02.03.2018

1. Tag der Chemotherapie!

Ich bin wie ein unbeschriebenes Blatt und habe gefühlt keine Ahnung was auf mich zukommt. Aber genau so wie in den vergangenen Tagen, fast Wochen, fühle ich mich soweit ganz gut – also in positiv-aufgeregter Stimmung, kann´s jetzt wirklich los gehen!

Der Zugang wird gelegt, vorab gibt es kleine Flüssigkeiten gegen Blasenbeschwerden und Übelkeit, dann das morgendliche Cortison und der Magenschoner. Die erste Infusion wird angehängt, alles läuft gut. Bei der zweiten Infusion, mit einer leuchtend rote-orangene Farbe, darf ich den Arm nicht bewegen – was sagen uns die leuchtenden Farben in der Tierwelt?!?

Dazwischen besucht mich die Krankenhaus-Psychologin. Eine wirklich sympathische, nette Frau, die mir noch einige Tipps für „das Leben mit und nach der Chemo“ mitgibt und mir anbietet, mit ihr jederzeit ein Gesprächstermin vereinbaren zu können. Ich nehme mir vor das auch zu tun, nichts ahnend wie bald ich wieder an ihr Angebot denken werde.

Die dritte Infusion ist ein kleines Beutelchen, der in knapp 10 Minuten durch ist. Ich fühle mich immer noch ganz gut und sogar das Mittagessen schmeckt! Im Laufe des nachmittags kommt dann endlich die letzte Infusion herangerollt und nach ca. 30 Min. merke ich, da passiert was… Nicht’s schlimmes, aber ein Druck im Bauchraum, eine leichte Übelkeit, ein etwas komischer Geschmack im Mund… Als diese Infusion durchgelaufen und abgeschraubt ist, fühle ich mich wie ein wandelnder Wasserballon! In der Zeit von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr habe ich 3,5 kg mehr auf der Waage und ich versuche mit ein wenig Bewegung das Ganze irgendwie wieder loszuwerden. Eine knappe Stunde später ist nicht annähernd Besserung in Sicht und mit der Aussicht, dass ich ja noch mindestens 3 Tabletten schlucken muss, wird mir speiübel!

Die Krankenschwester gibt mir zuerst etwas zum Entwässern, dann später nochmal etwas gegen die Übelkeit und ich schaffe es noch irgendwie die letzten Medikamente für diesen einen Tag zu mir zu nehmen.

Am Abend kommen Malte und Josh vorbei. Das erste Mal, dass wir nicht zur Besucherecke schlendern und uns da hinsetzten. Die Erzählungen über ihren Tag lenken mich ein wenig ab, aber mir ist weiterhin so schlecht, dass sich so langsam und hinterrücks, das Gefühl von Kranksein einschleicht…

Dann durchlebe ich einen Abend und eine Nacht, die mich ungebremst auf den Boden der Tatsachen landen lässt: Ich bin krank und zwar todkrank! So unreal es vorher war – ich fühlte mich ja gesund, beginnt jetzt, wo es mir anfängt schlechter zu gehen und ich in absehbarer Zeit eventuell auch richtig krank aussehen werde, die Zeit die mir gut tun wird und die Zeit der Heilung!
Ich heulte Rotz und Wasser und dabei merke ich es langsam und deutlich, wie angespannt und festhaltend ich an meinem alten Leben hänge. Ahnungslos bemüht – nur positiv in die Zukunft zu blicken. Die Tränen bringen ein wenig Erleichterung und lassen auch die Übelkeit vorübergehend fast verschwinden.

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