerade jetzt zur Weihnachtszeit, gegen Ende eines vielleicht nicht ganz so leichten Jahres, haben wir Hoffnung; Hoffnung dass es besser wird, dass die Dinge sich zum Guten wenden, für uns und für die, die sich vielleicht nicht mehr selber helfen können. DANKE #deutschekrebshilfe, #dkms

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