05.10.2018

Kleine Aufmerksamkeiten des Lebens

Jeden Tag lerne ich neue Leute kennen und auch wenn es wildfremde Menschen sind, teilen wir alle ein ähnliches Schicksal. Das Schöne dabei ist, dass wir schlicht glücklich sind zu leben und dadurch gleich eine Vertrautheit vorhanden ist, die einfach tolle Gespräche entstehen lässt. Manche Patient/Innen sieht man oft in der gleichen Konstellation. Da gibt es die Mecker-Gruppe, die Pärchen-Gruppe oder die Brustkrebs-Gruppe (wovon angeblich 90 % hier sind). Diese Grüppchenbildung ist nicht so meins, doch es ist natürlich auch schön einige etwas besser kennenzulernen, vor allem wenn man dann nicht nur über Krankheit sprechen kann!😊

Leider kriege ich genau zum Besuch von meinen Lieben Halsschmerzen. Also ist wieder einmal eine Erkältung im Anmarsch und das nervt ziemlich. Doch wo so viele Menschen auf einem Haufen sind, steigt das Risiko sich anzustecken und mein Immunsystem scheint wohl noch nicht wieder auf der Höhe zu sein. So hole ich mir im Schwesternzimner Lutschtabletten, schütte mich beim Frühstück mit Ingwertee voll und ruhe mich hinterher aus, bis meine Männer hier angekommen sind.
Die Ferienwohnung liegt ganz in der Nähe der Rehaklinik, so dass ich zu Fuß in nicht mal fünf Minuten bei Ihnen bin. Vor Freude fließen wieder mal die Tränen – meine Güte bin ich nah am Wasser gebaut. 😉 Doch es ist wohl nicht nur die Freude, die mich weinen lässt… Hier dreht sich plötzlich alles wieder den ganzen Tag um den Krebs. Genau genommen um die Erholung davon, aber das Thema bleibt das gleiche und wie im Seminar der Krankheitsbewältigung erklärt wurde, dauert die Verarbeitung einer solchen Diagnose ein bis drei Jahre. Also ist es gut möglich, dass man mit der Reha auch nochmal in die Achterbahn der Gefühle einsteigt. 😊
Passend dazu begleitet Malte mich abends zu meinem Zimmer in der Klinik. Wir fühlen uns ein wenig wie Teenager auf Klassenreise, weil eine auswärtige Übernachtung aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht erlaubt ist. Nur mit dem Unterschied, dass ich heute ein braver Teenager bin! 😂
Damit ich keine Mitpatienten mit meiner Erkältung anstecke, stehe ich am am nächsten Tag gleich morgens bei meiner Ärztin auf der Matte. Sie entscheidet: Therapien werden alle für die kommenden zwei Tage gestrichen und neben den üblichen Medikamenten verordnet sie viel frische Luft. Klar ist das  irgendwie doof, aber Malte, Josh und Fido sind ja noch bis Sonntag hier bei mir am Ende der Ostsee-Welt. Also genießen wir die Zeit zusammen, das schöne Wetter und auch den weltbesten Kuchen vom Café Hof Schwansen gleich nebenan!😁

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