07.04.2018

Bunter Hund

Meine dritte Chemotherapie ist pünktlich zum Wochenende durch und ich fühle mich ganz ok! Die üblichen kleinen Nebenwirkungen sind da, aber wirklich nicht erwähnenswert und in knapp zwei Wochen ist schon „Bergfest“!

Bis auf den Tag mit den vier Infusionen gehe ich mindestens zwei mal täglich mit Fido raus. Ok, mit Sport hat das nicht wirklich etwas zu tun, aber ich glaube es unterstützt mein Immunsystem, bei der Verarbeitung der ständigen Veränderungen meines Organismus, sehr gut. Eine regelmäßige Bauchatmung an der frischen Luft, die Bewegung und auch der Kontakt zu den anderen Hundehalter/innen ist eine unterstützende Regenerierung die mir Spaß macht! Selbst mein Göttergatte Malte hat etwas davon! Da mein, wie er es nennt, „gesteigertes Mitteilungsbedürfnis“  am Abend oft gestillt ist. 🙂

Weil die meisten Hunde gerne Kotakt zu den anderen Vierbeinern aufnehmen, sind wir  Frauchen und Herrchen untereinander oft schon gut bekannt. Gemäß Malte bin ich  in der Nachbarschaft (und dies auch schon vor meiner Erkrankung) bekannt wie ein bunter Hund. Es ist doch eigentlich schön eine gute und hilfsbereite Nachbarschaft zu pflegen. Diese steigende Anonymität durch die Digitalisierung mag vielleicht manchmal ganz bequem sein, aber wirklich schön ist es doch, wenn man Erlebnisse und Dinge mit Anderen teilen kann! Nur ein Haus weiter beispielsweise lebt eine Drei-Generationen-Familie mit drei Hunden: Schäfermischlings-Opa Puma, Dackeldame Elli und der pubertierende Bernhadiener Günter, der jetzt schon so groß wie ein kleines Pony ist. Sein Wesen und vor allem sein Blick jedoch lassen eine etwas kleinere Kugel in seinem riesigen Kopf vermuten. Jede Fellnase bleibt da stehen – also wird geschnüffelt, gepinkelt und wenn’s passt auch gequatscht.

Heute im Park treffen Fido und ich mal wieder „seine“ Lieblings-Mädels mit ihren Besitzerinnen Tina und Ulrike an. Die Freude ist groß und wir gehen, wie üblich, als Rudel gemeinsam weiter.  Ulrike hat erst Ende des vergangenen Jahres ihren Mann mit sechzig Jahren an Krebs verloren und Tina ist eine quirlige Mittvierzigerin, die mich gleich fragt: „Sag mal, hast du etwas mit deinen Haaren gemacht?“ Da ich den hier funktionierenden Nachbarsfunk kenne, gehe ich davon aus, dass meine Erkrankung allgemein bekannt ist. Lächelnd nehme meine Mütze ab – und ihre Mimik spricht Bände! Beide hatten noch keine Ahnung! In einer Sekunde sehe ich in ihren Augen Erschrecken, Überraschung, Mitleid und Neugierde. Das tut mir jetzt beinahe leid: „Ich ging davon aus, dass ihr davon schon gehört habt: ich bin leider an Krebs erkrankt.“ Nur einen ganz kurzen Moment fällt es mir nicht ganz so leicht tapfer zu bleiben, doch gleich mit dem Aufsetzten der Mütze hebe ich meinen Kopf, richte den Blick nach vorne und wir gehend quatschend, lachend und tröstend weiter als Rudel unsere Hunde-Runde!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.