05.05.2018

Sonne und ein leerer Kühlschrank!
Mal motiviert und gut gelaunt, hüllt mich gleich am nächsten Tag ein merkwürdig, schweres Gefühl ein, welches mir meine Fröhlichkeit nimmt und es mir schwer macht, mich wohl zu fühlen. Woran es liegt weiß ich nicht, ich verstehe es nicht und frage mich, „warum? Wo ist denn die Leichtigkeit von gestern hin?“
Ich stecke noch immer in der Mid-Chemo-Crisis!
Der fünfte Zyklus startet nun, verspätet durch den kleinen Infekt, morgen Vormittag. Die Hälfte ist geschafft, eine Hälfte habe ich noch vor mir – doch so „einfach“ wie ich die ersten vier Chemo’s weggesteckt habe, wird es in den kommenden vier Therapien wohl nicht mehr werden. Mein Körper ist geschwächt, ist ja normal und darum versteckt sich auch die Motivation gerne mal unter einer Decke.. 😉
Ich versuche diese Schwere abzuschütteln und mich durch Beschäftigung und Ablenkung am Ball zu halten, denn das ist genauso wichtig wie Sport, Ernährung und Entspannung.
Vergangenen Freitag stand also wieder die Antikörpertherapie auf dem Plan. Sollten erst die Entzündungswerte im Labor getestet werden müssen, konnte ich mich auf einen Aufenthalt von mindesten fünf Stunden vorbereiten… Also packte ich mir extra zwei Bücher in die Tasche, neben meiner Trinkflasche, dem Frühstück und einem Snack für zwischendurch.
Es war ruhig in der Tagesklinik und für einen Freitag wirklich wenig los. Nur noch eine weitere Patientin war zur Behandlung da. Während die Krankenschwester die Infusion an meinen Port anschloß, unterhielten wir uns noch ein wenig über ihren Urlaub, mein Blutbild und wie lange ich die zusätzlichen Antibiotika noch nehmen sollte.
Kaum lief die Infusion, merkte bereits nach wenigen Minuten wie meine Augen schwer werden. Unfähig auch nur eine Zeile während des gesamten Aufenthaltes zu lesen, ließen mich die „rosa Elefanten“ in eine Art Wachkoma gleiten, dessen Wirkung ich auch noch den ganzen restlichen Tag spürte. An der Stelle, an der ich früher geschrieben, gelesen, gepostet und kommentiert habe, ist heute Funkstille.
Selbst am nächsten Tag fühle ich mich noch etwas  matschig, aber die Sonne und der leere Kühlschrank treiben mich an, einkaufen zu gehen. Geschminkt aber ohne Kopfbedeckung geht es zu REWE um die Ecke. Schon während ich über den Parkplatz zum Eingang gehe, sehe und spüre ich die Blicke, die mich nicht stören, aber auf den fragenden Gedanken bringen, ob das immer „ein wenig komisch“ bleiben würde?
Kurz vor der Kasse spricht mich dann eine mir bekannte Verkäuferin an: „Ich möchte ihnen nur sagen, dass ich sie bewundere für ihren Mut und dass sie das so durchziehen. Vor acht Jahren machte ich ebenfalls eine Chemotherapie durch. Selbst mit Perücke oder Kopftuch fühlte ich mich immer schrecklich und ich hätte nie die Kraft gehabt, mich so zu zeigen.“
Es ist ein tolles Gefühl, wenn man auf diese Weise jemanden aus seinem beinahe täglichen Umfeld etwas besser kennen lernt! Vor allem freue ich mich darüber, dass es ihr heute, acht Jahre nach der Chemotherapie,  wieder gut geht – dass macht nämlich Mut!

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