05.04.2018

„Ich atme ein“

Die gestrige Lieferung der Infusionen an die Tagesklinik hatten eine Verspätung von gut 2 Stunden, die ich mit schreiben, Musik hören und etwas quatschen überbrückte. Ja, dieser Heilungsauftrag, den ich mir da geangelt habe, ist kein „Halbtagsjob“ und fordert teilweise viel Geduld. Eine Eigenschaft, die bis heute nicht wirklich zu meinen Stärken gehört. Kaum waren die Infusionen da, haben sich die Schwestern ordentlich ins Zeug gelegt und mir vier Cocktails innerhalb von drei Stunden eingeflößt – das ist neuer Rekord!

Mit einem leicht lauen Magen- und Gesamtgefühl schlenderte ich anschließend mit plus drei Kilo Körpergewicht nach Hause. Selbst wenn ich bei meinem Lieblings-Italiener nach drei Tagen Fasten essen gehe, würde ich das nicht schaffen! 😉

Malte hatte Fido (der immer noch ziemlich Frühlingsgefühl verwirrte Hund 😉 ) mit bei der Arbeit und die Wiedersehensfreude nach einem ganzen Tag war überschwänglich und voller Liebe (natürlich auch bei meinem Mann :-)) ). Fido lächelt, wenn er sich so freut – von uns Menschen abgeschaut, zieht er die Lefzen hoch und grinst über die ganze Schnauze! Das ist zum Knutschen – darf ich aber nicht. 

Abends überkommt mich dann doch noch eine leichte Übelkeit. Also lege ich mich schlafen, um heute morgen ein aufgedunsenes und total verquollenes Gesicht im Spiegel zu betrachten. Herrjeh, wie hab ich mich in den vergangenen zwei Monaten verändert… dabei muss ich an eine Bemerkung von Malte denken, die er kürzlich, morgens zu mir sagte: „Schatz, ich hätte nicht gedacht, dass ICH das einmal zu DIR sagen würde, aber ich hab heute früh mal ein paar Stoppeln im Badezimmer weggemacht.“ Unweigerlich fuhr ich mir mit der Hand über meinen Kopf und wir lachten uns die Sorgen von der Seele! Also schmunzel ich mir in mein verquollenes Gesicht und wasche es trotzdem!

Als ich heute zum Chemotag 3.2  gegen 10:30 Uhr in der Tagesklinik starte, ist der Infusionsraum fast voll. Ich schau mich um und stelle fest: nur ein einziger Platz ist noch frei und meine Stimmung sinkt unweigerlich, denn ich muss  mich neben die etwas unangenehme „Rülps- und Husten-Bekanntschaft“ von vor zwei Tagen setzten! Hilfesuchend schaue ich mich nochmal um – nichts zu machen und dabei fällt mir zusätzlich auf, dass einige Patienten noch „unangestöpselt“ sind.  Da muss wohl wieder mit zusätzlicher Wartezeit gerechnet werden… genau in diesem Moment erinnere ich mich an den so treffenden Refrain eines Songs von einem der besten, deutschen Swing, Jazz & Soul Sänger, der leider viel zu früh gehen musste. Roger Cicero´s „Ich atme ein, ich atme aus ich setze ein Fuß vor den anderen…“

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