07.10.2018

Ist Kaffee gleich Kaffee oder ist das kalter Kaffee?😉
Solche Diskussionen entstehen tatsĂ€chlich ĂŒber zwei im Speisesaal stehende, klassische Fitermaschinen. Beim Ansatz meiner Bekannten Julia von der einen Maschine Kaffee zu zapfen ruft sogleich mein Hintermann: „Nein, nicht diesen, das ist der Schlechte!“ Etwas verdutzt schauen wir unsicher zur Mitarbeiterin hinter der Theke, die lĂ€chelnd entgegnet: „Mir schmeckt der!“ Julia antwortet schmunzelnd zurĂŒck: „Mir auch“, nimmt ihren vollen Becher und geht weiter. Nun stehe ich zwischen den Fronten. Höre meinen Hintermann weiter lĂ€stern, wie fĂŒrchterlich das MorgengetrĂ€nk aus dieser Maschine schmecken soll, die Mitarbeiterin steht auch noch da und ich direkt vor der Maschine, einen Knopfdruck von meinem eigentlichen Ziel entfernt. Nun muss ich mich innert Sekunden entscheiden… ok, Becher drunter, Knopf gedrĂŒckt, fertig! Mit dem Grinsen der Mitarbeiterin vor mir und dem geschockte Blick des Mannes hinter mir, sage ich mit einem LĂ€cheln: „Plörre bleibt ja Plörre und wer nicht wagt der nicht gewinnt!“

Beim FrĂŒhstĂŒck sitze ich einer Frau mit einer ganz seltenen Krebserkrankung gegenĂŒber. Sie macht mir ein Kompliment fĂŒr das Armband welches Malte und Joshua mir von ihrer Shopping-Tour mitgebracht haben. Zur Verschönerung des etwas öden, grauen Gummibandes fĂŒr die *Port-Erkennung, trage ich es am gleichen Handgelenk. Sie erzĂ€hlt mir, dass sie ihren Port bereits fĂŒnfzehn Jahren hat! Sie ist damals an Brustkrebs erkrankt und danach noch zweimal an einer beinah unbekannten Tumorerkrankung – einer Art Hautkrebs unter der Haut in der Region der Brust, die es jedoch nicht mehr gab… Über drei Monate wurde sie deutschlandweit „von Pontius zu Pilatus“ geschickt, weil sich kein Onkologe ihrer Erkrankung annehmen wollte oder konnte.
GlĂŒcklicherweise hat sich dann doch eine hilfreiche Therapie gefunden, die sie ĂŒber sieben Wochen stationĂ€r am 19.02.2018 antrat. Das gleiche Datum an dem ich fĂŒr einen grĂŒndlichen Check in die Notaufnahme ging und erstmal nicht wieder heraus kam… und so wird auch mein Port frĂŒhestens nach ĂŒberstandenem zwei bis fĂŒnf Jahren Remissionszeit wieder entfernt werden.

SpĂ€ter sitze ich ein wenig in Gedanken versunken in meinem Zimmer, als plötzlich jemand an meiner TĂŒr ist und versucht hereinzukommen. Der Knauf wird gedreht und an der TĂŒrklinke gerĂŒttelt und geschĂŒttelt. 😳
Als ich öffne schaut mich eine ĂŒberraschte, schmĂ€chtige Frau mit Chemo-Friese, einigen Tattoos und vor allem mit großen Augen an. Ich lĂ€chle und meine: „Genau das mit dem falschen Stockwerk ist mir heute morgen auch passiert.“ Wir beide fassen uns lachend an den Kopf und verabschieden uns dann wieder. „Ich bin nicht alleine!!!“ 😂

Auf eine andere Art alleine bin ich allerdings ab heute leider doch wieder. Meine Lieben sind auf dem Nachhauseweg und so verbringe ich einen sonnigen Sonntag ohne sie, ohne Therapie, aber auch beinahe ohne Schnupfen hier in der Klinik. DafĂŒr begleitet mich ein ordentlicher Muskelkater vom gestrigen Training, den ich gemĂ€ĂŸ Plan fĂŒr nĂ€chste Woche schon morgen frĂŒh um 08:00 Uhr auf dem Crosstrainer weiter pflegen kann!😳😉

*implantiertes Portkathetersystem fĂŒr Venen, insbes. fĂŒr Chemotherapie

2 Antworten auf „07.10.2018“

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