03.04.2018

Frühstück bei Asklepios

Leicht nervös packe ich noch schnell meine „must haves“ für einen halben Tag inklusive Frühstücks-Müsli in die Tasche und schaffe es gerade noch rechtzeitig in die Tagesklinik des Asklepios Krankenhauses. Es scheint wieder einmal ein Wundertüten-Tag zu werden…

Haben sich die Blutwerte verbessert? Brauche ich eine weitere Transfusion, diesmal mit dem Hauptgang „Thrombozyten“? Vielleicht hat sich das Blutbild über die Ostertage trotz Torten-Koma und Schoko-Osterhasen-Dilemma doch verbessert und es geht wie geplant mit der dritten Chemotherapie weiter?Also nehme ich Platz auf einem der roten Drehsessel, die mich spontan an „The Voice“ erinnern – allerdings gibt es keinen Buzzer. Dennoch soll es mir an Entertainment heute nicht fehlen…

Die Schnuggi´s kommen ebenfalls herein. Sie grüßen mich beide ganz herzlich, doch die gute Frau ist sehr in sich gekehrt und ich sehe ihr an, wie leid sie es ist hier sein zu müssen. Ich hoffe sie kann bald wieder mit ihrem Mann herum-albern und lachen.

In der Zwischenzeit wurde mir bereits Blut abgenommen und die Schwester kommt mit einem breiten Lächeln auf mich zu. „Die Blutwerte sind spitze!“ Ich freue mich riesig über die gute Nachricht und erhalte also die Antikörper-Infusion als Vorbereitung für den morgigen Chemo-Start 3.1. Das begleitende Medikament, welches mir dazu verabreicht wird und für die „rosa Elefanten“ verantwortlich ist, haut heute ordentlich rein! Tiefenentspannt denke ich, „Peace Schwester“ und schließe meine Augen, die ich kaum noch offen halten kann. 😉

Plötzlich hat das sonst eher stille Ambiente ein Ende. Eine der älteren Patientinnen ruft um Hilfe! Sie hat eine Schwellung über dem Port und starke Schmerzen im Rücken. Dabei kommt sofort Hektik auf, die Schwestern laufen zu ihr und rufen nach der Ärztin. Die Dame stöhnt leise unter den Schmerzen. Es ist eine allergische Reaktion, die zum Glück nach gut zehn Minuten durch ein Antiallergikum und Schmerzmittel wieder unter Kontrolle ist. Dabei öffne ich zwischenzeitlich nur mal kurz die Augen, um mich gleich wieder in meinen gemütlichen, roten Sessel zurück zu lehnen…

Doch herrscht heute eine große Unruhe. Die Schwestern und Angestellten sind angespannt, nicht nur weil mitlerweilen sieben bis acht Patienten zu betreuen sind, sondern auch durch eine neue Software, die über die Ostertage installiert wurde. Dadurch verzögern sich die täglichen Abläufe zusätzlich.

Etwas später betritt noch ein großer, kräftiger Mann an Krücken den Raum und setzt sich auf den noch freien Platz neben mir. Auf Nachfrage der Schwester, klagt er über ein ständiges Aufstoßen, welches eine etwas unangenehme Nebenwirkung der Chemotherapie ist. In diesem Fall vor allem unangenehm für uns Leidensgenoss/innen in seiner Nähe, da er es anscheinend für überflüssig hält, dabei den Mund geschlossenen oder zumindest die Hand davor zu halten. Dazwischen hustet er in gleicher Manier aus voller Brust! Ich dreh einfach den Kopf zur anderen Seite, zu mehr sehe ich mich gerade nicht in der Lage.

Nach einer Stunde wechselt das Szenario, das Rülpsen und Husten verabschiedet sich, dafür übergibt sich kurz darauf die arme Frau mir gegenüber – was für ein Tag!

Aber das alles nehme ich mit Ruhe und Gelassenheit der „rosa Elefanten“. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.